Tagebuch
Die Bildnisse des Jupiter-Präsidenten. Macron und die Medien
Frankfurt/M. (epd). 26.000 Euro: Das ist der Lohn der Visagistin, die Emmanuel Macron in den ersten drei Monaten seiner Amtszeit überall begleitete und das Make-up auffrischte. Viel Make-up-Verbrauch für einen jungen, gutaussehenden Mann, aber der französische Präsident ist immer im Bild. Zum Schuljahresbeginn mit Erstklässlern in einer Schulkantine in Forbach in Lothringen, auf Staatsbesuch in Griechenland mit der Gattin an seiner Seite - der Präsident zeigt sich. Mit Journalisten redet er aber bisher nicht viel.

Der unnahbare "Jupiter-Präsident" habe eine narzisstische Tendenz, heißt es in Frankreichs Medienbranche. "Die Journalisten interessieren mich nicht", antwortete Macron auf die Frage einer Reporterin: "Mich interessieren die Franzosen." Die Botschaft: Taten zählen, nicht Worte. Und die Bilder. Der Präsident passt sich der jeweiligen Umgebung an, trägt bei Armeebesuchen Luftwaffenuniform, kleidet sich als Marineoffizier. Er zieht Boxhandschuhe an, um Paris bei der Kandidatur für die Olympischen Spiele zu unterstützen, und spielt im Rollstuhl Tennis mit Behinderten.

Die Ferien der Familie Macron waren kurz, aber das Fotoalbum für die Öffentlichkeit war gut bestückt. Die Bilder vom Urlaub in Marseille zeigen einen coolen Präsidenten, der auf dem Übungsplatz vom Fußballclub Olympique de Marseille in einen Ball haut, im T-Shirt seiner Sicherheitskräfte und in Begleitung der Stars des Vereins. Brigitte Macron lobt in "Elle" das Fußballtalent ihres Gatten. Mit einer gewissen Selbstironie vertraut sie der Frauenzeitschrift an, dass ihr Mann "zum Frühstück mit all seiner Frische" erscheine und sie "mit ihren Falten". Da waren die Make-up-Kosten des Präsidenten noch nicht publik. Einen Paparazzo, der in Marseille ungefragt Fotos schoss, verklagte Macron wegen "Belästigung und Verletzung der Privatsphäre".

Die Beliebtheit von Emmanuel Macron ist nach 100 Tagen im Amt tief gesunken: Minus fünf Punkte im August, minus weitere drei Punkte Anfang September. Die Umfrageergebnisse sind sogar noch schlechter als bei den Vorgängern Hollande und Sarkozy. Nur 37 Prozent der Franzosen vertrauen dem Präsidenten, der sich unter anderem mit Demonstrationen gegen das neue Arbeitsrecht auseinandersetzen muss. Wenig beliebt sind auch seine Sparmaßnahmen, um Brüssel zufriedenzustellen, darunter die Kürzung der Wohnungsbeihilfen um fünf Euro.

Zu Beginn des Monats September hat Macron einen Elyséesprecher ernannt, den linken Journalisten Bruno Roger-Petit. Der ist nicht gerade für Angepasstheit bekannt: Als er 1987 beim öffentlichen Fernsehen entlassen wurde, warf er vor laufender Kamera seine Karteien auf den Boden. Nach seiner Ernennung löschte Roger-Petit seinen Twitter-Account und somit die Spuren weiterer Zornesausbrüche. Während des Wahlkampfes hatte er in seinen Artikeln unverblümt den Kandidaten Macron unterstützt, zum Ärger der Journalistengewerkschaft und seiner Redaktion im Wirtschaftsmagazin "Challenges".

Roger-Petit leitete auch eine Diskussionsgruppe mit dem Namen "Jupiter". Er soll hinter dem Konzept Macrons stecken, wonach sich ein Präsident wie Jupiter auf dem Kapitol nicht oft zu Wort zu melden habe. Nun steigt Macron vielleicht demnächst herunter, aber die neuerdings offizielle Rolle Roger-Petits im Elyséepalast erhärtet den Verdacht einer zu großen Nähe und eines heimlichen Einverständnisses zwischen Journalisten und Politikern im sogenannten Pariser Mikrokosmos. Es sieht mal wieder so aus, als ob jeder Journalist, der es zu was bringen will, als Berater im Elyséepalast endet - und jede erfolgreiche Journalistin als Ministergattin.
Aus epd medien Nr. 37 vom 15. September 2017

Martina Zimmermann