Kirche
Klima der Toleranz gegen alle Formen von Extremismus
Christlich-jüdische Woche der Brüderlichkeit eröffnet
München (epd). Aufrufe zur weiteren Aussöhnung zwischen Christen und Juden und Appelle zu einem aktiven Eintreten gegen alle Formen des Extremismus haben die Eröffnungsveranstaltung der traditionellen christlich-jüdischen Wiche der Brüderlichkeit in Bayern bestimmt. Gegen Rechtsextreme helfe vor allem ein Klima der Toleranz, sagte der bayerische Kultus-Staatssekretär Georg Eisenreich bei dem Festakt im Alten Rathaus in München. Das sei aber eine Aufgabe der gesamten Gesellschaft. Dabei müsse auch deutlich gemacht werden, dass in Deutschland die Lösung von politischen Meinungsverschiedenheiten im demokratischen Diskurs liege. Wie der Jüdische Vorsitzende der Gesellschaft für christlich-jüdisch Zusammenarbeit, Abi Pitum, sagte, gebe es angesichts des Erstarkens rechter Gruppierungen "noch allzuviel zu tun". Pitum begrüßte ausdrücklich die Ankündigung des bayerischen Landesbischofs und EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Stroh, dass die evangelische Kirche eine Stiftungsprofessur zur Erforschung und Förderung des christlich-jüdischen Dialogs einrichten werde.

In seinem Festvortrag gab der Theologieprofessor Thomas Kaufmann (Göttingen) ein differenzierte Einschätzung der massiven antisemitischen und judenfeindlichen Äußerungen des Reformators Martin Luther. Während sich Luther in seinen frühen Schriften für eine "Duldung" der Juden ausgesprochen habe, habe er später - auch aus innenpolitischen Gründen - Hetzschriften gegen die Juden verfasst. Allerdings seien diese Äußerungen dann im 19. und 20. Jahrhundert von Antisemiten bewusst als Begründung für ihre Judenverfolgung missbraucht worden, sagte Kaufmann bei der Eröffnungsveranstaltung, an der auch die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, und Kardinal Reinhard Marx teilnahmen.

Die christlich-jüdische Woche der Brüderlichkeit vom 5. bis 12. März steht in diesem Jahr unter dem Motto "Nun gehe hin und lerne". Wie der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer in einem Vorwort zum umfangreichen Veranstaltungs-Programm betonte, sei es für das Verhältnis von Christen und Juden entscheidend, nicht in alten Schemata zu verharren, sondern neu zu denken und zu lernen. Während der Woche stehen Vorträge, Filmvorführungen und kulturelle Veranstaltungen auf dem Programm. Abgeschlossen wird die Woche der Brüderlichkeit in München von einem "Gesprächskonzert" zu dem weitgehend in Vergessenheit geratenen jüdischen Komponisten Hans Winterberg (1901-1991), bei dem auch Winterbergs Enkel sprechen wird.

Die bundesweite Woche der Brüderlichkeit wird seit 1952 jedes Jahr im März von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit organisiert. Ziel ist es, die Verständigung zwischen Christen und Juden zu befördern und für ein friedliche Zusammenleben der Religionen beizutragen. (00/0688/02.03.2017)

epd lbm cr/as