Soziales
Claus Fussek kritisiert bayerisches Pflegepaket
München (epd). Das am Dienstag vom bayerischen Kabinett beschlossene Pflegepaket geht dem bekannten Pflege-Kritiker Claus Fussek nicht weit genug. Durch die neuen geplanten Pflegeplätze werde es keine Entspannung geben, denn die Stellen könnten mangels Personal überhaupt nicht besetzt werden, sagte Fussek im Interview mit dem Radiosender Bayern 2.

Auch das neue ab September geplante Landespflegegeld von je 1.000 Euro pro Jahr ist Fussek nicht genug: "Rechnen Sie das mal durch zwölf Monate (…) da kriegen Sie pro Tag den Gegenwert von einem Cappuccino und dann sieht das schon etwas dürftig aus, wenn man weiß, dass ein Pflegetag in der Regel 24 Stunden dauert."

Auch das geplante Landesamt für Pflege, das sich um die Ausbildung von Fachkräften kümmern soll, sieht Fussek kritisch. Hier gebe es keine Erkenntnisprobleme. Ein großes Problem hingegen sei, dass viele Pflegekräfte derzeit den Beruf verließen, weil die Arbeitsbedingungen grauenhaft seien. Die Pflegekräfte seien kaum gewerkschaftlich organisiert und Schüler würden bereits in der Ausbildung verheizt.

Das bayerische Kabinett hatte am Dienstag ein umfangreiches Pflegepaket auf den Weg gebracht: Das neue Landespflegegeld sollen Pflegebedürftige mit mindestens Pflegegrad 2 bekommen. So soll Pflegebedürftigen mehr finanziellen Spielraum erhalten, etwa um pflegenden Angehörigen eine Anerkennung zukommen zu lassen. Anspruchsberechtigt sind nach aktuellen Schätzungen etwa 360.000 Menschen.

Im neuen Landesamt für Pflege, dessen Standort noch nicht geklärt ist, sollen Aufgaben, die die Pflege betreffen effektiv gebündelt werden. Weiter beschloss der Ministerrat, die Versorgungsangebote für schwerstkranke und sterbende Menschen innerhalb der nächsten fünf Jahre zu verdoppeln. Außerdem soll das Schaffen neuer Pflegeplätze gefördert werden. (01/1163/11.04.2018)

epd lbm cr dsq