Soziales
Stadtteilmütter sind Barrieren-Räumteams
Stadtmission Nürnberg braucht für Projekt neue Mitarbeiterinnen und Spenden
Nürnberg (epd). Mit ihrem Mann und den beiden kleinen Töchtern kam Rbeka Chekole Yakev 2008 nach der Flucht aus Äthiopien in Nürnberg an. Schon lange ist ihr Asylantrag positiv beschieden, mit dem Ankommen klappte es im Alltag aber lange nicht so: Sprachbarrieren, Behördengänge, der kulturelle Unterschied und nicht zuletzt der Alltag in der kleinen Wohnung machten ihr zu schaffen.

Gut, dass es Galina Rau-Petrovski gibt. Die 63-Jährige kennt die Situation, seit sie 1998 aus Russland nach Deutschland gekommen ist. Seit einem Jahr ist sie als Stadtteilmutter für die Stadtmission Nürnberg tätig und betreut die 26-jährige Äthiopierin.

Seit Start des Projekts "Stadtteilmütter" im Jahr 2010 habe die Stadtmission Nürnberg 43 Begleiterinnen ausgebildet, die in circa 100 Familie deren Eltern sowie etwa 200 Kinder betreut haben, erklärte Projektverantwortliche Alexandra Frittrang am Donnerstag in Nürnberg. Die Stadtteilmütter sollen ihre Erfahrungen der ersten Schritte der Integration in Deutschland an andere weitergeben. "Sie sind mehrsprachig, haben einen Migrationshintergrund und eigene Kinder groß gezogen", sagt Frittrang.

Ein bis zwei Mal pro Woche besuchen sie die Familien, helfen bei der Organisation des Alltags, bei Behörden- oder Arztgängen und sollen in erster Linie Mutmacher sein. Derzeit sind 14 Stadtteilmütter in etwa zehn Nürnberger Stadtteilen aktiv. "Unser Barriere-Räumteam", nennt es Vorstandssprecherin Gudrun Dreßel.

Und sie sollen mehr werden, da der Bedarf hoch und die Warteliste lang sei. Darum ist diese Form der Begleitung auf maximal zwei Jahre angelegt ist. "Die Stadtteilmütter sind begehrt und sollen auch nicht zur Selbstverständlichkeit in einer Familie werden. Sie sind aber wichtige Impulsgeber", ergänzt Frittrang.

Stadtteilmütter bauten in erster Linie Brücken in die für viele Geflüchteten erst mal schwer zu verstehende deutsche Alltagswelt. Inklusion" nennt Gudrun Dreßel diese niederschwellige Form von Integration und macht deutlich, dass in Nürnberg bereits jetzt 42 Prozent der Bürger in erster, zweiter oder dritter Generation über einen Migrationshintergrund verfügen. Grund genug, das Projekt weiter auszubauen. Die Nürnberger Stadtmission sucht daher ehrenamtliche "Stadtteilmütter". Mit ihrer Oster-Spendenaktion "Stadtteilmütter geben Chancen" will die Stadtmission außerdem die Projektkoordinatorenstelle, Aufwandsentschädigungen sowie Schulungen finanzieren. Der Spendenbedarf liege bei 40.000 Euro. (00/1010/30.03.2017)

epd lbm tle jo