Tagebucharchiv
19.12.2016 - Klaudia Wick

Ihm sei nichts Menschliches fremd, er mache das auch im Internet und man kenne ihn aus dem Fernsehen. So kündigte unlängst Bettina Tiedjen ihren Talkgast, den Fernseharzt Johannes Wimmer, an. Dessen wachsende Popularität beruht nicht zuletzt auf der Tatsache, dass die Menschen sich oft genieren, mit ihren Wehwehchen zum Facharzt zu gehen, sondern sich erst einmal als Google-Patienten anonym mit ihren Leiden beschäftigen. "Vor allem nachts um drei", so Wimmer, schnelle die Klickrate erfahrungsgemäß nach oben.

12.12.2016 - Katrin Schuster

Als Alice Schwarzer im Oktober 2013 bei Ina Müller zu Gast war und Pierre M. Krause als Dritter am Tresen dazustieß, erkannte die "Emma"-Verlegerin schnell ihren Wettbewerbsnachteil. Der habe seine Pointen ja vorbereitet, lautete ihr lachend vorgetragener, vermutlich haltloser Vorwurf. Gerade hatte die NDR-Moderatorin Müller dem SWR-Moderator Krause ein metrosexuelles Aussehen attestiert - was dieser auf seine eigene Art quittiert hatte: "Ich bin ein Actionheld, gefangen im Körper einer Ballerina!"

05.12.2016 - Christian Bartels

"Die Lokalzeitung war fast 'ne Bibel", lautet einer der ersten Sätze in der Radio-Collage "Radio in Wittgenstein und im Hinterland". Wer sich für Medien interessiert, den zieht der Satz trotz des sperrigen Titels in das knapp einstündige Feature des Hamburger Medienwissenschaftlers Hans-Jürgen Krug hinein. Eine der Überraschungen dieses Stücks, das kürzlich beim Lokalsender Radio Siegen gesendet wurde, besteht darin, dass es keineswegs die jüngeren Mediengattungen Fernsehen oder Internet waren, die am Nimbus der Lokalzeitung kratzten, sondern eben das Radio.

28.11.2016 - Ellen Nebel

Die Bundeswehr hatte es in den vergangenen Wochen wieder nicht leicht. Anfang November startete die Reality-Doku "Die Rekruten" auf YouTube. Sie soll die Nachwuchssorgen der Truppe lindern. Täglich bekommen die Zuschauer gezeigt, wie in der zwölfwöchigen Grundausbildung aus zwölf jungen Frauen und Männern Soldatinnen und Soldaten werden. In 90 Folgen von etwa jeweils fünf Minuten wird die Entwicklung der Rekruten nachgezeichnet. 1,7 Millionen Euro kostet die Webserie, hinzu kommen 6,2 Millionen Euro für Werbung.

21.11.2016 - Barbara Sichtermann

Das Entsetzen unter uns Medienmenschen über den Ausgang der Wahl in den USA ist groß: Da hat jemand gewonnen, der aus einer Reality Show kommt, ein Typ wie hier in Deutschland Dieter Bohlen: ein Rüpel, den viele Leute mögen, weil er sagt, was er denkt, der sagt, was ihm durch die Rübe rauscht, und dabei munter gegen alle Spielregeln der political correctness verstößt. Wissend, dass solche die Sprache betreffenden Spielregeln und die dahinter stehenden Überzeugungen vielen Menschen auf die Nerven gehen.

14.11.2016 - Thomas Gehringer

Um kurz vor 2 Uhr nachts gab es beim ZDF ein Mainzelmännchen zu gewinnen, man spielte das Quiz "Wer hat's gesagt?". Bei der ARD hatte Korrespondent Stefan Niemann gerade aus New York gemeldet, dass bei der Wahl-Party der Demokraten doch kein Feuerwerk geplant sei. Aber er habe Konfetti-Kanonen entdeckt. Es herrschte zu diesem Zeitpunkt eine gelöste, siegessichere Stimmung in der langen Fernsehnacht zur US-Wahl.

07.11.2016 - Tilmann Gangloff

Als das Deutsche Fernsehen 1954 seinen regulären Betrieb aufnahm, befand sich das Land im Aufschwung des Wirtschaftswunders. Kein Wunder, dass die Unternehmen das junge Medium als Werbeplattform nutzen wollten: Am 3. November 1956 zeigte der Bayerische Rundfunk in seinem regionalen ARD-Fenster zum ersten Mal Reklame: Liesl Karlstadt und Beppo Brehm warben für ein Waschmittel: "Der gebildete Mensch sagt nur Persil."

31.10.2016 - Uwe Kammann

"Wow": So hat noch kein Friedenspreisträger seine Dankesrede begonnen. Und ebenso fern lag es bislang jeder der im Namen des Deutschen Buchhandels geehrten Kultur- und Politikgrößen, das Fernsehen als Quelle der Inspiration zu nennen. Carolin Emcke, die diesmal Ausgezeichnete (neunte Frau unter 66 Laureaten: ja, die Verhältnisse), tat es völlig unbefangen. Und offenbarte, ganz nebenbei, dass die Eltern sogar richtige Fernsehsessel hatten. Allerdings nur zwei. So dass sie ein eigenes Ritual entwickelte: den Friedenspreis von unten zu betrachten, eben vom Fußboden aus.

24.10.2016 - Diemut Roether

Zu diesem Erfolg kann man die ARD nur beglückwünschen: Den Fernsehfilm "Terror" - gewissermaßen eine juristische Vorlesung über unveräußerliche Grundrechte wie die Menschenwürde - sahen fast sieben Millionen Menschen. Manche der rechtlichen Ausführungen waren so komplex, dass man die Schauspieler - allen voran Martina Gedeck - nur bewundern konnte dafür, mit welcher Souveränität sie diese vortrugen. Doch das Abstimmungsergebnis nach der Sendung - 86,9 Prozent der Zuschauer stimmten für den Freispruch des Piloten - weckte Zweifel, ob sie verstanden wurden.

17.10.2016 - Lynn Osselmann

Die weltweit erste Soap auf Snapchat - damit will Puls "völlig neue Wege im Storytelling" gehen. Das junge Angebot des BR produziert für Funk zwei Wochen lang eine Soap, die mit Hilfe der Messenger-App Snapchat von Hauptdarstellerin Franca-Serafina Boleng gedreht, bearbeitet und gesendet wird. Gegenstand der Serie "I am Serafina" ist das Leben der 19-jährigen Serafina, die nach dem Abitur auf der Suche nach sich selbst ist und dabei jeden Schritt bei Snapchat öffentlich macht.