Tagebucharchiv
12.06.2017 - Diemut Roether

Filmemacher sind Illusionskünstler. Sie stellen ein paar Kulissen auf und halten so drauf, dass man nur die schöne Fassade sieht und gar nicht merkt, dass die Häuserwände nur rasch zusammengezimmert wurden und dahinter nichts ist. Dem Regisseur Edgar Reitz allerdings war es in seiner "Heimat"-Trilogie wichtig, an Original-Schauplätzen zu drehen, um deren "Einflüsterungen" zu hören und die Orte einzubeziehen.

05.06.2017 - Konrad Ege

Die US-Medien wollten es während des Wahlkampfs nicht für möglich halten, dass jemand wie Donald Trump Präsident werden kann. Es folgten Spott und Schuldbekenntnisse. Doch nun gibt es Anzeichen einer zweiten medialen Stampede: Die Herde lässt sich locken von der Annahme, der überforderte Mann mit Hang zum Autokratischen werde sich nicht halten im Weißen Haus. Oft ist sogar die Rede von einem "Echo von Watergate".

29.05.2017 - Diemut Roether

"Verschwörungstheorien und Verdächtigungen haben Konjunktur", sagte kürzlich der Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte der "Zeit". In den Sozialen Medien verbreiten sich Meinungen und sogenannte alternative Fakten ungefiltert, und nicht selten werden diese "Fakten" von Leuten in die Welt gesetzt, die anderen die Verbreitung von Fake News vorwerfen oder die über die "Lügenpresse" schimpfen. Und warum reden wir eigentlich von "Fake News", wenn wir eigentlich Propaganda oder Lüge meinen?

22.05.2017 - Diemut Roether

Der heißeste digitale Scheiß ist seit dem 16. Mai "Spiegel Daily": Jeden Nachmittag um 17 Uhr schalten die Kollegen vom Spiegel-Verlag die neue Digitalausgabe frei, mit der sie "einmal am Tag die Welt anhalten" wollen. Nicht mehr und nicht weniger. "Spiegel Daily" soll all denen, die nicht so nachrichtensüchtig sind, dass sie den ganzen Tag bei "Spiegel Online" rumhängen, einmal am Tag eine Zusammenfassung der wichtigsten Ereignisse des Tages bieten: "An einem Ort der ganze Tag im Überblick."

15.05.2017 - Michael Ridder

Endlich ist es da, das deutsche "Breaking Bad". Nach langen Jahren des Wartens hat es sich klammheimlich auf den Fernsehbildschirm geschlichen, was vermutlich der Grund dafür ist, dass es bisher niemand bemerkt zu haben scheint. Die Parallelen sind jedoch so zahlreich, dass es jetzt mal ausgesprochen werden muss: Die "Lindenstraße" ist zum deutschen "Breaking Bad" mutiert.

08.05.2017 - Ellen Nebel

Ungläubig starrt der Fünfjährige auf den gelben Kasten mit Tür. "Eine Art Riesenhandy zum Reinstellen", klärt der dazugehörige Artikel im Magazin "Süddeutsche Zeitung Familie" auf. Weiter geht es mit Scherzanrufen bei Herrn Kotze, Freude über Wechselgeld im Münzfach und dem Geruch nach kaltem Rauch und Pipi. Das Kind beschäftigt sich eine ganze halbe Stunde mit der Doppelseite "Endlich verstehen: Telefonzellen".

02.05.2017 - Verena Hölzl

Seng Mai ist der Boss. Rundes Gesicht, fester Blick, burschikos. Die Jeans hängt ihr bis zu den Knien, das Kinn vergräbt sie im Rollkragen ihres Strickpullovers. Die 27-Jährige ist Myanmars erste Chefredakteurin. "Seit es meine Zeitung gibt, traut sich die Regierung nicht mehr, Mist zu bauen", erzählt sie. Kürzlich war das Dach der Markthalle in Myitkyina undicht - ein Riesenthema für die Menschen in der Stadt im Norden Myanmars. Viele echauffierten sich, verlangten, dass die Stadtverwaltung tätig wird.

27.04.2017

Daten waren schon immer der Rohstoff des Journalismus: Journalisten recherchieren Fakten, also Daten, sie analysieren Statistiken und andere umfangreiche Dokumente, die viele Daten enthalten, und bereiten die relevantesten Informationen so auf, dass sie möglichst viele Nutzer finden. Doch die Datenmengen, die Journalisten verarbeiten müssen, werden immer größer.

24.04.2017 - Tilmann Gangloff

Vor einigen Wochen wollte ein Meinungsforschungsinstitut wissen, welche TV-Show die Menschen gern wiedersehen würden. Fast 50 Prozent der Befragten wünschten sich eine Rückkehr von "Wetten, dass..?". Am 19. April wurde der Mann, der es erfunden hat, 75 Jahre alt, er ist jetzt seit mehr als fünf Jahrzehnten im Showgeschäft.

10.04.2017 - Johannes Süßmann

Schüsse hallen durch den Raum, das Poltern von Soldatenstiefeln ist zu hören: Über eine Leinwand flackern Ausschnitte aus dem US-Mehrteiler "Holocaust". 1979 lief er im westdeutschen Fernsehen, als einer der ersten Filme zum Thema überhaupt in Nachkriegsdeutschland. In der ersten Woche nach der Ausstrahlung bekam der Sender 20.000 Zuschauerzuschriften, protokolliert auf gelben und grünen Karteikarten. "Unser Junge hat sehr geweint. Seine Frage: Warum hat keiner etwas getan?", ist dort zu lesen, oder: "Wir haben nicht gewußt, was damals passiert ist."