Sozial-Branche
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Gender Pay Gap bei Führungspositionen in der Sozialwirtschaft
In der Sozial- und Gesundheitswirtschaft werden Frauen in Führungspositionen in der Regel schlechter bezahlt als Männer. Zu diesem Ergebnis kommt die "contec Vergütungsstudie 2016", die das Einkommen von mehr als 900 deutschen Führungskräften in diesem Berufsfeld abgefragt hat.
Bochum Männliche Vorstandsmitglieder in der Gesundheits- und Sozialbranche haben nach einer Branchenstudie im vergangenen Jahr im Durchschnitt rund 208.000 Euro verdient. Sie übertrafen damit das Gehalt ihrer weiblichen Vorstandskollegen um mehr als 90.000 Euro, wie aus der am 4. September veröffentlichten "contec Vergütungsstudie 2016" hervorgeht. Jedoch lag der Median - also der Wert, der in der Mitte liegt, wenn alle Gehälter nach Größe sortiert werden - beim Jahresgehalt von weiblichen Vorstandsvorständen bei 120.000 Euro. Er lag damit um 8.000 Euro höher als bei den Männern. Die große Differenz von 96.000 Euro zwischen dem Durchschnittsverdienst der männlichen Vorstandsmitglieder und dem Median der Männer lässt darauf schließen, dass viele Männer im Vorstand weit mehr als 200.000 Euro im Jahr bekommen.

Große regionale Unterschiede

In der Geschäftsführung zeigt sich ein etwas anderes Bild: Während der Median bei Männern (85.750 Euro) und Frauen (85.040) fast gleichauf liegt, ist der Durchschnitt bei den Frauen mit rund 121.000 Euro mehr als 20.000 Euro höher. Als Prokuristinnen, Gesellschafterinnen und in der Bereichsleitung verdienen Frauen jedoch durchweg schlechter als ihre männlichen Kollegen, wie der Studie zu entnehmen ist.

Die Studie macht auch regionale Unterschiede in der Vergütung erkennbar. Während die Führungskräfte in Nordrhein-Westfalen im Schnitt knapp 140.000 Euro im Jahr verdienen, liegt dieser Wert im Saarland bei 80.000 Euro. Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Thüringen liegen knapp davor. Die Spitzengehälter werden in Berlin bezahlt, wo der Durchschnittswert mehr als 250.000 Euro beträgt. Die Autoren der Studie schreiben die regionalen Differenzen den unterschiedlichen Lebenshaltungskosten in den Regionen zu. Außerdem würden manche Bundesländer als weniger attraktiv angesehen.

Höchste Gehälter in Kliniken

Auch die Branche hat einen wesentlichen Einfluss auf die Vergütung. So verdienen sowohl Vorstände als auch Mitglieder der Geschäftsführung in Krankenhäusern und Kliniken am besten: Hier liegt der Median bei 202.000 Euro bzw. 142.000 Euro. Personen auf gleicher Führungsebene in der Allgemeinen Sozialberatung werden vergleichsweise schlecht vergütet (90.000 Euro/84.000 Euro). Einen großen Einfluss auf das Gehalt hat laut Studie auch der Umsatz der Unternehmen. Demnach bedeutet ein Umsatz zwischen 45 und 150 Millionen Euro für Vorstände ein Gehalt von rund 127.000 Euro im Jahr.

Einen ähnlichen Einfluss hat die Anzahl der betreuten Klienten. Insbesondere ab einer Zahl von 2.000 betreuten Personen mache die Vergütungshöhe von Vorständen einen Sprung, heißt es in der Studie. Am größten ist dieser den Angaben zufolge im Bereich Rehabilitation, wo das Jahresgehalt ab dieser Personenanzahl um rund 80.000 Euro steigt.

Die Management- und Unternehmensberatung contec (Bochum) führte die Studie in Kooperation mit dem Institut für europäische Gesundheits- und Sozialforschung sowie dem RheinAhrCampus der Hochschule Koblenz durch.

Aus epd-sozial 36/17 vom 8. September 2017

David Schäfer

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