Soziales
147 nordafrikanische Flüchtlinge aus Malta mit einer Sondermaschine auf dem Flughafen in Nürnberg eingetroffen
© dpa-Pool / Daniel Karmann
Ein Willkommen per Handschlag
Ankunft von Flüchtlinge aus Nordafrika auf Nürnberger Flughafen
Nürnberg (epd). "Ich hab´ sie alle mitgebracht", ruft Corinna Wicher und umarmt erleichtert ihren Chef, den Präsidenten des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BMA). Gerade ist Referatsleiterin Wicher mit einer Maschine aus Malta in Nürnberg gelandet, in der 147 Flüchtlinge aus Somalia, Eritrea, dem Sudan und Äthiopien saßen. Nun haben diese Menschen das Land unter den Füßen, in dem sie einen Neustart beginnen dürfen.

Präsident Schmidt, in feinem Anzug, weißem Hemd und Krawatte geht auf jeden der Neuankömmlinge zu und reicht ihm die Hand. Und die Kinder, alle in dicke Anoraks, Mützen und Schals verpackt, freuen sich, dass sie Schmidt mit einem Stupser und einem Lächeln bedenkt.

Seit Beginn der Libyenkrise ist die Zahl der auf Malta registrierten Flüchtlinge stark angestiegen. Die Flüchtlingslager dort sind voll belegt. Oft lebten über 20 Menschen in einem Raum, berichtet Wilfried Steen, der bis Juli Pfarrer der deutschen evangelischen Andreas Gemeinde auf Malta war. Die große Zahl an Flüchtlingen sei dem kleinen Inselstaat mit rund 420.000 Einwohnern nicht zuzumuten, sagt er.

Ein Besuch im Hal-Far-Zeltdorf auf Malta hat Ende Oktober Karl Kopp, Europareferent der Flüchtlingsorganisation Pro Asyl, erschüttert. Manche der Zelte seien bei einem Unwetter im Februar beschädigt worden und hätten Löcher, Matratzen wären regendurchnässt, erzählt er.

"Malta hat bei der Unterbringung von Familien große Probleme", berichtet auch der Präsident des Bundesamtes für Flüchtlinge (BMA) in Nürnberg, Manfred Schmidt, als er auf die Maschine aus Malta wartet. Die Aufnahme sei eine Solidaritätsaktion für die maltesischen Behörden.

Von der profitieren an diesem Tag junge Familien und alleinstehende Mütter. Sie alle sind in der Zeit zwischen dem 28. März und Mai mit Flüchtlingsbooten aus Libyen auf Malta gelandet. Die maltesischen Behörden hätten sie nach Kriterien der "besonderen Schutzbedürftigkeit" ausgewählt, so eine Sprecherin des BMA. Es fehlten noch fünf der Aufgenommenen, die erst in ein paar Wochen nachkommen. "Sie sind auf Malta geblieben, weil eine Frau hochschwanger ist, eine andere hat gerade entbunden."

Fast 40 kleine Kinder sind unter den Flüchtlingen. Die Babys sind in warme Decken gehüllt. Die größeren Jungen und Mädchen toben durch die Halle. Die Erwachsenen sitzen mit gespannten Gesichtern oder freundlich lächelnd in den Wartesesseln der Halle A1 des Flughafens. Die Teilnahmeberechtigungen für die Integrationskurse haben sie bereits in der Tasche. Sie müssen kein langwieriges Asylverfahren durchlaufen. Vertreter der Bundesländer empfangen die Neuankömmlinge und nehmen ihre "Kontingente" gleich unter die Fittiche. Zwei Vertreter aus Thüringen wissen bereits, dass sie im Kleinbus eine vierköpfige eritreische Familie mit nach Erfurt nehmen. Die Flüchtlinge für Hamburg, Bremen und Schleswig-Holstein werden noch einmal die Sondermaschine besteigen müssen und 23 Neu-Bayern sind fast am Ziel.

Die kurzen offiziellen Begrüßungsreden, die in der Geräuschkulisse von Babyweinen und spielenden Kindern fast ganz untergehen, übersetzen Dolmetscher in Arabisch, Tigrinisch, Eritreisch und Somalisch. Einige der Erwachsenen könnten deutsche Brocken verstehen. "Hallo, guten Tag, hallo guten Tag", wiederholt einer der jungen Männer stolz und grinst. Schon auf Malta haben die Flüchtlinge von deutschen Kirchengemeinden und anderen Freiwilligen Deutschunterricht bekommen.

Konstantin von Jagow, Vorstandsmitglied der Andreas Gemeinde auf Malta, hat schon vorab von der großen Motivation der Flüchtlinge berichtet: "Sie wissen, dass sie das große Los gezogen haben." (2644/29.11.2011)

Von Jutta Olschewski und Jasmin Maxwell