Kirche
Luthers Einfluss auf Bayern hervorgehoben
Bayerisches Reformationsfest stellt Bedeutung der Reformation für das Heute ins Zentrum
Nürnberg (epd). Bei den Religionsgesprächen 1525 im Nürnberger Rathaus waren die Fenster weit geöffnet, damit das Volk den Disput der Ratsherren mitverfolgen konnte. Zu einem "Schlüsselereignis der Reformation" erklärte der Nürnberger Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) diesen Punkt der Geschichte bei einem Staatsakt am Samstag in diesem Rathaus. Nürnberg sei deshalb der einzige Ort, an dem das Bayerische Reformationsfest stattfinden könne. Einen Tag lang hoben Redner und Prediger die Bedeutung der Reformation für Bayern und ihre Folgen bis heute hervor. Aber die Gäste feierten auch mit einem Gottesdienst und historischem Treiben.

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) bezeichnete den Protestantismus in Bayern als tragende Säule der Gesellschaft. Martin Luther habe auch den Freistaat geprägt. Die typisch lutherischen Eigenschaften, Leistungsbereitschaft und Fleiß, seien dem Freistaat ebenso wie die Solidarität mit Kranken und Schwachen eine Verpflichtung, sagte Herrmann in Vertretung des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer, der bei der europäischen Trauerfeier für Helmut Kohl in Straßburg dabei war. "Anpacken zählt bei uns und ist fundamental wichtig".

Die Wichtigkeit der Reformation für Geschichte und Kultur ist auch nach Ansicht des bayerischen evangelischen Landesbischofs Heinrich Bedford-Strohm kaum zu überschätzen. In seiner Predigt in der Sebalduskirche unterstrich Bedford-Strohm die Bedeutung von Martin Luthers Glauben für die Menschen von heute und warnte vor moralischem Hochmut.

Es könne eine Folge von Luthers "wunderbarer Botschaft" sein, im Einsatz gegen Ungerechtigkeit in der Welt oder die Zerstörung der Umwelt barmherzig mit sich selbst und anderen umzugehen, sagte der Landesbischof in dem TV-Gottesdienst. Am Beispiel des Engagements für Flüchtlinge sagte er, "wir machen etwas falsch, wenn wir für moralisches Handeln eintreten und es kommt bei nicht wenigen an als Moralismus". Es sei etwas schiefgelaufen, "wenn wir anfangen übereinander zu richten und einander unter Rechtfertigungsdruck zu bringen".

Das 500-jährige Reformationsjubiläum sei nicht Gelegenheit für einen nostalgischen Blick zurück, sondern Anlass für einen Blick nach vorn, erklärte Bedford-Strohm später beim Festakt im Historischen Rathaussaal. "Wir müssen uns ständig erneuern und davon wird die ganze Gesellschaft profitieren", sagte er. Er sei dankbar, dass ein Reformationsjubiläum erstmals in einem ökumenischen Geist gefeiert werde.

Der Bamberger katholische Erzbischof Ludwig Schick sagte in seinem Grußwort, Luther rufe die Christen dazu auf, die Botschaft Jesu Christi "in aller Entschiedenheit in die heutige Zeit einzubringen". Das Reformationsgedenken fordere dazu auf, die Spaltung der Kirchen zu überwinden. Die Katholiken feierten das Jubiläum mit, "nicht weil sich das so gehört", sondern weil für die ganze Christenheit notwendig sei, sich zu reformieren.

Da passte es gut, dass die Evangelische Jugend in Bayern (EJB) dem Landesbischof 95 neue Thesen übergab. Sie hoffe, dass die Thesen unter dem Motto "Reformation reloaded" aufgenommen und weiterbearbeitet würden, sagte die EJB-Vorsitzende Paula Tiggemann. Sie wolle "nicht 95 Jahre warten" auf die Erfüllung der Thesen, erklärte sie.

In Anlehnung an Martin Luthers 95 neue Thesen hatte die EJB ein Jahr lang mit Jugendlichen, Konfirmanden und Ehrenamtlichen aus ganz Bayern Vorschläge gesammelt. Bedford-Strohm freute sich über die jungen Leute, die mit Postern und Plakaten zur Übergabe gekommen waren: "Das ist ein Bild von junger Kirche, das wünsche ich mir so", sagte er. Es werde ihm Motivation sein.

Aber nicht nur der Bezug zur Moderne war beim Reformationsfest in Nürnberg gefragt. Historische Handwerker, Gaukler, Ritter und die Schauspieler der Laienspielgruppe aus Langenzenn zauberten eine mittelalterliche Kulisse um die Sebalduskirche. Sie erinnerten an das Zeitalter der Reformation in einem Nürnberg, das zur damaligen Zeit ein "Hotspot" gewesen sei, wie es die Nürnberger Regionalbischöfin Elisabeth Hann von Weyhern im Gottesdienst formuliert hatte. Die damalige Wirtschaftsmetropole war ein Zentrum der Malerei, Dichtung, Musik und Kunst und Schauplatz zahlreicher europäischer und gesamtdeutscher Entscheidungen. (00/2060/01.07.2017)

epd lbm jo as

von Jutta Olschewski (epd)