Tagebucharchiv
11.12.2017 - Tilmann Gangloff

Irgendwann im Vorschulalter lernen Kinder, dass Zeichentrickwelten in Wirklichkeit nicht existieren. Die meisten haben schon schmerzhaft erfahren müssen, wie weh es tun kann, wenn man bloß von der Schaukel fällt - deshalb wissen sie, dass es pure Fantasie ist, wenn eine Cartoon-Figur auf der Flucht in die Tiefe stürzt, beim Aufprall einen Krater produziert und anschließend putzmunter weiterrennt. Trotzdem kommt Zeichentrick immer wieder ins Gerede.

04.12.2017 - Thomas Gehringer

Der Fernseh-Moderator Ulrich Wickert schien das Zeitgeschehen allein durch sein Mienenspiel zu kommentieren und strahlte meistens Humor und Gelassenheit aus. 15 Jahre lang moderierte er die ARD-"Tagesthemen", von 1991 bis 2006, vom Zerfall der Sowjetunion bis zum deutschen Sommermärchen. Wir Zuschauer sahen mit ihm im Fernseh-Studio Helmut Kohl stürzen, Rot-Grün vorüberziehen und den Einzug von Angela Merkel ins Kanzleramt.

27.11.2017 - Diemut Roether

In der "#Metoo"-Debatte geht derzeit vieles durcheinander. Obszöne Sprüche, frauenfeindliche Bemerkungen, plumpe Anzüglichkeiten und dreiste Anmache werden gleichgesetzt mit körperlicher Zudringlichkeit, Grabschereien und sexueller Nötigung bis hin zur Vergewaltigung. Nur einige wenige Frauen wagen es, auf die Komplizenschaft der Frauen hinzuweisen, darauf, dass wir viel zu häufig mitlachen, wenn einer einen sexistischen Spruch macht, weil das bequemer ist, als sich den Vorwurf der Spaßbremse oder - schlimmer noch - der frustrierten Zicke einzuhandeln.

20.11.2017 - Michael Ridder

Manchmal gibt es das. Da läuft eine Schauspielerkarriere auf genau die eine spezielle Rolle zu, mit der ihr Darsteller fortan für immer verbunden ist. Bei John Hillerman zeigte sich dieser Verlauf in besonders zugespitzter Form: Der 1932 geborene Texaner begann nach seinem Journalistikstudium beim Theater und blieb dort lange, erst im Alter von fast 40 Jahren kam er zum Film. Der Regisseur Peter Bogdanovich besetzte ihn in den frühen 70er Jahren in "Die letzte Vorstellung", "Is' was, Doc" und "Paper Moon".

10.11.2017 - Thomas Gehringer

Dieter Wedel, bis 2022 Intendant der Festspiele Bad Hersfeld, hat für das Fernsehen zuletzt den ARD-Zweiteiler "Gier" (2010) über einen von Ulrich Tukur gespielten Hochstapler gedreht. Wer sich Wedels offenbar abgeschlossenes TV-Schaffen vor Augen führt, dem kommen auch andere Figuren in den Sinn: die Allerwelts-Familie Semmeling, Mario Adorf als "Der große Bellheim" (Boss eines wankenden Kaufhaus-Konzerns) oder Stefan Kurt als verdeckter Ermittler Charly Held im "Schattenmann". Aber wer kennt noch Willi Buschmann, gespielt vom großartigen Ralf Schermuly?

06.11.2017 - Diemut Roether

Das schöne Wort Obergrenze ist jetzt auch in der Diskussion über den "Tatort" im Ersten angekommen. Die ARD will künftig besser darauf achten, dass im Sonntagskrimi nicht zu viele Experimente gewagt werden: Maximal zwei experimentelle "Tatorte" soll es pro Jahr noch geben, bestätigte der für die Koordination der Krimireihe zuständige WDR dem epd. ARD-Programmdirektor Volker Herres hatte bereits im März - nach der Ausstrahlung des SWR-Films "Babbeldasch" - gesagt, er stehe für den "Markenkern, und der heißt Krimi".

30.10.2017 - Patricia Averesch

Obwohl Mann und Frau rechtlich gleichgestellt sind, existieren auch im Jahr 2017 noch Ungerechtigkeiten zwischen den Geschlechtern. Arbeiten ein Mann und eine Frau beispielsweise im gleichen Job, erhält er oft am Ende des Monats mehr Gehalt als sie. Für den Lohnunterschied gibt es keinen spezifischen Grund, nur das Geschlecht unterscheidet die Kollegen. Um solche Ungerechtigkeiten zu bekämpfen, startete der WDR am 23. Januar 1997 eine Fernsehsendung speziell für Frauen. Den 20. Geburtstag feiert "Frau tv" im gesamten Oktober - zehn Monate nach dem eigentlichen Termin.

23.10.2017 - Alexander Matzkeit

Wenn ein Inhalt nicht das Medium wechselt, sondern "nur" das Dispositiv, also die Rahmenbedingungen der Rezeption, verändert er sich trotzdem. Ein Kinofilm wird für die Fernsehausstrahlung neu gemischt, weil die Umgebungsgeräusche im Wohnzimmer lauter sind als im Kinosaal. Wird eine Fernsehserie für einen Streamingdienst konzipiert, müssen ihre Folgen nicht mehr alle gleich lang sein. Ein Videobericht, der primär auf Facebook gesehen wird, sollte sowohl mit als auch ohne Ton funktionieren.

16.10.2017 - Ellen Nebel

Seit 40 Jahren ermittelt "Der Alte" im ZDF. Ein bisschen stolz sind die Macher sicherlich, dass seit zwei Jahren auch eine Frau im Team ermitteln darf - Annabell Lorenz, deren Rolle nicht besser beschrieben werden könnte, als es dem Internetauftritt der Serie zu entnehmen ist:

09.10.2017 - Michael Ridder

Der ehemalige Privatagent Werner Mauss (77) ist ein beliebter Berichterstattungsgegenstand deutscher Medien. Bis ins Jahr 2000 war der diplomierte Landwirt immer wieder in geheimer Mission für die Bundesregierung unterwegs, sein Name wird mit hoch sensiblen Verhandlungen im Libanon oder in Südamerika und mit spektakulären Geiselbefreiungen in Verbindung gebracht. Das Landgericht Bochum verurteilte Mauss am 5. Oktober wegen Steuerhinterziehung zu zwei Jahren Haft auf Bewährung.