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Architektin: "Räume der Stille" werden populär
Marburg
(epd).
Immer mehr Firmen, Schulen, Universitäten und Kirchen richten nach Auskunft der Marburger Architektin Sabine Kraft "Räume der Stille" ein. "In der hektischen Welt suchen viele Menschen Ruhe, Rückzug und Entschleunigung. Räume der Stille sind Orte, wo sie das finden können", sagte Kraft dem epd am 12. Juli in Marburg. Die Architektin und Kunsthistorikerin hat für die Evangelische Kirche in Deutschland darüber eine Studie erarbeitet.
Die Räume der Stille sind nach den Worten von Kraft ein neues Phänomen, das erst mit der Jahrtausendwende sichtbar wurde. Zwar gebe es schon lange Kapellen oder andere religiöse Räume, in die sich der Einzelne zurückziehen kann. "Neu sind aber Orte, die eine spirituelle Sehnsucht erfüllen, die nichts mit Religion zu tun hat."
Beispiele seien gesonderte Ruheräume in Firmen, Schulen oder Behörden: "Man hat gemerkt, dass diese Orte wichtig für Erholung und Stressabbau sind", berichtete Kraft. In staatlichen Einrichtungen gebe es meistens interreligiöse oder neutrale Räume, die sich verschiedene Religionsgruppen teilen. Immer häufiger entstünden die stillen Räume außerdem an Radwegen, in Fußballstadien, im Tierpark, auf Flughäfen oder an Autobahnen.
"Die Räume sind dort, wo sich die Menschen in Alltag und Freizeit aufhalten", erläuterte Kraft. Auf Sylt gebe es einen besonders gestalteten Ruheort in einer Saunalandschaft. In vielen Krankenhäusern würden neue Kapellen eingerichtet. "Man muss sich aber gründlich Gedanken über die Art der Nutzung machen, bevor man einen solchen Raum entwirft", erklärte die Architektin.
Kraft regte an, die zukünftigen Nutzer in die Gestaltung einzubeziehen. "Dann identifizieren sie sich mehr mit dem Raum." Architektur, Materialien, Licht und Farben spielten eine große Rolle. "Bei einem Trauerraum muss man fragen: Wie kann ich die Trauernden durch die Gestaltung trösten?". Ein Trauerraum dürfe nicht aus rohem Beton bestehen.
Auch kirchliche Räume könnten verstärkt genutzt werden. "Es gibt den Trend in den Kirchen, Räume abzutrennen und sie für Passanten nutzbar zu machen. Die Kirche sollte für das Bedürfnis nach Rückzug und spirituellem Erwachen ein Angebot bereit halten", riet Kraft.
Buchhinweis: Sabine Kraft, Räume der Stille, Jonas-Verlag Marburg, 2007, ISBN 978-3-89445-379-4. (0922/12.7.07)


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