Kultur
Oberammergauer Theatersommer will "Zivilcourage" thematisieren
München, Oberammergau (epd). Im Zentrum des Oberammergauer Theatersommers wird 2018 eine Inszenierung des Klassikers "Wilhelm Tell" stehen - laut Regisseur und Mitveranstalter Christian Stückl nicht zuletzt, um das Thema Zivilcourage auf die Bühne zu bringen. "Das Stück passt in diese Zeit, in der die Tyrannen um uns wieder wachsen", betonte Stückl am Donnerstag bei der Vorstellung des Spielplans in München. "Da wird es sicher nicht vorrangig um die Gründung der Schweiz gehen - sondern um die Frage, die auch Schiller beschäftigte: Inwieweit müssen wir aufstehen, wenn uns die Welt um uns herum langsam zunehmend böse vorkommt."

Zusätzlich soll im Oberammergauer Passionstheater einmal mehr das Volksstück "Der Brandner Kaspar und das ewig' Leben" aufgeführt werden - anders als "Wilhelm Tell" nicht mit Oberammergauer Laiendarstellern, sondern in der Inszenierung des Münchner Volkstheaters. "Ich mag den 'Brandner Kaspar' im Volkstheater ja fast lieber, weil's da intimer ist - aber die Leute mögen's und kommen in Scharen", scherzte Stückl.

Die Inszenierung des "Wilhelm Tell" wird am 6. Juli 2018 in Oberammergau Premiere feiern, weitere sieben Aufführungen sollen folgen. Karten sind ab dem 1. Dezember erhältlich. Der "Brandner Kaspar" des Volkstheaters wird am 12. und 13. Juli gastieren, für diese Abende läuft der Vorverkauf bereits. Als dritte Veranstaltung ist für den 27. und 28. Juli eine weitere Ausgabe des auf Künstler aus dem Alpenraum spezialisierten Musikfestivals "Heimatsound" geplant. Nach Veranstalterangaben waren die Tickets am Donnerstag bereits eine halbe Stunde nach Verkaufsbeginn komplett vergriffen.

Der Oberammergauer Theatersommer füllt seit sieben Jahren regelmäßig mit Theater- und Opernaufführungen im Passionstheater die Lücke zwischen den alle zehn Jahre stattfindenden Oberammergauer Passionsspielen. Wie die Zukunft der Veranstaltung nach den Passionsspielen 2020 aussieht ist allerdings noch unklar, wie Stückl am Donnerstag erklärte. "Wir könnten uns vorstellen, das weiterzumachen", sagte er. Nötig sei aber ein Entgegenkommen der Gemeinde Oberammergau. Die bisherige finanzielle Ausstattung lasse die Arbeit am Theatersommer an "Selbstausbeutung" grenzen. (3600/23.11.2017)

epd lbm nau cr