Frankfurt a.M. (epd). Das Ausmaß des Völkermordes in Ruanda hätte nach Ansicht von Generalmajor Manfred Eisele verhindert werden können. Wenn UN-Truppen vier Tage nach Beginn der Massaker am 6. April 1994 eingeschritten wären, "hätte es nicht eine Million Tote gegeben, sondern vielleicht 50.000", sagt der ehemalige Beigeordnete UN-Generalsekretär für UN-Friedenstruppen. Mit Eisele sprach Michael Ruffert über die Rolle der UN bei dem Genozid vor zehn Jahren.
epd: Herr Eisele, hätte der Völkermord in Ruanda verhindert werden können, wenn die internationale Gemeinschaft eingegriffen hätte?
Manfred Eisele: Die Frage muss man mit Ja beantworten. Den Beweis hat Frankreich mit der damaligen "Operation Turquoise" am 20. Juni 1994 erbracht, als das Land mit Soldaten in Ruanda einmarschierte. Sie haben zwar nichts getan, um den Völkermord zu beenden, sondern Korridore für Flüchtlinge geschaffen. Aber die Operation hat gezeigt, dass bei politischem Willen ein Militäreinsatz innerhalb weniger Tage begonnen und effizient durchgeführt werden konnte. Hätte man das zu Beginn der Massaker - also im April oder spätestens im Mai - gemacht, hätte man die Mehrzahl der Ermordeten retten können.
epd: Wie viele Soldaten wären dafür notwendig gewesen?
Eisele: Die Franzosen haben für ihre Operation Turquoise weniger als 5.000 Soldaten im Einsatz gehabt. Das ist ein Beweis, dass es nicht um riesige Truppen gegangen wäre, sondern um gut ausgestattete, energisch geführte und mit einem robusten politischen Mandat ausgestattete Kräfte.
epd: Es gab zahlreiche Warnungen, dass ein Völkermord in Ruanda droht. Trotzdem ist die internationale Gemeinschaft zurückgeschreckt und hat die damals 2.500 UN-Blauhelme im Land sogar noch auf 270 verringert. Warum wurde nicht zum Schutz der Menschen eingegriffen?
Eisele: Hier müsste man eigentlich die Regierungen aller damals 185 UN-Mitgliedsstaaten befragen, zumindest aber die 15 Mitgliedsländer im Weltsicherheitsrat. (...)
(03016/22.3.2004)
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