Medien
Anlächeln gegen das Destruktive im Netz
Drei Fragen an: Pfarrer Heiko Kuschel zu seinem "Tag der unverhofften Freundlichkeit"
Schweinfurt (epd). Der evangelische Schweinfurter Pfarrer Heiko Kuschel ist viel im Netz unterwegs, betreibt einen eigenen Blog, stellt Predigten als Podcasts zum Nachhören ins Internet - und diskutiert gerne auf Facebook. Nur der aggressive Tonfall, die manchmal große Feindseligkeit, der tiefe Hass erschrecken ihn. Daher hat er - nach 2011 - spontan den zweiten "Tag der unverhofften Freundlichkeit" ins Leben gerufen. Am 11. April sollen die Teilnehmer im Netz und im echten Leben freundlich zu ihren Mitmenschen sein - das ganze irgendwie dokumentieren und mit dem Hashtag #tagderunverhofftenfreundlichkeit wieder ins Netz stellen.

epd: Herr Kuschel, wieso braucht es einen Tag der unverhofften Freundlichkeit? Sind wir alle so unfreundlich geworden?

Kuschel: Die ursprüngliche Idee kam mir damals, weil es auf Facebook so viele Aktionen gab, die komplett negativ und unfreundlich waren. Zum Beispiel: Lasst uns mal versuchen, die Facebook-Server in die Knie zu zwingen, indem wir uns alle gleichzeitig an- oder abmelden. Oder alle feiern mal am gleichen Tag krank. Das hat mich damals echt geärgert, und mein Eindruck ist, dass dieses Destruktive heute auf Facebook und auch in anderen sozialen Netzwerken noch viel mehr geworden ist. Da ist es gut, wenn wir mal ein bisschen Freundlichkeit dagegen setzen!

epd: Sie rufen per Facebook zur Aktion auf. Ist die Unfreundlichkeit, der Hass ein reines Internet-Phänomen?

Kuschel: Das glaube ich nicht, das gibt es auch in der "echten" Welt immer wieder. Aber im Internet ist das deutlich ausgeprägter, da lassen viele alle Hemmungen fallen. Ich weiß allerdings auch nicht, warum. Die meisten haben wohl das Gefühl, dort anonymer unterwegs zu sein. Aber das stimmt ja gar nicht. Meine Erfahrung ist: Wenn man die Leute dann im Netz oder sogar im richtigen Leben auf solche Äußerungen anspricht, sind ihnen diese Entgleisungen oft sehr peinlich. Im Netz scheinen ganz offenbar manche Filter, die man sonst so hat, nicht zu greifen...

epd: Sie haben die Aktion 2011 schon mal gestartet. Was waren Ihre Erfahrungen damals? Und wieso kommt die Neuauflage erst jetzt?

Kuschel: Damals haben mehr als 1.000 Facebook-Nutzer an der Aktion teilgenommen. Ich habe aber relativ wenige Rückmeldungen bekommen, was die Leute gemacht haben. Ich hatte die Aktion fast vergessen, bis mich eine Bekannte daran erinnert hat - weil sie einen Blog-Beitrag über Aktionen zur Freundlichkeit im Netz geschrieben hat. So kam es, dass ich die Aktion nun wieder aufleben lasse. Ich finde es wichtig, dass man sich gegenseitig darin bestärkt, dass man nicht alleine ist mit all diesem Hass im Netz! Es wäre toll, wenn jeder Teilnehmer einem anderen Menschen am 11. April ein Lächeln ins Gesicht zaubert! (00/1059/03.04.2017)

epd lbm dsq leo

epd-Gespräch: Daniel Staffen-Quandt