Landesdienst
Wort zum Himmelfahrtstag

Von Helmut Völkel

Es heißt, viele wüssten nicht oder nicht mehr, was mit "Christi Himmelfahrt" gemeint sei. Wenn dies so ist, hilft kein Klagen darüber, dass die Fundamente des christlichen Glaubens verloren gehen. Vielmehr muss neu erklärt werden, was Christen meinen, wenn sie von der "Himmelfahrt" reden. Der Reformator Martin Luther hat größten Wert darauf gelegt, dass Christen ihren Glauben verstehen und weitersagen können. Glaube und Bildung hängen bei ihm aufs Engste zusammen. Wenn "Himmelfahrt" eine Bildungslücke ist, sollte sie geschlossen werden, übrigens nicht nur bei Christen, sondern bei allen Menschen, die wissbegierig sind.

In der Bibel heißt es, dass Jesus nach Kreuzigung, Tod und Auferstehung zu seinem Vater im Himmel aufgefahren ist. Das lesen wir bei Lukas im 14. Kapitel. Da wird von Jesus und seinen Jüngern Folgendes berichtet: "Er führte sie aber hinaus bis nach Bethanien und hob die Hände auf und segnete sie. Und es geschah, als er sie segnete, schied er von ihnen und fuhr auf gen Himmel. Sie aber beteten ihn an und kehrten zurück nach Jerusalem mit großer Freude und waren allezeit im Tempel und priesen Gott."

Christi Himmelfahrt ist also eine Abschiedsgeschichte, die nicht in Trauer endet, sondern in Freude. Die Jünger bekommen die Hände aufgelegt und werden gesegnet. Dadurch werden sie gestärkt auf dem Weg, der vor ihnen liegt. Sie sind nicht allein, sie stehen unter dem Schutz und Geleit dessen, der zwar auffährt zu Gott und dort zu seiner Rechten sitzen wird, der aber zugleich in der Kraft des Heiligen Geistes bei ihnen sein wird. Die Jünger Jesu, die in der Rolle von Hinterbliebenen sind, enden nicht in Verzweiflung und Traurigkeit, vielmehr durchdringt sie die Freude der Auferstehung. Sie beten den Auferstandenen an. Sie erleben eine große Freude des Herzens und übermitteln diese an die Anhänger Jesu, die in Jerusalem geblieben sind.

Christi Himmelfahrt erfüllt die Urgemeinde mit Freude, Hoffnung und Zuversicht. Der Gottesdienst im Tempel ist der Ort, an dem sich die junge Gemeinde trifft, um Gott zu loben und zu preisen und zu danken für die Kraft, die er ihnen schenkt. Es ist die Kraft des Auferstandenen und zu Gott Aufgefahrenen, die bis heute die Kirche am Leben erhält.

Freilich müssen sich auf dem Weg der Kirche Jesu Christi in die Zukunft zwei Ausrichtungen ergänzen, die Nähe zu Gott und die Nähe zu den Menschen. Alle Reformprogramme, die von den Kirchen ausgerufen werden, sollten nahe bei Gott und nahe bei den Menschen angesiedelt sein. Die Nähe zu Gott sorgt dafür, dass der Glaube und die Frömmigkeit nicht zu kurz kommen. Die Nähe zu den Menschen sorgt dafür, dass Bodenständigkeit, Menschenfreundlichkeit und Barmherzigkeit nicht verloren gehen.

Wenn bei Reformen organisatorische Fragen dominieren, können geschichtliche und geistliche Aspekte verloren gehen. Umgekehrt kann es auch eine Kirche nicht allen rechtmachen und braucht nicht zuletzt aus Gründen der Gerechtigkeit bestimmte Richtgrößen bei der Verteilung von Ressourcen. In allen Reformbewegungen darf die Kirche auf Christus vertrauen, der zur Rechten des Vaters sitzt und seine Kirche stark macht.    

Oberkirchenrat Helmut Völkel ist "Personalchef" der evangelischen Landeskirche und Leiter der Abteilung Personal im Landeskirchenamt. (00/1630/22.05.2017)