Internationales
USA: Auslandsrundfunk muss 30 Millionen Dollar einsparen
Vier Sprachdienste fallen weg - Neue TV-Sendungen für Ägypten
Washington (epd). Der US-Auslandsrundfunk muss sparen. Wie das Broadcasting Board of Governors (BBG), die Behörde für den US-Auslandsrundfunk, in Washington mitteilte, beantragte sie für das Jahr 2013 beim US-Kongress nur noch eine Summe von 720,1 Millionen Dollar. Das ist gegenüber dem laufenden Jahr eine Kürzung von mehr als 30 Millionen Dollar (4,2 Prozent). Die Administration von Präsident Barack Obama hatte Einsparungen von fünf bis zehn Prozent gegenüber dem Niveau von 2011 als "Wunsch" angesetzt.

Vier Sprachdienste sollen den Plänen zufolge komplett eingestellt werden: Griechisch, Awarisch, Tschetschenisch und Tscherkessisch. Die drei nordkaukasischen Völker sollen künftig über Russisch mitversorgt werden. Zu den wichtigsten neuen Aufgaben gehören wöchentliche Fernsehsendungen für Ägypten und Satellitenfernsehsendungen für Mittelasien. "Der US-Auslandsrundfunk wird weiter Menschen in der ganzen Welt dienen, die keinen Zugang zu genauen und glaubwürdigen Nachrichten haben und die lebenswichtige Informationen dringend benötigen", erklärte das BBG.

In der Zeit von 2001 bis 2011 stieg die Zahl der wöchentlichen Nutzer des US-Auslandsrundfunks von 100 Millionen auf den Rekordwert von 187 Millionen. Im gleichen Zeitraum erhöhte sich das BBG-Budget von 425 auf 747 Millionen Dollar. Der neue Budgetentwurf unterstützt die Prioritäten der US-Außenpolitik und beruht auf der BBG-Fünfjahres-Strategie für die Jahre 2012 bis 2016. Sie war im vergangenen Oktober unter dem Motto "Wirkung durch Innovation und Integration" vom neuen, durch Obama ernannten Board gebilligt worden.

In dem Strategiepapier wird eine Neuausrichtung des Auslandsrundfunks gefordert, um ein wichtiges Publikum von Kuba bis China zu erreichen. Außerdem soll die digitale Infrastruktur weiter ausgebaut werden. Zu den Schwerpunkten der Berichterstattung des BBG-Rundfunks im vergangenen Jahr gehörten der Arabische Frühling, der Konflikt in Afghanistan und Pakistan, die "Gärung" in Iran und Russland, der Kampf um Tibet und andere Entwicklungen in China, die humanitäre Katastrophe in Ostafrika und die Menschenrechte in Kuba.

An der Spitze des BBG-Vorstands steht seit kurzem als Interimsvorsitzender der 52-jährige Michael Lynton, gleichzeitig Vorstandsvorsitzender des TV- und Filmunternehmens Sony Pictures Entertainment. Sein Vorgänger, der Schriftsteller und Publizist Walter Isaacson, war Ende Januar 2012 nach dem großen Erfolg seiner Steve-Jobs-Biografie zurückgetreten, "um sich einem weiteren großen Buchprojekt zu widmen". Isaacson, zuvor Chefredakteur der Zeitschrift "Time", Vorstandsvorsitzender von CNN und Geschäftsführer des Aspen-Instituts, war im November 2009 wie die anderen sieben BBG-Vorstandsmitglieder von Präsident Obama berufen worden. Außenministerin Hillary Clinton gehört dem Vorstand von Amts wegen an.

Am 1. Februar feierte der US-Auslandsrundfunk seinen 70. Jahrestag. Anfang 1942, kurz nach Pearl Harbor, wurden erstmals "Stimmen aus Amerika" ("Voices of America") live über Kurzwelle an den Kriegsgegner in Europa, Deutschland, gesendet.
Aus epd medien Nr. 10 vom 09.03.2012   > zum Archiv von epd medien (Gastzugang)

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