Kirche
Bornowski: Pfarrer machen unsere Kirche bunt
Ordinationsjubiläum in Ansbacher St. Johanniskirche
Ansbach (epd). Etwa 150 evangelische Pfarrerinnen und Pfarrer aus ganz Bayern haben in der Ansbacher St. Johanniskirche gemeinsam ihre runden Ordinationsjubiläen gefeiert. Das höchste Jubiläum feierte der frühere Rektor von Rummelsberg, Pfarrer Karl Heinz Neukamm, er wurde vor 65 Jahren ordiniert. Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm gratulierte und dankte allen Jubilaren. Namentlich aufgerufen wurden alle, die vor 65, 60, 50, 40 und 25 Jahren ihr Ordinationsversprechen abgelegt hatten. Organisiert wird die jährliche Feier gemeinsam von der Kirchenleitung und dem bayerischen Pfarrer- und Pfarrerinnenverein.

Die Ansbach-Würzburger Regionalbischöfin Gisela Bornowski erinnerte in ihrer Predigt an die besondere Berufung und Aufgabe von Pfarrern. Sie seien "nicht in eigener Sache unterwegs", sondern auf das Wort Gottes hin. Die Verschiedenheit der Pfarrerschaft mit ihren unterschiedlichen Frömmigkeiten oder politischen Ansichten "verleihen unserer Kirche Vielfalt und machen sie bunt", sagte Bornowski. Das Ordinationsjubiläum sei eine gute Gelegenheit, in Dankbarkeit auf die vergangenen Jahre zurückzublicken - aber auch Enttäuschungen, Frust und Erschöpfung gehörten dazu und sollten nicht ausgeblendet werden.

Landesbischof Bedford-Strohm würdigte die Jubilare, die Gott in besonderer Weise berufen habe: "Gott zur Ehre, den Menschen zum Trost, Halt und zur Freude." Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gratulierte gemeinsam mit der Vorsitzenden des Pfarrer- und Pfarrerinnenvereins, Corinna Hector, jedem Jubilar persönlich und händigte ihm ein Ordinationskreuz aus. Unter den Jubilaren befanden sich Alt-Landesbischof Johannes Friedrich, die Nürnberger Regionalbischöfin Elisabeth Hann von Weyhern und die Vizepräsidentin der Generalsynode der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Jacqueline Barraud-Volk.

Nach dem Gottesdienst fand ein gemeinsames Mittagessen statt, am Nachmittag wird in der Ansbacher Orangerie gefeiert. Die Feierlichkeiten zum Ordinationsjubiläum sind aus einer Initiative des Pfarrervereins heraus entstanden. (01/2224/17.07.2017)

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"Ich würde es mit Leib und Seele noch einmal machen"

Drei Fragen an: den früheren Rummelsberger Rektor Karl Heinz Neukamm, der sein 65-jähriges Ordinationsjubiläum gefeiert hat

epd-Gespräch: Daniel Staffen-Quandt

Er war nicht nur einer der ältesten Jubilare - sondern feierte auch das höchste Jubiläum: Ruhestandspfarrer Karl Heinz Neukamm wurde am Montag in Ansbach zu seinem 65-jährigen Ordinationsjubiläum geehrt. Mit ihm waren ungefähr 150 evangelische Pfarrerinnen und Pfarrer aus Bayern zum Festgottesdienst mit Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und zum gemeinsamen Mittagessen nach Ansbach gekommen. Der 88-jährige Rummelsberger Alt-Rektor erklärte im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd), warum er auch heute wieder Pfarrer werden würde - und weshalb er Jubiläumsfeiern wichtig findet.

epd: Herr Neukamm, würden Sie heute noch einmal Pfarrer werden wollen oder anderen dazu raten?

Neukamm: Ich würde es mit Leib und Seele noch einmal machen und auch junge Menschen dazu ermutigen. Pfarrer zu sein, das ist ein sehr schöner Beruf und folgt dem Ruf unseres Herrn. Wir brauche Menschen, die Zeugnis geben von dem Gott, der für uns alle da ist und in dessen Händen wir sind. Ich würde mir wünschen, dass unsere Pfarrerinnen und Pfarrer manchmal etwas fantasievoller wären und Gemeindeglieder entdecken, die sich gerne in Gemeinde einbringen würden. Es muss ja nicht immer alles der Pfarrer machen oder im Mittelpunkt stehen.

epd: Erinnern Sie sich an ein besonders schönes Erlebnis oder Ereignis aus Ihrer Dienstzeit als Pfarrer?

Neukamm: Ich habe in meiner Dienstzeit ja sehr viele unterschiedliche Dinge gemacht, da ist es schwierig, ein Ereignis herauszupicken. Aber: Mein Besuch im Dezember 1970 in Warschau, das war schon etwas ganz Besonderes. Ich war dort als Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland und war daher Teil der deutschen Delegation. Wir haben den Kniefall von SPD-Bundeskanzler Willy Brandt am 7. Dezember nicht selbst gesehen, wir waren zu weit hinten - aber wir haben schnell gemerkt, dass etwas Außerordentliches geschieht.

epd: Wie wichtig finden Sie es, dass die Landeskirche und der Pfarrer- und Pfarrerinnenverein die Ordinationsjubiläen feiern?

Neukamm: Ich denke, die Pfarrerinnen und Pfarrer stehen in der Kirche oft genug im Mittelpunkt - deshalb: eine Ordinationsfeier ist schön, ich freue mich auch hier zu sein, sie darf aber nicht nur die Ordinierten in den Blick nehmen. Es ist schön, dass hier zum Beispiel auch die Männer und Frauen der Ordinierten eingeladen werden und ihnen gedankt wird. Die Pfarrerinnen und Pfarrer sind mit ihren Gaben nur ein Teil der Kirche, wir brauchen auch die vielen anderen kreativen, klugen, einfühlsamen Köpfe, die nicht ordiniert sind. (00/2225/17.07.2017)

epd lbm dsq cr