Tagebuch
Zeitreise mit Minifigur. Digitale "Lego Dimensions"
Frankfurt a.M. (epd). Bei der Geschenkeauswahl für den Nachwuchs klaffen die Vorstellungen häufig weit auseinander. Manche Kinder hoffen schon vom Grundschulalter an auf Elektronik, Eltern wollen gerne Nützliches schenken, das am besten auch die Bildung der Kleinen fördert. Großeltern sind von diesem Zwang befreit und können sich ganz darauf konzentrieren, Begeisterungsstürme bei den Enkeln auszulösen. Dies aber bitte mit einem Geschenk, das auch physisch vorhanden ist und unter den Augen von Oma und Opa ausgepackt werden kann. Filme und Spiele zum Download scheiden damit schon mal aus.

Eine Lösung dieses Dilemmas: "Lego Dimensions", ein Adventure-Videospiel aus dem Haus der dänischen Klötzchenbauer. Hier müssen die Spieler erst bauen, bevor sie mit ihren Lego-Minifiguren ins Spiel einsteigen können. Das Ergebnis: Die Kinder freuen sich über ein neues Spiel für PlayStation, Xbox oder Wii, die Eltern können daran glauben, dass ihre Kinder beim Spielen noch etwas lernen, und mit dem Starterset haben die Großeltern ein ausreichend großes Paket in der Hand.

Los geht es mit dem sogenannten Portal, dessen klassisch-händischer Aufbau die Kinder einige Zeit beschäftigt. Das Starterset enthält außerdem noch die Figuren Batman und Gandalf sowie Wyldstyle, die schon durch "Lego Movie" wirbelte. Die Spieler stellen nun die Minifiguren auf das "Toy-Pad" genannte Portal, und diese tauchen dann im Spiel auf. Sie müssen nun Welten erkunden, Rätsel lösen und Gegner bezwingen, natürlich mit dem großen Ziel, das Universum zu retten.

Mit dem Starterset sind die Geschenkemöglichkeiten aber noch lange nicht abgeschlossen. Es ist mit derzeit rund 70 Euro lediglich die erste und größte Investition. Denn das Spiel bietet die Möglichkeit, noch andere Welten zu erleben - wenn sie denn freigeschaltet werden. Dazu sind weitere Minifiguren nötig, die leider nicht einfach aus dem bereits vorhandenen reichhaltigen Fundus an Lego-Männchen entnommen werden können, sondern neu gekauft werden müssen.

Das Marketing von Lego hat sich dabei drei Varianten ausgedacht und diese freundlicherweise an die Porte­mon­naies der Zielgruppe angepasst. Die sogenannten Fun Packs bieten eine zusätzliche Figur und ein Fahrzeug für taschengeldfreundliche 15 Euro. Für die 22 Euro teuren Team Packs mit jeweils zwei Figuren und zwei Fahrzeugen weisen die Kinder bei ihren Eltern gern auf eine gute Note in Mathe hin. Und auf die Level Packs mit Figur, zwei Fahrzeugen und einem weiteren Level für das Spiel werden dezent die Großeltern aufmerksam gemacht. Die dann für 25 bis 30 Euro auch wieder ein Paket in den Händen halten.

Lego hat für das Spiel einige Lizenzen zusammengebracht, so dass der Nachschub so schnell nicht ausgeht. Manche Themen liegen nahe und sind den Kindern aus der Lego-Welt bekannt: DC Comics, Jurassic World, Ninjago oder Chima zum Beispiel. Mit anderen Marken wie "Ghostbusters" oder "Zurück in die Zukunft" können jüngere Spieler wenig anfangen, was den Effekt des Haben-Wollens aber keinesfalls dämpft. Die Reaktion im heimischen Wohnzimmer: "Kenn ich nicht, brauche ich aber unbedingt."

Und schon sind weitere Themenwelten angekündigt, die das Universum weiter vergrößern. Für die Eltern und Großeltern springt dabei immerhin eine Art Zeitreise raus. "Das A-Team" wurde in den frühen 80er Jahren ausgestrahlt, genauso wie "Knight Rider", "Die Goonies" kamen 1985 in die Kinos, und "Beetle Juice" hat auch schon fast 30 Jahre auf dem Buckel. Da können die Eltern nur hoffen, gelegentlich für einen ausgefallen Mitspieler einspringen zu dürfen: "Du musst nur hier drücken, das ist gar nicht so schwer."
Aus epd medien Nr. 29/16 vom 15. Juli 2016
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Nina Gödeker