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  Köhler und Merkel würdigen Paul Spiegel

Düsseldorf (epd). Bei der zentralen Trauerfeier für den verstorbenen Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, haben führende Politiker zu einem verstärkten Kampf gegen rechtsextremistische Gewalt aufgerufen. Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) würdigten am Sonntag in Düsseldorf Spiegels Engagement gegen Rassismus und für eine weitere Stärkung jüdischen Lebens in Deutschland. Rund 1.400 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Judentum und Kirchen nahmen an der Trauerfeier des Zentralrats in der Tonhalle teil.

Bei der Bekämpfung von Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus gebe es "keine Kompromisse und null Toleranz", betonte Merkel. Ebenso wie die Bundeskanzlerin mahnte Bundespräsident Köhler in seiner Rede eine verstärkte Zivilcourage der Bürger an. Es dürfe nicht geduldet werden, dass in der Bundesrepublik Orte entstehen, an denen Fremde in ihrer Würde verletzt werden oder "um ihre Gesundheit und sogar um ihr Leben bangen müssen", sagte er.

Spiegel war am 30. April im Alter von 68 Jahren nach schwerer Krankheit gestorben. Am 4. Mai wurde er auf einem Düsseldorfer Friedhof beerdigt.

Köhler würdigte das Vertrauen, das Spiegels Familie und andere Juden Deutschland entgegengebracht hätten, als sie nach Krieg und Verfolgung geblieben seien. Ohne dieses Vertrauen "wäre unser Land nicht, was es ist", sagte er. Es bleibe ein immerwährender Auftrag, jüdisches Leben in Deutschland zu schützen und zu stärken. Mit dem Tod von Spiegel sei eine wichtige Stimme für ein weltoffenes, demokratisches Deutschland verstummt.

Die Vizepräsidentin des Zentralrats, Charlotte Knobloch, nannte Spiegel einen "Wegbereiter der Renaissance des Judentums in Deutschland". Angesichts gestiegener rechtsextremer Gewalttaten mahnte Knobloch: "Wir haben den Hass, der zur Menschenverachtung und Menschenvernichtung geführt hat, erlebt, und wir wollen ihn nicht mehr erleben."

Spiegel lebte mit seiner Familie seit Jahrzehnten in Düsseldorf und betrieb eine Künstleragentur. Gut sechs Jahre stand er an der Spitze des Zentralrats als oberster Repräsentant von etwa 100.000 Juden in Deutschland. Für seinen Kampf gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit und seinen Einsatz für ein besseres Verhältnis von Juden und Nichtjuden in Deutschland wurde Spiegel mehrfach ausgezeichnet.

1937 im münsterländischen Warendorf geboren überlebte Spiegel den Holocaust als Kind mit seiner Mutter in einem Versteck in Belgien. Die Schwester starb in Auschwitz, der Vater überlebte die Lager Buchenwald, Dachau und Auschwitz. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kehrte Spiegel nach Deutschland zurück. Er engagierte sich früh in der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf sowie im Zentralrat der Juden, der höchsten politischen und religiösen Vertretung der in Deutschland lebenden Juden. (06476/28.5.2006)





 
 

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