Medien
Forscher: Berichte über Suizide können Betroffenen auch helfen
München (epd). Eine geregelte Berichterstattung über Suizide kann laut Münchner Medienforschern Menschen mit Selbstötungsabsichten helfen. Es komme aber auf den Inhalt an, "also auf das 'Wie' der Darstellung", sagte Florian Arendt vom Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der Ludwig-Maximilians-Universität München zum Welttag der Suizidprävention (10. September).

"Wenn die erfolgreiche Bewältigung von Krisen im Vordergrund steht, kann das Betroffenen helfen, suizidale Krisen zu überwinden", sagte Arendt. Dies werde "Papageno-Effekt" genannt. Dazu gehöre etwa, wie Suizide in Nachrichten, Filmen oder Serien dargestellt würden, und ob es Informationen zu Hilfsangeboten, wie etwa die Telefonseelsorge, gebe.

Das Gegenteil des "Papageno-Effekts" ist der "Werther-Effekt" - also dass Menschen mit Suizidgedanken durch entsprechende Medienberichterstattung ihren Plan in die Tat umsetzen. Für die Presse gebe es bereits Empfehlungen, worauf bei der Berichterstattung über Suizide zu achten sei. Nun müssten auch die Unterhaltungsindustrie und Online-Suchmaschinen stärker in die Pflicht genommen werden.

So brauche es Testvorführungen oder Beratung durch Experten. "Es sollten Richtlinien erarbeitet, verbreitet und umgesetzt werden, worauf bei der Darstellung von Suiziden geachtet werden sollte", sagte Arendt. Ein aktuelles Beispiel "für möglicherweise negativen Konsequenzen" liefere die Netflix-Serie "Tote Mädchen lügen nicht", die sich detailliert mit dem Suizid einer 17-Jährigen auseinandersetzt.

Auch Suchmaschinenen wie Google sollten Nutzer, die entsprechende Stichwörter eingeben, noch stärker auf Hilfsangebote hinweisen, fordern die Forscher. Als Beispiel nannten sie den Suizid des US-Schauspielers Robin Williams im Jahr 2014. Unmittelbar nach dessen Tod, über den die Medien intensiv berichtet hatten, seien Wörter wie "hanging" und "commit suicide" überdurchschnittlich oft gegoogelt worden. (00/2756/07.09.2017)

epd lbm cr dsq