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Informatikerin erwartet keine Wahlmanipulation durch Algorithmen
München (epd). Die Informatikerin Katharina Zweig hält eine Manipulation der Bundestagswahl 2017 durch Firmen wie Facebook und Google zurzeit für unwahrscheinlich. Zwar sei eine Manipulation von Wählern durch Algorithmen prinzipiell möglich, sagte Zweig in München bei einer Veranstaltung der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien. Es gebe allerdings derzeit keine belastbaren Anzeichen für eine solche Manipulation. Der Politikwissenschaftler Simon Hegelich warnte unterdessen davor, Daten, die im Internet erhoben werden, fasch zu interpretieren.

Mit Blick auf die Macht der Algorithmen gab Zweig allerdings nicht prinzipiell Entwarnung. Die Infrastruktur im Internet "wird teilweise nahezu monopolistisch genutzt und könnte jederzeit zur Manipulation eingesetzt werden", sagte die Mitgründerin der Initiative "Algorithm Watch".

Suchmaschinen servierten den Nutzern, was sie sowieso schon mögen, sagte sie. Auch sogenannte Social Bots seien ein Problem: "Computerprogramme, Bots, verhalten sich wie wir." Wer allerdings diese Programme entwickle, "wissen wir nicht". Bei Social Bots handelt es sich um Fake-Accounts in sozialen Netzwerken, die von einer Software gesteuert werden. Diese Computer-Programme verfassen automatisch Texte oder retweeten Beiträge.

Die Informatikerin forderte deshalb einen Algorithmen-Tüv: "Manche Algorithmen brauchen eine demokratisch legitimierte Kontrolle." Die Professorin für Graphentheorie und Analyse komplexer Netzwerke an der Technischen Universität Kaiserslautern sprach sich zudem für mehr Ausbildung zur Medienkompetenz an Schulen aus.

Der Münchner Professor für Political Data Science, Simon Hegelich, verwies unterdessen darauf, dass es an den Universitäten an Grundlagenforschung zur Digitalisierung fehle. "Wir sind noch dabei, solche neuen Curicula aufzubauen", sagte er.

Hegelich sieht mit Blick auf Fake News die größte Gefahr darin, aus falsch interpretierten Daten einen Hype zu machen. So hält er die Annahme, dass Rechtsextremisten übermäßig im Internet aktiv sind, für eine Übertreibung. "Rechte nutzen die Möglichkeit der Manipulation," sagte er. Das verzerre die Statistik und sei keine Grundlage für einen seriösen Vergleich.

Mit Blick auf eine Forderung nach einer Regulierung von Internetunternehmen wie Facebook sagte Hegelich, es gebe die politische Pflicht zur Regulation. Diese Pflicht sei umfangreicher, als dass man sie unter geltendes Recht subsumieren könne. Zugleich seien damit auch Rechte für Internetunternehmen verbunden, wie beispielsweise das Recht, Nachrichten zu filtern oder bestimmte Inhalte zu setzen, was Hegelich problematisierte. (0984/29.03.2017)

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