Kultur
Mit einem Klick ins Lutherzimmer
Virtuelle Ausstellung über die frühe Reformationsgeschichte in Bayern freigeschaltet
München (epd). Sich durch das historische Lutherzimmer auf der Veste Coburg klicken, den Hedwigsbecher begutachten oder in Original-Lutherhandschriften blättern: Im Jubiläumsjahr der Reformation präsentiert "bavarikon", das Kulturportal des Freistaats Bayern, seine erste virtuelle Ausstellung. "Martin Luther und die frühe Reformation in Bayern. Anhänger, Gegner und Sympathisanten" zeigt bedeutende Orte, Persönlichkeiten und Kulturschätze der bayerischen Reformationszeit im 16. Jahrhundert. Am Mittwoch wurde die Ausstellung unter "www.bavarikon.de/luther" freigeschaltet.

Die bayerische Reformationsgeschichte wird dem Besucher über drei Einstiegswege erklärt - über zwölf Orte und neun Personen der Reformationsgeschichte und Exponate aus ganz Bayern, wie Stephan Kellner, der die inhaltliche Leitung bei "bavarikon" innehat, erläutert. So wird beispielsweise Luthers sechsmonatiger Aufenhalt in Coburg geschildert, wo der Reformator Zuflucht während des Augsburger Reichstags 1530 fand, zu dem er wegen der gegen ihn verhängten Reichsacht nicht kommen konnte. Weit entfernt auf der Veste Coburg verfasste er zahlreiche Schriften, unterhielt Korrespondenzen - und konnte auf diese Weise dennoch Einfluss auf das Geschehen in Augsburg nehmen.

Als einer der Höhepunkte der virtuellen Ausstellung ist nun eine 3D-Präsentation des Lutherzimmers zu sehen - einem der wichtigsten Gedenkorte der Reformationsgeschichte. Mit ein paar Klicks steht man im Lutherzimmer zum Beispiel vor dem Original-Türstock mit der Inschrift "da zu augspurg die confession ward ubergeben, thät martin luther still wirkend hier leben" oder vor einem Luther-Bildnis aus der Werkstatt Lucas Cranachs. Ausgestellt ist auch der berühmte Gläserne Hedwigsbecher aus dem 12. Jahrhundert, der sich nachweislich seit 1541 im Besitz des Reformators befand und der noch heute in der Veste Coburg zu sehen ist.

Heimatminister Markus Söder (CSU) sagt bei der Freischaltung in der Bayerischen Staatsbibliothek, für ihn sei die Ausstellung eine große Freude und etwas Besonderes. Ohne Luther gäbe es schließlich heute nicht den christlichen Glauben in dieser Stärke, betont der bekennende Lutheraner, der auch Mitglied des bayerischen evangelischen Kirchenparlaments ist. Die Kirche habe zu Zeiten Luthers in einer tiefen Sinnkrise gesteckt. Luther habe den Glauben endlich für alle verständlich gemacht. Söder räumt bei aller Feierlaune über 500 Jahre Reformation in diesem Jahr aber auch ein: "Heute sind wir froh, wenn überhaupt noch jemand glaubt."

"bavarikon" ist das Kulturportal des Freistaats Bayern und seit April 2013 online. Bislang seien mehr als 210.000 digitale Exponate zu sehen, pro Monat kämen 1.000 neue dazu, sagt Stephan Kellner. Für die virtuelle Luther-Ausstellung haben die Bayerische Staatsbibliothek, das Hauses der Bayerischen Geschichte und die Staatlichen Archive Bayerns zusammengearbeitet. 21 Kultureinrichtungen haben insgesamt 123 Exponate für die digitale Schau zur Verfügung gestellt. Darunter seien handkolorierte Lutherbibeln zu sehen sowie 26 Original-Handschriften Luthers - samt Wasserflecken, Durchstreichungen, Randnotizen und der deutlich lesbaren Unterschrift des Reformators.

Dazu kommen Kurzbiografien von neun Persönlichkeiten der Reformation und ihren Gegenbewegungen - etwa von der Luther-Anhängerin Argula von Grumbach (1492-1568) oder der Nürnberger Äbtissin und Reformationsgegnerin Caritas von Pirckheimer (1467-1532). Als wichtige Orte der Reformation werden neben Coburg Augsburg, Nürnberg, München oder Neuburg an der Donau vorgestellt. So können sich die Besucher durch Fotos der Lutherstiege in Augsburg durcklicken oder durch Fotos der Schlosskapelle in Neuburg an der Donau, des ältesten für den protestantischen Ritus errichten Kirchenraum Deutschlands. (00/0807/15.03.2017)

epd lbm cr as

Von Christiane Ried (epd)