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US-Kabelmogul John Malone baut Einfluss in Belgien aus
Telekom-Konzern Telenet übernimmt De Vijver Media vollständig
Brüssel (epd). Die belgische Liberty-Tochter übernimmt vollständig das Medienunternehmen De Vijver Media, das die Sendergruppe SBS Belgium betreibt. Telenet besaß seit 2014 bereits 50 Prozent der Aktien von De Vijver Media und übernimmt nun zusätzlich die restlichen 50 Prozent, die bisher dem belgischen Medienunternehmen Mediahuis und dem Unternehmen Waterman & Waterman von Wouter Vandenhaute und Erik Watté gehörten. Der Kaufpreis wurde nicht mitgeteilt, der Deal bedarf noch der Zustimmung Wettbewerbsbehörden. Vandenhaute bleibt Vorsitzender des Aufsichtsrates von De Vijver Media.

De Vijver Media kontrolliert seit 2011 den kommerziellen Rundfunkbetreiber SBS Belgium mit den Fernsehkanälen Vier, Vijf (Fünf) und dem 2016 gegründeten Zes (Sechs) sowie S-Radio. Außerdem gehört zu De Vijver Media die Produktionsgesellschaft Woestijnvis ("Wüstenfisch"). 1995 wurde der Fernsehkanal VT 4 von dem US-Medienunternehmer Harry Sloan gegründet, er entwickelte sich zum Mittelpunkt der späteren Mediengruppe SBS Belgium. 2004 kam der Fernsehkanal Vijf hinzu. Von 2007 bis 2011 gehörte SBS Belgium zur deutschen ProSiebenSat.1-Gruppe. Im Jahr 2017 erreichte SBS Belgium einen Marktanteil von 19,2 Prozent in Nordbelgien und war damit der drittgrößte Fernsehanbieter in Flandern nach dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk VRT und dem kommerziellen Konkurrenten VTM.

Der 1996 gegründete Kabelnetzbetreiber Telenet gehört seit 2013 mehrheitlich zum US-Medienunternehmen Liberty Global von John Malone. Telenet kaufte 2017 das südbelgisch-luxemburgische Kabelnetzunternehmen Coditel/SFR Belux vom französischen Medienunternehmen Altice.

John Porter, Vorstandsvorsitzender von Telenet, bewertete die Übernahme von de Vijver als "nächsten Schritt unserer komplexen Unterhaltungsstrategie". Als Besitzer eines Produktionshauses mit lokalen Wurzeln und einer Anzahl von florierenden kommerziellen Kanälen könne Telenet" die Realisierung neuer Zuschauererfahrungen beschleunigen".

Gert Ysebaert, der Vorstandsvorsitzende von Mediahuis, erklärte: "Mediahuis hat in den letzten Jahren ein schnelles Wachstum erlebt und sich zu einer Multimedia-Gruppe entwickelt. Als größter Verleger in Belgien und zweitgrößter Verleger in den Niederlanden haben wir einen starken Ehrgeiz für die weitere digitale Ausdehnung unserer Aktivitäten." Der Verkauf des De-Vijver-Anteils bedeute eine "Konzentration auf die weitere Stärkung unserer belgisch-niederländischen Organisation in den nächsten Jahren".

Mediahuis mit den führenden belgischen Tageszeitungen "De Standaard", "Nieuwsblad" und "Gazet van Antwerpen" sowie den niederländischen Tageszeitungen "NRC Handelsblad" und "De Limburger" erwarb 2017 die niederländische Telegraaf Media Groep mit der größten niederländischen Tageszeitung "De Telegraaf".

Auch beim größten nordbelgischen Fernsehbetreiber VTM gab es zuletzt eine Aktionärsveränderung. Das Medienunternehmen De Persgroep mit den belgischen Tageszeitungen "Het Laatste Nieuws" und "De Morgen" und den niederländischen Tageszeitungen "Algemeen Dagblad", "Volkskrant", "Het Parool" und "Trouw" übernahm Ende 2017 vom belgischen Partner Roularta die restlichen 50 Prozent des Rundfunkunternehmens Medialaan, zu dem die VTM-TV-Gruppe gehört. Zuvor besaß De Persgroup bereits 50 Prozent an der VTM-Gruppe, die 2017 in Nordbelgien einen Marktanteil von 31,2 Prozent erreichte.

Außerdem verkaufte De Persgroep den Anteil von 50 Prozent am Presseunternehmen Mediafin mit den Tageszeitungen "De Tijd" und "L'Echo" an Roularta. Bei Mediafin ist das Unternehmen Rossel ("Le Soir" und "Sud Presse") mit ebenfalls 50 Prozent weiter Mitbesitzer.

Aus epd medien Nr. 11 vom 16. März 2018

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