Kirche
Die wunderbare Wiederentdeckung des Evangeliums
Predigten bayerischer Bischöfe zum Reformationstag
Nürnberg/München (epd). In ihren Predigten zum Reformationstag haben die bayerischen Bischöfe zur Erneuerung der Kirche und weiteren Fortschritten in der Ökumene aufgerufen. In den Gottesdiensten zum 500. Jubiläum des Thesenanschlags Martin Luthers, der als Geburtsstunde der evangelischen Kirche gilt, wurde aber auch an die kulturellen Leistungen der Reformation erinnert.

Bei dem zentralen bayerischen Reformationsgottesdienst in Nürnberg forderte Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm die Kirche auf, mit dem Beschwören von Krisenszenarien aufzuhören. Der Impuls zur Erneuerung komme nicht durch Diskussion, Planen und Organisieren, sondern durch "hören, Kraft schöpfen und dann leben und hoffen". Dies sei der "entscheidende Vitaminstoß", den die Kirche heute brauche. Der Bischof forderte die Gemeinden auf, die Worte der Bibel neu zu entdecken.

Die Kirche feiere das Jubiläum bewusst in einem anderen Geist als in vergangenen Jahrhunderten: als Christusfest jenseits der konfessionellen Grenzen, betonte Bedford-Strohm. Als Zeichen der Verbundenheit nahmen an Reformationsgottesdiensten die katholischen Bischöfe Gregor Maria Hanke (Eichstätt), Ludwig Schick (Bamberg), Stefan Oster (Passau) und Rudolf Voderholzer (Regensburg) teil. Der gemeinsame Weg der Kirchen müsse weitergehen, betonte Bischof Oster in seiner Predigt in der evangelischen Passauer Matthäuskirche.

Wie die Bayreuther evangelische Regionalbischöfin Dorothea Greiner sagte, sei es "reine Gnade Gottes, unverdient und unbezahlbar", dass von beiden Kirchen nach theologischen Streitigkeiten, Unversöhnlichkeiten und Eitelkeiten das Reformationsjubiläum gemeinsam begangen werde. Erzbischof Schick verwies in seiner Ansprache unter anderem auf ein Grundelement der reformatorischen Rechtfertigungslehre, wonach der Mensch "allein durch seinen Glauben" das ewige Leben erlange.

Die Kirche hat nach Überzeugung der bayerischen Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel nur dann eine Zukunft, wenn die Geistesgaben aller Christenmenschen das Profil der Kirche bilden. Für sie als Ehrenamtliche sei die Erkenntnis der Reformatoren visionär, dass "der inspirierende Geist Christi weht, wo er will, und dass es nicht alleine die Geistlichen sind, die Kirche leiten und gestalten", betonte die Präsidentin des Kirchenparlaments der 2,4 Millionen bayerischen Protestanten.

Die Münchner Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler warnte vor "selbstmitleidigen Unkenrufen" angesichts rückläufiger Mitgliederzahlen. Niemand wolle zu einer Kirche gehören, "in der die Jammerlappen das Sagen haben". Auch 500 Jahre nach dem Thesenanschlag Luthers könne und müsse sich die Kirche ständig wandeln und dabei auf Gottes Geist vertrauen, sagte die evangelische Theologin.

An die Rechtfertigung als zentralen Glaubensgrundsatz Luthers erinnerten die Nürnberger Regionalbischöfe Elisabeth Hann von Weyhern und Stefan Ark Nitsche bei einem ökumenischen Gottesdienst in Weißenburg. Nach diesem Grundsatz müsse der Mensch "sich nicht dauernd selbst beweisen und nicht ständig irgendjemand etwas beweisen". Wie die Ansbach-Würzburger Regionalbischöfin Gisela Bornowski sagte, sollten sich die Christen am Reformationstag die "wunderbare Wiederentdeckung des Evangeliums durch Martin Luther" bewusstmachen.

In seiner Predigt zum Reformationstag hob der Regensburger Regionalbischof Hans-Martin Weiss die kulturprägende Kraft des Protestantismus hervor. Als Beispiele nannte er die lebendige Sprache Luthers, den Umgang mit der Bibel, die Kirchenmusik und die "Achtung vor dem Erleben und der Seele des einzelnen Menschen". (00/3339/01.11.2017)

epd lbm as moc