Soziales
Behindertenbeauftragte Bentele fordert mehr Barrierefreiheit
Fachmesse ConSozial in Nürnberg eröffnet
Nürnberg (epd). Die Bundes-Behindertenbeauftragte Verena Bentele (SPD) appelliert an die künftige Bundesregierung, weitere Regelungen zur Gleichstellung auf den Weg zu bringen. Barrierefreiheit müsse auch für die Privatwirtschaft zur Pflicht werden, forderte Bentele in Nürnberg bei der Eröffnung der Fachmesse ConSozial.

Zudem mahnte sie Korrekturen in den Wahlgesetzen von Bund und Ländern an. Bei der jüngsten Bundestagswahl waren rund 81.000 Bürger, die ihre Angelegenheiten nicht selbst regeln können und deshalb in rechtlicher Betreuung leben, von der Wahl ausgeschlossen. Das sei nicht länger hinzunehmen: "In der Demokratie müssen gleiche Rechte für alle gelten", sagte Bentele.

Die bayerische Sozialministerin Emilia Müller (CSU) sieht auf dem Weg zur inklusiven Gesellschaft noch viel zu tun. Die Teilhabe aller Menschen an Arbeit, Kultur und Freizeit werde aber gelingen und sei "eine echte Vision und keine Utopie", sagte sie bei der Eröffnung der Fachmesse. Ziel müsse es sein, dass alle Menschen zusammen leben, arbeiten und ihre Freizeit gestalten könnten, ganz gleich, ob sie eine Behinderung hätten, bedürftig, alt oder zugewandert seien.

"Die inklusive Gesellschaft ist die gerechtere und bessere Gesellschaft", sagte Müller. Inklusion sei "eines der Megathemen unserer Zeit". Deshalb widme sich auch die ConSozial 2017 als bundesweit größter Branchentreff diesem Thema.

Auch Caritas-Präsident Peter Neher forderte dazu auf, den Weg zur Inklusion weiter zu gehen. Die Autonomie behinderter Menschen müsse gestärkt werden.

Ministerin Müller übergab den alle zwei Jahre verliehenen ConSozial-Managementpreis an die Josefs Gesellschaft Köln gGmbH. Das katholische Sozialunternehmen mit 6.000 Beschäftigten und 17 Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen hat ein Teilhabe-Managementsystem entwickelt, das auf den Wünschen und Anliegen der betreuten Menschen basiert. Müller sprach von "einer herausragenden Innovation".

Die neu entwickelte Software reduziert den Angaben zufolge den Planungs- und Verwaltungsaufwand und verändert die Kommunikation zwischen Betreuern und behinderten Menschen. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert und wird von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young gestiftet.

Die ConSozial findet zum 19. Mal in Nürnberg statt und steht in diesem Jahr unter dem Motto "Zukunft Inklusion". Zu dem Fachtreffen, das bis Donnerstag dauert, werden über 5.000 Besucher erwartet. 220 Aussteller zeigen ihre Dienstleistungen und Produkte. (3409/08.11.2017)

epd lbm/bas cr