Soziales
Sozialethiker fordert Gerechtigkeitskampagne von den Kirchen
Diakonie- und Kirchenvertreter lehnen Sanktionen gegen jugendliche Hartz-IV-Empfänger ab
Nürnberg (epd). Kirchen und Diakonie sollten sich laut Expertenmeinung in den anstehenden Wahljahren zu einer "Gerechtigkeitsbewegung" aufschwingen. Diesen Vorschlag hat der Marburger Sozialethikers Franz Segbers bei einer Podiumsdiskussion in Nürnberg zum Thema "Diakonisches Handeln 500 Jahre nach der Reformation" gemacht. Sie sollten sich für Rechte der Menschen einsetzen, die an den Rand gedrängt seien und "politisch arm gemacht" wurden, sagte Segbers.

Er kritisierte bei der Veranstaltung der evangelischen Jugendsozialarbeit in Bayern (ejsa) vor allem die Sanktionen, mit denen jugendliche Arbeitslose belegt würden, wenn sie beispielsweise Termine beim Jobcenter versäumten. Die Hartz-IV-Leistungen drastisch zu kürzen, nehme diesen jungen Leuten das soziokulturelle Existenzminimum und "nimmt es billigend in Kauf, dass sie kriminell oder obdachlos werden", sagte Segbers.

Auch der Präsident der Diakonie Bayern, Michael Bammessel, sprach sich gegen Sanktionen gegen junge Arbeitslose unter 27 Jahren aus. Er sagte, die Klienten der Jugendwerkstätten der ejsa seien oft "sperrige Menschen, bei denen man mit einem "rein optimistischen Menschenbild" nicht immer weiterkomme. "Aber jeder ist es wert, dass er noch eine Chance bekommt." Das sei die eine Aufgabe der ejsa. Die andere sei es, als Anwalt dieser jungen Leute gegenüber der Politik zu fungieren. "Wir müssen den Finger in die Wunde legen." Bammessel kritisierte außerdem, dass der Staat nicht mehr Geld in die Jugendmigrationsdienste investiere, sondern stattdessen sogar drohe, hier zu kürzen.

Abgehängten jungen Leuten müsse man zeigen, "dass sie ein wertvolles Mitglied der Gemeinschaft sind" und sie zum Beispiel in Kirchengemeinden "einladend begleiten", schloss sich die Präsidentin der evangelischen Landessynode, Annekathrin Preidel an. "In der Pädagogik arbeiten wir ja auch nicht mehr mit Belohnen und Strafen", sagte sie. Sie forderte Kirchengemeinden auf, über den Tellerrand zu schauen und sich im Rahmen des landeskirchlichen Reformprozesses "Profil und Konzentration" diakonisch zu profilieren. "Als Kirche haben wir gute Argumente, die Logik einer Gesellschaft aus Gewinnern und Verlierern auszuhebeln", forderte auch Preidel ein Engagement der Kirche für Chancengerechtigkeit. (00/0814/15.03.2017)

epd lbm jo cr