Kultur
Emmausweg in Bad Griesbach verbindet Bewegung und Besinnung
Start in die Pilgersaison 2017
Bad Griesbach (epd). Im niederbayerischen Rottal (Kreis Passau) gibt es einen Besinnungsweg, der nur ein paar Hundert Meter lang ist. Er beginnt im Kurzentrum von Bad Griesbach. Hierher kommen jährlich Tausende Menschen, die von Krankheit geplagt oder auf dem Weg der Besserung sind. Noch kommen den Leidenden ein paar Meter wie Dutzende Kilometer vor. Aber Schritt für Schritt kämpfen sie sich zurück ins Leben, in die Gesundheit, den Alltag und in die Selbstbestimmung. Für sie, aber nicht nur für sie ist der Emmausweg in Bad Griesbach gemacht.

Von der Emmausgeschichte im Lukasevangelium erhielt das ökumenische Seelsorgezentrum seinen Namen. Weihe der Kirche und des Zentrums jähren sich heuer zum 25. Mal. Beide werden als Glücksfall für die Ökumene angesehen. Und auch der Emmaus-Weg feiert heuer Jubiläum, er besteht seit 15 Jahren. Er geht zurück auf den früheren evangelischen Landesbischof Johannes Hanselmann, der ihn von seiner Beerdigungskollekte gestiftet hat. Hanselmann hatte seinen Altersruhesitz in Bad Griesbach.

Die Emmaus-Geschichte ist die wichtigste Pilgergeschichte im Neuen Testament. Sie erzählt von einer Weggeschichte, die wieder ins Leben führt. Davon, dass zwei Jünger auf dem Heimweg zu dem Dorf Emmaus erfahren, wie der auferstandene Jesus sie in ihrer Trauer getröstet hat und mit ihnen gefeiert und gegessen und ihnen frische Lebensfreude geschenkt hat (Lukas 24). Sie gehört zu den Ostererzählungen im Neuen Testament.

Am Eingang des Kurgebiets steht die Emmauskirche. Sie ist ein halbrunder Bau, der im Frühling von einem Meer an bunten Blumen gesäumt wird. Hier beginnt der Acht-Stationen-Weg, der sich von der Kirche über das Kurgebiet zum Rosenhügel erstreckt.

Ein Blick ins Innere lohnt. Denn im Kirchenraum führt der Bildhauer Waldemar Otto den Besucher mit einer Personengruppe über dem Altar eindrucksvoll in die Emmausgeschichte ein. Die Umrisse der drei plastisch gestalteten Figuren stehen inmitten des Altarkreuzes. "Sie werden dargestellt in Badehose, glatzköpfig und wohlbeleibt", erklärt der evangelische Pfarrer Klaus Stolz. "Als wollten sie zum Kurgast sagen: Erkennst du dich wieder?" Neben den Emmausjüngern steht Jesus, der sie begleitet mit wegweisender Geste.

Ergänzt werden die Stationen jeweils von Texttafeln, die einen Vers aus der biblischen Emmausgeschichte wiedergeben. Die Station "Aufbrechen" lädt ein, über die eigene Lebenssituation nachzudenken. Die weiteren Stationen führen den Besucher über "Das Erinnern", "Nicht erkennen", über "Ins Wort bringen", "Zusammenhänge sehen", "Sich entscheiden", den "Blick weiten" bis zur achten Station auf dem Rosenhügel, wo vor knapp zwei Jahren die letzte Station entstanden ist. "Der Emmausweg ist hier ja nicht zu Ende. Er führt die Jünger nach Jerusalem. Und die Kurgäste ins Leben zurück", sagt Pfarrer Stolz. Die Stahlskulptur am Rosenhügel stellt den Blick auf den auferstandenen Jesus mit den beiden Jüngern dar. Hier wurde für die Figuren nicht ausschließlich korrodierter Stahl verwendet, sondern dieser wurde mit Edelstahl kombiniert.

"Den Emmausweg zu gehen kann ein Nachgehen der biblischen Erzählung sein. Es kann aber auch sein, dass Sie in den Stationen Ihren persönlichen inneren Emmausweg gehen", erklärt Pastoralreferent Sebastian Friedlsperger, der den Weg zusammen mit dem Ökumenischen Seelsorgeteam entwickelt hat.

Wenn am Ende des kleinen Pilgerwegs, des persönlichen Emmauswegs, die zwei Glocken der Kirche vom offenen Glockenstuhl erklingen und sich der Blick vom Rosenhügel auf das Rottal weitet, dann erscheinen die Probleme, die man eingangs vielleicht mit sich getragen hat, in eine weite Ferne gerückt. Hoffnung kann erwachen. Auch davon erzählt der Emmausweg in Bad Griesbach. (00/1197/14.04.2017)

epd lbm gi as

Von Gabriele Ingenthron (epd)