Medien
Herrmann zu Amoklauf: Soziale Medien abzuschalten, ist "indiskutabel"
München (epd). Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hält nichts davon, soziale Medien in Unglücksfällen - wie beim Münchner Amoklauf vor einem Jahr - abzuschalten. Das sei "völlig indiskutabel", sagte er im Interview mit dem Radiosender Bayern2. "Da muss man sehen, da berühren wir die Grundfreiheiten unserer Gesellschaft und die kann man nicht einfach außer Kraft setzen." Außerdem habe gerade die Polizei während des Amoklaufs die sozialen Medien genutzt, um Informationen an die Bürger weiterzugeben.

Beim Münchner Amoklauf am 22. Juli 2016 hatte der Schüler David S. neun Jugendliche am Olympia-Einkaufszentrum erschossen. Es gab nur einen Täter und auch nur einen Tatort. Dennoch gingen immer mehr Notrufe von Menschen aus dem gesamten Stadtgebiet ein, die ebenfalls Schüsse gehört haben wollen. Dazu gab es Tausende Nachrichten in den sozialen Medien, so dass die Polizei anfangs von einer "akuten Terrorlage" ausging mit mehreren Tätern in der Stadt. Die Gerüchte wurden vor allem in den sozialen Medien weiterverbreitet.

Innenminister Herrmann nimmt Bürger und soziale Medien im Interview mit Bayern2 in Schutz. Dass die Bürger an diesem Abend verunsichert waren und es auch viele Fehlalarme gab, sei verständlich. "Menschen hatten Sorge und jedes Mal, wenn es ein knallendes Geräusch in der Stadt gab, hat jemand gleich wieder befürchtet, das war wieder ein Schuss." Am ersten Jahrestag des Amoklaufs soll am Olympia-Einkaufszentrum ein Mahnmal in Erinnerung an die neun Opfer enthüllt werden. (2274/21.07.2017)

epd lbm cr gi