Medien
Überall bleibt DJV-Vorsitzender
Deutliche Kritik an Döpfners "Staatspresse"-Äußerung
Würzburg (epd). Der neue Bundesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV) ist der alte: Die rund 220 Delegierten des Verbands bestätigten den 46-jährigen Frank Überall in Würzburg mit 168 von 208 Stimmen im Amt. Es gab 28 Nein-Stimmen und 12 Enthaltungen. Überall hat das Amt seit zwei Jahren inne. 2015 wurde er beim Verbandstag in Fulda als Nachfolger von Michael Konken gewählt, der das Amt zwölf Jahre innehatte. Überall war zuvor als Schatzmeister im Bundesvorstand der größten europäischen Journalisten-Gewerkschaft aktiv. Anders als bei der Wahl vor zwei Jahren hatte Überall keinen Gegenkandidaten.

Der Gewerkschaftsvorsitzende Überall ist Journalistik-Professor an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft in Köln. Der promovierte Sozialwissenschaftler arbeitet auch für WDR und ARD als Reporter für Hörfunk, Fernsehen und Internet. Als erster Stellvertreter Überalls wurde Kathrin Konyen aus Neu-Ulm im Amt bestätigt, zweiter Stellvertreter bleibt Wolfgang Grebenhof aus Mittelfranken. Ebenfalls im Amt bestätigt wurden Schatzmeisterin Katrin Kroemer aus Nordrhein-Westfalen, sowie die Beisitzer Peter Jebsen (Hamburg) und Christoph Holbein (Baden-Württemberg). Neue Beisitzerin Anne Jacobs aus Berlin.

Der Zeitungswissenschaftler Horst Röper hatte bei einer Podiumsdiskussion eine öffentlich-rechtliche Co-Finanzierung durch Staat und die Gesellschaft für deutsche Printmedien gefordert. Diese sei nötig, um Printmedien langfristig finanzieren zu können, betonte Röper: "Das heißt für mich nicht Staatspresse." In anderen Staaten Europas funktioniere dies ohne Einflussnahme. Kommunikationswissenschaftler Siegfried Weischenberg wies die harsche Kritik von Verleger-Präsident Mathias Döpfner am öffentlich-rechtlichen System zurück. Döpfner folge offenbar der "naiven Idee", dass es den Printmedien besser gehe, wenn es dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk schlechter gehe.

Zuvor hatte Überall Döpfners Kritik des "Staatsfunks" zurückgewiesen: "Solche Vokabeln gehören nicht in eine ernsthafte öffentliche Debatte". Damit bediene man sich der Wortwahl der Demokratiefeinde, monierte er und empfahl Döpfner einen Volkshochschulkurs in Staatsbürgerkunde und Geschichte. Auch Ideen, die "Tagesschau" abzuschaffen, gehörten in den "Spamordner der Medienpolitik" und nicht in einen ernsthaften Diskurs. Überall forderte eine Bestands- und Entwicklungsgarantie für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Der Funktionsaufwand müsse dabei "zeitgerecht und zukunftsfähig" interpretiert werden.

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) hat nach eigenen Angaben rund 35.000 Mitglieder. Er vertritt die berufs- und medienpolitischen Ziele und Forderungen der hauptberuflichen Journalistinnen und Journalisten aller Medien. (00/3381/06.11.2017)

epd lbm dsq as