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  Gott als Musicalstar
Erster Kongress für moderne Gottesdienste «JustGo» lockte mehr als 2.000 Besucher nach Frankfurt


Von Volker Rahn

Frankfurt a.M. (epd). Sonst treten hier Popstars auf oder Tenöre schmettern ihre Arien von der Bühne. Am Samstag verwandelte sich die Jahrhunderthalle in Frankfurt-Höchst in eine Kirche. Mehr als 2.000 Interessierte trafen sich dort, um sich über neue Gottesdienstformen zu informieren. «JustGo» hieß der nach Veranstalterangaben erste bundesweite Kirchentag für moderne Gottesdienste mit Vorträgen, Bühnenauftritten und zwei Dutzend Arbeitsgruppen.

Die Besucher wollten sich «Anregungen für die eigene Gemeindearbeit holen», wie die Katholikin Bianca Voigt aus Oberursel. Oder sie «testeten» bei der Veranstaltung die Kirche, ob sie «endlich den Fuß in die moderne Gesellschaft reinbekommt», so wie die Darmstädter Pädagogin Birgit Heine.

Ein Jahr lang dauerten die Vorbereitungen für «JustGo». Rund 500 ehrenamtliche Helfer waren im Einsatz. Für den Geschäftsführer des Kongresses, Kai Scheunemann, ein Versuch, «die Erfahrungen von Gemeinden mit neuen Gottesdienstformen transparent machen». Und davon gibt es inzwischen allein in der hessen-nassauischen Kirche mehr als 150.

Mal wird die Predigt durch eine flotte Talkrunde ersetzt, mal gibt es rockige Gitarrenklänge statt klassischer Orgelmusik. Sie alle vereint nach Scheunemanns Worten der Wunsch, «für Menschen verständlich zu sein, denen kirchliche Traditionen fremd geworden sind». Der evangelische Theologe ist sich sicher: Die Zukunft gehört den Gemeinden, die offen und vorurteilslos auf Menschen zugehen können und damit den Schatten des traditionellen Kirchturms verlassen.

So sieht es auch Peter Barrenstein, Direktor bei der Unternehmensberatung «McKinsey» in München und Gast bei «JustGo». Die Realität der herkömmlichen Gottesdienste sei für ihn «desillusionierend». Dort zeige sich die «Kluft zwischen der Kirche und ihren Mitgliedern deutlich». Zudem hänge der «Mantel der Unberührbarkeit» über Predigt und Liturgie.

Barrenstein, der Mitglied der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland ist, forderte, die Bedürfnisse der Gläubigen besser zu erfassen und in der Kirche einen systematischen Austausch von Erfahrungen mit der Gottesdienstpraxis in Gang zu setzen. Nach Ansicht des Unternehmensberaters ist es auch hilfreich, den aus der Wirtschaft stammenden Gedanken der «Null-Fehler-Toleranz» in den sonntäglichen Feiern anzuwenden. Schon ein einziger schlecht vorbereiteter Gottesdienst könne ein langwierig aufgebautes positives Gemeinde-Image zerstören.

Der Propst für Süd-Nassau, Sigurd Rink, bewertete gottesdienstliche Neuaufbrüche grundsätzlich positiv. Sie wirkten in den Gemeinden belebend. Rink sprach sich deshalb für mehr Experimente aus: «Viele in den Gemeinden warten geradezu darauf.» Er habe aber auch Verständnis für diejenigen, die an traditionellen Feiern festhalten wollten.

Klaus Douglass, Pfarrer in Eschborn-Niederhöchstadt und bundesweit einer der Vorreiter für moderne Gottesdienstformen, plädierte für eine Aufwertung des ehrenamtlichen Engagements. Die Kirche müsse «Weg von der Pastorenkirche» und «Ernst machen mit dem Priestertum aller Gläubigen». Pfarrer sollten andere zum Dienst in der Gemeinde befähigen und nicht alles selber machen. Zudem müsse die evangelische Kirche statt «Besitzstandswahrung» zu betreiben missionarische Aktivitäten fördern.

Wie moderne Mission aussehen könnte, zeigte auf dem Kongress die Andreasgemeinde aus Niederhöchstadt. Ihren Gottesdienst eröffneten Trommelklänge. Es wurde Theater gespielt. Und der Prediger konnte von den Besuchern nach seiner munteren Ansprache ins «Kreuzverhör» genommen werden.

Am Ende gab es in der Jahrhunderthalle dann doch noch Popmusik pur. Den Kirchentag schloss ein eigen komponiertes Musical mit rund 100 Bühnenakteuren ab. Dabei wurde kein geringerer als Gott selbst zum Musicalstar - ganz ohne Predigt und völlig ohne Liturgie. Ein Vorgeschmack auf den Gottesdienst der Zukunft? (0624/21.5.06)






 
 

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