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  100 Jahre alt und "stets den Menschen im Blick"
Der Evangelische Pressedienst (epd) feiert Jubiläum


Von Roland Kauffmann (epd)

Frankfurt a.M. (epd). Vor 100 Jahren versammelte sich in Wittenberg ein honoriger Kreis von evangelischen Männern und Frauen, um etwas Neues zu wagen: Vertreter von 23 Vereinigungen gründeten den "Evangelischen Preßverband für Deutschland (EPD)". Der 3. Februar 1910, ein Donnerstag, wurde zum Geburtstag der ältesten deutschen Nachrichtenagentur, des Evangelischen Pressedienstes (epd).

Sechs Stunden dauerten im Hotel "Kaiserhof" die teils hitzigen Debatten. Am Ende einigten sich die Abgesandten von sieben Landespresseverbänden, der Inneren Mission, des Deutschen Evangelischen Frauenbundes, der "Heidenmission" und anderer Organisationen auf eine Satzung. Die zentrale Aufgabe lautete: "Bedienung der gesamten Presse, in erster Linie der politischen Tagespresse und der belletristischen Zeitschriften" mit Nachrichten und Berichten "zur Vertretung der evangelischen Weltanschauung".

Schon der Sozialpionier Johann Hinrich Wichern hatte Mitte des 19. Jahrhunderts die Idee einer professionellen evangelischen Pressearbeit. Bis zur EPD-Gründung 1910 blieb sie aber regional zersplittert. Nun lieferten im ganzen Kaiserreich "Vertrauensmänner" den Redaktionen die EPD-Korrespondenz, hauptsächlich mit "Erbauungsartikeln" oder Beiträgen zu kirchlichen Festen. Der Start war vielversprechend, die Texte wurden gern gedruckt. Den Ersten Weltkrieg überstand die aufstrebende Agentur unbeschadet. Sie hatte sich vom Hurra-Patriotismus in Deutschland mitreißen lassen und bis zum Ende Durchhalteparolen verbreitet.

1919 übernahm der württembergische Pfarrer August Hinderer als EPD-Direktor die Gesamtleitung am Stammsitz in Berlin-Steglitz. Aus der "Kriegs-Korrespondenz" machte er einen weithin geachteten Pressedienst in seinem breit gefächerten Angebot evangelischer Publizistik. Das heute noch gültige Kürzel "epd" - in Kleinbuchstaben - wurde eingeführt. Vor allem die Ökumene war bald ein Markenzeichen der Berichterstattung des epd, ebenso Medien und sozialpolitische Fragen - Schwerpunkte, wie man sie auch heute noch bei der Agentur findet.

In der NS-Diktatur lavierte Hinderer riskant zwischen den Machtblöcken der Nazis und rettete dadurch sein Lebenswerk, doch entging er 1934 nur knapp seiner Hinrichtung. Zeitweise diktierten die nationalsozialistischen Deutschen Christen die Nachrichtengebung des epd, die NS-Sprachregelungen galten auch in der evangelischen Agentur.

Hinderer zur Seite stand seit 1933 Focko Lüpsen als epd-Chefredakteur. Er war fast vier Jahrzehnte lang die prägende Gestalt im epd. Lüpsen betrieb ab 1947 den Wiederaufbau in Bielefeld-Bethel, professionalisierte die Arbeit und nutzte die modernsten technischen Übermittlungswege. Doch über die epd-Geschichte in den Kriegsjahren pflegte er eine Legende, die ihm den Neustart erleichterte. Erst 2002 ergaben Recherchen von Hans Hafenbrack, der von 1981 bis 1998 Chefredakteur war, dass der epd entgegen der Behauptung Lüpsens in der NS-Zeit nicht verboten war.

Heute ist die epd-Zentralredaktion eine Abteilung des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik in Frankfurt am Main. Zusammen mit den acht epd-Landesdiensten werden per Satellit jährlich bald 50.000 Meldungen verbreitet, dazu Bilder und Infografiken. "Der bundesweite epd-Basisdienst erreicht rund zwei Drittel aller in Deutschland erscheinenden Tageszeitungen mit einer Leserschaft von 37 Millionen Menschen", erklärt Thomas Schiller, seit 1999 Chefredakteur der Zentralredaktion.

Am 3. Februar begeht der epd sein 100-jähriges Bestehen mit einer Feier in Berlin, zu der auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwartet wird. Bundespräsident Horst Köhler befand in einem Grußwort zum Jubiläum, der epd vermittle "glaubwürdige Vorstellungen vom Christentum und vom Christ-Sein in unserer Zeit" und trage zu einer lebendigen politischen Öffentlichkeit bei. "Sein besonderes Verdienst ist es, stets den Menschen im Blick zu haben", schreibt das Staatsoberhaupt.





 
 

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