Tagebuch
Der Mann, der Higgins war. Zum Tod von John Hillerman
Frankfurt a.M. (epd). Manchmal gibt es das. Da läuft eine Schauspielerkarriere auf genau die eine spezielle Rolle zu, mit der ihr Darsteller fortan für immer verbunden ist. Bei John Hillerman zeigte sich dieser Verlauf in besonders zugespitzter Form: Der 1932 geborene Texaner begann nach seinem Journalistikstudium beim Theater und blieb dort lange, erst im Alter von fast 40 Jahren kam er zum Film. Der Regisseur Peter Bogdanovich besetzte ihn in den frühen 70er Jahren in "Die letzte Vorstellung", "Is' was, Doc" und "Paper Moon".

Weltweit berühmt wurde Hillerman ab 1980 in seiner Rolle des Jonathan Quayle Higgins. Der Verwalter eines luxuriösen Anwesens auf Hawaii war der hassgeliebte Feindfreund des Privatdetektivs Tom Selleck in der US-Krimiserie "Magnum". Und mochte Selleck auch der Frauenheld sein, so war es Hillerman, der mit seiner Dialogkomik Kultstatus erlangte. Higgins, der überkorrekt-snobistische britische Lord im Safari-Outfit, wurde von Hillerman so perfekt verkörpert, dass der Schauspieler sogar in Großbritannien für einen Engländer gehalten wurde. Antrainiert hatte er sich den Akzent Jahrzehnte zuvor, als er begeistert Laurence Oliviers "Hamlet"-Rezitationen zuhörte.

Obwohl von eher kleiner Statur, konnte Higgins eine so prüfend-dominante Miene aufsetzen, dass es den Anschein hatte, er blicke auf den 1,92 Meter großen Magnum herab. Als Sprachgenie und promovierter Mathematiker stand er für die Überlegenheit des Intellekts in einem Umfeld, in dem es vor Testosteron nur so strotzte - man denke beispielsweise an Magnums Freunde T.C. und Rick. In dem ikonischen Vorspann (der erst ab der zehnten Folge gezeigt wurde) gibt es die bezeichnende Szene, in der Higgins Magnum eine Whiskeykaraffe aus der Hand nimmt. Freilich wird darin auch die Kampfsport-Kunst von Higgins gezeigt, ganz der Figur angemessen als geistige Beherrschung des Körperlichen.

Higgins war als Kriegsveteran konzipiert, der bereits im Zweiten Weltkrieg kämpfte, später unter anderem in Nordafrika und Indien stationiert war und immer noch gern Vorträge über Militärstrategie hält. Die Armee-Vergangenheit verband ihn bei aller Gegensätzlichkeit mit Thomas Magnum, der sein Vietnam-Trauma mit Flapsigkeit und Draufgängertum zu kompensieren versuchte. Von diesem Hintergrund bekamen die ARD-Zuschauer bei der deutschen Erstausstrahlung der Serie zwischen 1984 und 1991 allerdings nichts mit: Die Programmverantwortlichen schnitten alle Vietnam-Bezüge heraus, veränderten Inhalte durch die Synchronisation und zeigten 16 Episoden gleich gar nicht. Erst der Privatsender RTL strahlte ab 1996 alle Folgen ungekürzt und mit einer neuen Synchronisation aus.

"Meine Vorstellung von einem perfekten Tag ist es, im Bett zu liegen und zu lesen", sagte Hillerman einmal der "Washington Post". Nach dem Ende von "Magnum" im Jahr 1988 trat er kaum noch vor die Kamera, in der Agentenserie "Berlin Break" - einer frühen Eigenproduktion von RTL - übernahm er in den 90er Jahren noch einmal eine Hauptrolle. John Hillermann ist am 9. November im Alter von 84 Jahren in seinem Haus in Houston gestorben.
Aus epd medien Nr. 46 vom 17. November 2017

Michael Ridder