Sozial-Politik
Krankenschwester und Patientin im Martin-Luther-Krankenhaus in Berlin
© epd-bild/Werner Krüper
Wie viel Alten- und Krankenpflegekräfte verdienen
Alle Parteien versprechen höhere Löhne in der Pflege - und die Gewerkschaften fordern sie. Was verdienen Fach- und Hilfskräfte in der Alten- und Krankenpflege heute?
Berlin (epd). Vollzeitbeschäftigte Krankenpflegekräfte verdienen 500 bis 1.200 Euro im Monat weniger als Fachkräfte in der Autoindustrie. Altenpflegerinnen liegen mit ihren Löhnen teilweise nur knapp über den Niedriglöhnen von Gebäudereinigern, Floristinnen oder Friseuren. Union und SPD haben vereinbart, im Fall einer Regierungsbildung die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung in der Alten- und Krankenpflege sofort und spürbar zu verbessern.

Die Löhne in der Pflege variieren sehr stark. Im Südwesten der Republik sind die Einkommen höher als im Nordosten. Es wird überwiegend Teilzeit gearbeitet, was sich auf den Verdienst auswirkt. Und in der Altenpflege wird nahezu überall weniger verdient als in der Krankenpflege.

Stark schwankende Bezüge

Eine Altenpflegefachkraft verdient im Durchschnitt in Deutschland 2.621 Euro. Je nach Region liegen die Löhne laut dem Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit (BA) unter 2.000 Euro in Sachsen-Anhalt und bei bis zu knapp 3.000 Euro brutto im Südwesten der Republik.

In der Krankenpflege sind die Löhne höher. Bundesweit liegen die Gehälter für Krankenschwestern dem BA-Entgeltatlas zufolge je nach Bundesland zwischen 2.750 und 3.700 Euro im Monat. Helferinnen in der Krankenpflege verdienen im Schnitt je nach Region zwischen 1.800 und knapp 2.800 Euro.

Im Osten der Republik ist die Lohndifferenz zwischen Alten- und Krankenpflege besonders groß: Einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zufolge verdienen Fachkräfte in der Altenpflege durchschnittlich knapp 29 Prozent weniger als in der Krankenpflege. Im Westen beträgt der Lohnunterschied 18 Prozent.

Lohnabstand zwischen Kranken- und Altenpflege

Besonders groß ist der Lohnabstand zwischen Kranken- und Altenpflegekräften in Sachsen-Anhalt, wo Krankenschwestern auf einer Vollzeitstelle im Durchschnitt rund 900 Euro mehr verdienen als Altenpflegekräfte. Im Südwesten sind die Lohnunterschiede geringer. Im Spitzenlohnland Baden-Württemberg verdient eine Krankenschwester im Mittel knapp 3.400 Euro, eine Altenpflegefachkraft 2.937 Euro.

Am allerwenigsten verdienen Altenpflegehelferinnen und -helfer in den östlichen Bundesländern: Eine Vollzeitstelle erbrachte laut IAB-Studie 2015 im Durchschnitt 1.495 Euro im Monat. Zwei Jahre später lagen die Löhne laut dem BA-Entgeltatlas für eine Vollzeitbeschäftigung zwischen 1.586 Euro in Sachsen-Anhalt und 1.630 Euro in Brandenburg.

Vollzeitstellen sind in der Pflege die Ausnahme: 60 bis 70 Prozent der Pflegehelfer und -helferinnen und die Hälfte aller Pflegefachkräfte arbeiten Teilzeit. Das bedeutet: Von dem Lohn können die meisten keine Familie ernähren.

Als Orientierung für tariflich vereinbarte Löhne mag die Entgeltordnung für kommunale Einrichtungen dienen: Dort erhalten Pflegefachkräfte ein Einstiegsgehalt von 2.394 Euro und nach 15 Berufsjahren 3.220 Euro. Im Tarif für den öffentlichen Dienst werden keine Unterschiede gemacht zwischen Kranken- und Altenpflegekräften. Pflegeheime und -dienste in kommunaler Trägerschaft gibt es aber kaum.

Tarifbindung wirkt sich positiv aus

Beschäftigte in Pflegeberufen profitieren von der Tarifbindung. In tarifgebundenen Einrichtungen verdienen sie nach Angaben der Gewerkschaft ver.di gut 24 Prozent mehr als ihre Kolleginnen in nicht tarifgebundenen Betrieben. In der Altenpflege ist aber laut ver.di nur ein geringer Teil der Einrichtungen und Dienste tarifgebunden. Bei den Kliniken hingegen liege der Anteil der Häuser mit Tarifverträgen zwischen 70 und 80 Prozent. Bei Caritas und Diakonie sind die Gehälter in den kirchlichen Arbeitsvertragsrichtlinien (AVR) geregelt.

Als untere Lohngrenze gilt in allen Einrichtungen und Pflegediensten der Mindestlohn. Er liegt derzeit bei 10,55 Euro in den westlichen und 10,05 Euro in den östlichen Bundesländern. Er soll Ungelernte und Pflegehilfskräfte vor Lohndumping schützen.

Aus epd sozial Nr. 4 vom 26. Januar 2018

Bettina Markmeyer

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