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Ethikratsvorsitzender fordert mehr klassische Bildung gegen Big Data
München (epd). Für mehr klassische Bildung als Strategie gegen die negativen Folgen der Digitalisierung hat sich Peter Dabrock, Vorsitzender des Deutschen Ethikrats, ausgesprochen. "Man braucht dazu die Bibel, Faust, Mathematik und zwei Fremdsprachen", sagte der Theologieprofessor beim Jahresempfang des evangelischen Dekanatsbezirks München in München. Programmierkunst zu lernen reiche alleine nicht aus, um mit den Herausforderungen von Big Data umzugehen. "Die Menschen müssen wieder den Wert des menschlichen Zusammenlebens wahrnehmen", sagte Dabrock.

Der Einsatz Künstlicher Intelligenz habe das Potenzial, die Menschenwürde zu gefährden, erklärte der Professor für Systematische Theologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Big Data erreiche schon jetzt eine unheimliche Eingriffstiefe ins Leben der Menschen. Programme zur umfassenden Mustererkennung zwängen die Nutzer in immer engere Korsette. Es sei fraglich, ob Menschen unter diesen Bedingungen in Zukunft noch frei und selbstbestimmt handeln könnten.

Der Rat, im Netz sparsam mit persönlichen Daten umzugehen, sei "ein Rat von vorvorgestern". Auch die Empfehlung, das Smartphone häufiger abzuschalten, helfe nicht: "Wir können nicht mehr unterscheiden zwischen online und offline - wir leben in einer onlife-Welt", sagte Dabrock. Nötig seien deshalb gesetzliche Regelungen, um den Bürgern durch Schnittstellen und Datentreuhänder die Souveränität über ihre Daten zurückzugeben.

Die Kirchen wiederum müssten sich als "Stakeholder des gesellschaftlichen Dialogs" begreifen, die eine Plattform für lokales, am Gemeinwohl orientiertes Engagement bieten. Google, Amazon, Facebook und Apple seien deshalb so mächtig, weil sie die menschlichen Grundbedürfnisse nach göttlicher Allwissenheit, Konsum, Emotion und Attraktivitätsbestätigung erfüllten. Kirchen könnten dem entgegensetzen, dass sie "das Individuum achten, Freiheit stärken, Pluralität würdigen und Solidarität gestalten", sagte der Ethikratsvorsitzende.

Zum evangelisch-lutherischen Dekanat München gehören rund 266.000 Protestanten in 67 Gemeinden sowie Bildungseinrichtungen wie die Stadtakademie. Seit 13 Jahren repräsentiert Stadtdekanin Barbara Kittelberger das Dekanat. Der Jahresempfang findet traditionell im Alten Rathaus statt. (01/1571/10.05.2018)

epd lbm scs moc