Kigali/Frankfurt a.M. (epd). Sie war im siebten Monat schwanger, deshalb brachten die Mörder sie um. Rony Zacharia, Projektleiter bei "Ärzte ohne Grenzen", wollte die Krankenschwester Sabine retten. "Sie ist Hutu", hielt er den radikalen Hutu-Milizen in seiner Verzweiflung entgegen. "Sie haben recht", entgegnete der Anführer kalt, "aber das Kind in ihrem Bauch ist Tutsi." Die junge Frau wurde wie die anderen Mitarbeiter des Krankenhauses in Ruanda, die Tutsi waren, ermordet.
Sabine wurde es zum Verhängnis, dass sie mit einem Tutsi verheiratet war. Beim Völkermord 1994 in Ruanda war es das Ziel der Hutu-Extremisten, die Tutsi-Minderheit auszurotten. Mindestens 800.000 Tutsi und oppositionelle Hutu kamen bei Massakern vor zehn Jahren um. Menschen wurden erschlagen, erschossen, mit Macheten zerstückelt. Aufgestachelt von den Milizen mordeten Nachbarn ihre Nachbarn.
Die internationale Gemeinschaft war mit rund 2.500 UN-Blauhelmen in Ruanda präsent - aber sie griff nicht ein. Kofi Annan, der heutige UN-Generalsekretär, war Chef der UN-Abteilung für Friedenseinsätze. Er empfahl den Abzug der Truppen bis auf 270 Mann, während die Massaker auf Hochtouren liefen. Eine Entscheidung, für die er sich später entschuldigte.
Denn es gab zahlreiche Warnungen über geplante Massenmorde in Ruanda. "Bereits 1992 und 1993 existierten Pläne radikaler Hutu, die Tutsi auszulöschen", sagt Völkerrechtler Gerd Hankel. Schon damals habe man also von einem drohenden Völkermord sprechen können.
Doch die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen vermieden das Wort "Genozid" während der Massaker. Denn nach der UN-Konvention von 1948 wären sie verpflichtet gewesen, den Völkermord zu verhüten. Im UN-Sicherheitsrat war von "Gewalttätigkeiten" oder "Gemetzel" die Rede. (...)
(03034/22.3.2004)
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