Inland
VPRT: ARD und ZDF sollten Angebote im Internet zurückfahren
ARD-Generalsekretärin: Es darf nicht nur nach Marktinteressen gehen
Frankfurt a.M. (epd). Der Vorsitzende des Verbands Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT), Hans Demmel, hat die öffentlich-rechtlichen Sender aufgefordert, weniger im Internet anzubieten. Bei den Onlinemedien gebe es keine "Mangelversorgung", sagte Demmel am 16. Januar beim Deutschen Medienkongress in Frankfurt am Main. Wenn die öffentlich-rechtlichen Sender ihre Filme länger als sieben Tage in den Mediatheken zur Verfügung stellen würden, gehe das zulasten privater Anbieter. Die Generalsekretärin der ARD, Susanne Pfab, verteidigte die Pläne der ARD, ihre Onlineangebote auszubauen: Dies entspreche den Erwartungen der Nutzer, die für die Angebote mit dem Rundfunkbeitrag bezahlt hätten.

Pfab sagte, der öffentlich-rechtliche Rundfunk werde in Deutschland stärker reguliert als in jedem anderen europäischen Land. Die Gesetze müssten "den Veränderungen der Welt angepasst werden". Dabei dürfe es aber nicht immer nur um die Interessen des Marktes gehen, sondern darum, "allen frei zugängliche Information anzubieten". Verlässliche Anbieter seien in Zeiten unzuverlässiger Angebote im Internet wichtiger denn je. Die solidarische Finanzierung durch den Rundfunkbeitrag mache die öffentlich-rechtlichen Sender wirtschaftlich unabhängig.

Die Länder planen, den Telemedienauftrag der öffentlich-rechtlichen Sender neu zu regeln. Die Ministerpräsidenten haben sich im Oktober 2017 darauf geeinigt, die Sieben-Tage-Regel für die Verweildauer von Sendungen in den Mediatheken zu lockern (epd 43/17).

Demmel sagte, die Angebote der öffentlich-rechtlichen Sender gingen zulasten der kleinen Privatsender. Die derzeitige Diskussion über den Rundfunkbeitrag zeige, dass ARD und ZDF an Akzeptanz verlören. Weder er noch sein Verband wollten den öffentlich-rechtlichen Rundfunk abschaffen, aber er habe Angst vor einer ähnlichen Diskussion wie in der Schweiz, wo eine Volksinitiative fordert, den Beitrag für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk ganz abzuschaffen. In dieser Situation könne es hilfreich sein, wenn ARD und ZDF auf bestimmte Angebote verzichten würden: "Möglicherweise ist weniger mehr."

Aus epd medien Nr. 3 vom 19. Januar 2018

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