Soziales
Herzogsägmühle: Erstes Diakonie-Unternehmen der Gemeinwohl-Ökonomie
Herzogsägmühle (epd). Als bundesweit erste Einrichtung der Diakonie ist das Sozialdorf Herzogsägmühle (Landkreis Schongau-Weilheim) mit einer Bilanz zur Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) zertifiziert worden. Vor allem die Bereiche Einkauf, Mobilität und Energieversorgung seien dabei unter ökologischen und sozialen Gesichtspunkten auf den Prüfstand gekommen, erklärte Direktor Wilfried Knorr bei einer Pressekonferenz. Das solidarische Wirtschaftskonzept der Gemeinwohl-Ökonomie könne Antworten geben auf die Frage, "wie wir Wohlstand und Wachstum garantieren können, ohne ständig immer mehr Ressourcen zu verbrauchen", sagte der 58-Jährige, der auch Vorstand der Inneren Mission München ist.

Als konkrete Ergebnisse aus der GWÖ-Bilanz hat Herzogsägmühle beispielsweise Pappbecher in seinen Cafés abgeschafft, ein Leasing-Konzept für Mitarbeiterfahrräder aufgesetzt, eine Solartankstelle für zwei Elektroautos gebaut und plant nun die Anschaffung eines großen Batteriespeichers, um überschüssige Energie aus dem dorfeigenen Blockheizkraftwerk für den eigenen Verbrauch speichern zu können. "Niemand macht Gemeinwohl-Ökonomie nur aus ökologischen Gründen - es muss sich auch ökonomisch rechnen", sagte Knorr. Ein Feigenblatt sei die Bilanz dennoch nicht: "Dahinter steht eine bestimmte Haltung und die Bereitschaft, Dinge umzusetzen." Die Erfahrungen des Pilotprojekts sollen nun ausgewertet und durch Fachtage und Vorträge anderen diakonischen Einrichtungen wie der Inneren Mission München zur Verfügung gestellt werden.

Die Gemeinwohl-Idee schafft Gewinnmaximierung als oberste Priorität ab und schreibt den beteiligten Unternehmen stattdessen Werte wie soziale Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit, Solidarität und Transparenz ins Auftragsbuch. Das GWÖ-Konzept entstand 2010 in Österreich und hat sich seither über Deutschland, die Schweiz, Italien und Spanien bis nach Großbritannien, Osteuropa, Amerika und Afrika ausgebreitet. Rund 300 Unternehmen haben bereits eine zertifizierte GWÖ-Bilanz, etwa 2.200 Firmen sind Mitglied der Bewegung. Zu den bekanntesten deutschen GWÖ-Unternehmen gehören der Sportartikelhersteller Vaude, die Sparda-Bank München und das Transportunternehmen Schachinger Logistik.

Das Diakoniedorf Herzogsägmühle verzeichnete 2016 einen Umsatz von 91,3 Millionen Euro. Das Unternehmen beschäftigt 1.380 Mitarbeiter und erreicht täglich rund 4.000 Menschen in der Region mit seinen Hilfeangeboten. Zum Spektrum zählen etwa Integrations-Betriebe wie Briefmarkenverwertung, Gärtnerei und Landwirtschaft sowie Angebote der Sucht-, Jugend-, Behinderten- oder Wohnungslosenhilfe. Herzogsägmühle ist Mitglied im Diakonischen Werk Bayern. (3096/09.10.2017)

epd lbm scs cr