Kultur
Luthers Bibel singbar gemacht
Ausstellung zu Hans Sachs als Dichter der Reformation in Nürnberg
Nürnberg (epd). 1525 wurde der protestantische Glaube in Nürnberg eingeführt. Welch großen Anteil der Nürnberger Dichter Hans Sachs daran hatte, dass Martin Luthers Bibelübersetzung und seine Thesen bald in aller Munde waren, zeigt jetzt eine Ausstellung der Stadtbibliothek Nürnberg. Sachs sei Zeit seines Lebens der wichtigste Dichter der Reformation gewesen, sagte Kurator Horst Brunner.

Der 1494 in Nürnberg geborene Hans Sachs war eigentlich Schuster. Auf seiner Wanderschaft als Geselle dichtet er sein erstes Lied. Nach der Rückkehr 1516 in die Reichsstadt Nürnberg heiratet er, wird Meister seines Handwerks und begründet auch die Meistersinger: "Bruderschaften, in denen sich Bürger zum Dichten und Singen trafen, mit hohem formalen Anspruch", erklärte Sachs-Experte und Literatur-Professor Horst Brunner. Er forscht bereits seit über 50 Jahren über Nürnbergs bedeutendsten Dichter.

Schon früh habe Sachs damals bekannte Melodien hergenommen und darüber geistliche Texte gedichtet. "Man ging hin, um die Bibel zu hören", sagte Brunner. Da in Nürnberg in der Mitte des 16. Jahrhunderts nur etwa 30 Prozent der Bürger lesen konnten, habe sich Kultur auf diese Weise schnell verbreiten können.

Sachs habe nicht nur Lieder auf Psalmverse der Lutherbibel gedichtet, sondern auch weitere Texte der Heiligen Schrift vertont und die Inhalte auf diese Weise einer breiten Masse bekanntgemacht, erklärte Brunner. Zudem habe sich der Dichter durch seine weltlichen Dialoge, in denen er sich Fragen der Kirche und des Glaubens stellt, sowie seine Knittelverse mit biblischen Stoffen um die Verbreitung reformatorischen Gedankenguts verdient gemacht.

Maria raus - Christus rein: Auf diese Weise seien viele bereits bekannte, geistliche Texte umgedichtet worden. Weltliche Lieder erhielten dagegen einen "christlich korrigierten" Text. In seinem prosaischen Werk habe Sachs zudem die "Scheinwerke der katholischen Kirche" wie Klöster, Wallfahrten oder den Reliquienkult aufs Korn genommen.

Später habe Sachs sich weltlichen Themen zugewandt, lateinische Dichter wie Ovid, Cicero oder Livius übersetzt und so den einfacheren Menschen Bildung nahe gebracht. Auf sein Konto gehe auch das erste überlieferte Nibelungendrama.

Sachs sorgte selbst dafür, dass seine Werke immer wieder neu aufgelegt und verbreitet wurden. Allein 34 chronologisch angelegte Handschriften sind überliefert, dazu ein selbst verfasstes Werkregister. Die meisten seiner Werke befinden sich in einem Archiv in Zwickau, wo sich seine Nachkommen niederließen.

In der aktuellen Ausstellung in Nürnberg werden Handschriften Sachs' und zu seinen Lebzeiten entstandene Drucke gezeigt, die in Nürnberger Besitz sind. Darunter ist auch eine erst im März erworbene Folio-Ausgabe mit eigenhändiger Widmung.

Von Hans Sachs sind über 6.000 Werke überliefert, von denen alleine 4.268 Meisterlieder sind. Diese wurden von den Meistersingern in Nürnberg unter anderem im Heilig-Geist-Spital oder der Kirche St. Martha gesungen, die als Singlokale dienten. Meistersinger-Gesellschaften entstanden auch in Augsburg, München oder Ulm und dem nahen Ausland. "Meistersingen ist eine rein protestantische Angelegenheit", meint Brunner. (00/3254/25.10.2017)

epd lbm tle/jo mu-