Es ist ein aussichtsloser Kampf. Die junge Sophie Scholl sitzt im Februar 1943 im Zimmer des Gestapo-Ermittlungsbeamten Mohr, streitet alles ab und erfindet Geschichten und Ausflüchte. Dass die Flugblätter schon im Treppenhaus der Universität gelegen haben, dass sie den Koffer nur dabei gehabt habe, um Wäsche von ihren Eltern zu holen. Erst als die Last der Beweise allzu erdrückend ist, gesteht sie ihre Widerstandstat - und ist, wie sie selbst sagt, stolz darauf.
Am Sonntag lief Sophie Scholl im Berlinale-Palast, und er hat viel Beifall bekommen. Das Duell im muffigen Zimmer des Gestapo-Mannes Mohr, hervorragend dargestellt von Alexander Held, ist das dramatische Kernstück in Sophie Scholl - Die letzten Tage, und der 1968 geborene Regisseur Marc Rothemund hat es ganz konventionell und statisch in Szene gesetzt, mit Schuss/Gegenschuss-Aufnahmen, die aber umso stärker das Duell zwischen den beiden betonen. Und als Sophie Scholl gestanden hat, nutzt Rothemund die Situation zur Vertiefung der beiden Charaktere: Freiheit will die eine, den nationalsozialistischen Staat verteidigt der andere.
Anders als Die Weiße Rose von Michael Verhoeven vor 20 Jahren, der die Widerstandsgruppe insgesamt beleuchtete, konzentriert sich Rothemund ganz auf seine Heldin, die die Schauspielerin Julia Jentsch mit einer Intensität spielt, dass man meinen möchte, hier schon die Gewinnerin des Darstellerinnen-Preises der Berlinale zu sehen.
Es sind nicht die Argumente, die ihr die Sicherheit geben, es ist ihr «Gewissen». Stärker als in Die Weiße Rose betont Rothemund auch ihren evangelischen Hintergrund, der Film entstand nach neu gefundenen Verhörprotokollen. Fast schon märtyrerhaft wirkt Scholl an einigen Stellen mit ihrer absoluten Hingabe an das Gewissen. In diesem Film wimmelt es überhaupt von «anständigen» Deutschen: Mit Scholl in der Zelle sitzt eine andere Widerständlerin, eine Strafvollzugsbeamtin springt über ihren Schatten, und selbst Mohr zeigt am Ende des Films, beim Gang von Scholl zum Schafott, seinen Respekt.
Doch bei allem, was man gegen den Film einwenden kann: Mit seinem Mut zur konsequenten und schlichten Inszenierung gehört er sicherlich zu den diskussionswerten Filmen des Berlinale-Wettbewerbs, der in seinen ersten drei Tagen vielleicht noch keinen Siegerfilm aufschimmern ließ - aber doch interessante Beiträge.
Dazu gehört die Verfilmung der Carmen-Oper von Georges Bizet in der Sprache Xhosa. Mark Dornford May hat die Geschichte um Liebe, Hass, Leidenschaft und Rache in einem südafrikanischen Township angesiedelt. Oder André Téchinés Les Temps Qui Changent (Die Zeiten ändern sich). Vordergründig handelt er von einer großen Liebe – und davon, dass sich die Zeiten für einen Menschen nicht geändert haben: Der Bauleiter Antoine (Gerard Depardieu) hat nach Jahrzehnten, nach 31 Jahren, acht Monaten und 20 Tagen seine große Liebe Cecile (Catherine Deneuve) in Tanger wiedergefunden. Doch der eigentliche Film schildert eine Familie in Auflösung, Ceciles Familie, die sich am Ende in verschiedene Städte zerstreuen wird.
In verschiedenen Städten Europas spielt auch der deutsche Wettbewerbsbeitrag One Day in Europe von Hannes Stöhr, ein vergnüglich-hintersinniger Episodenfilm am Tag des Championsleague-Finales zwischen Deportivo La Coruna und Galatasaray Istanbul in Moskau. Das Spiel hat es nie gegeben - aber die Episoden des Films sind wie aus dem Leben gegriffen und alle um Diebstähle zentriert. One Day in Europe erzählt von Sprachschwierigkeiten und Fremdheiten und spielt mit nationalen Klischees.