Debatte
These und Gegenthese
Die Diskussion über die Antisemitismus-Dokumentation
Frankfurt a.M. (epd). Nach langem Ringen hat sich der WDR Mitte Juni dann doch entschlossen, die Dokumentation "Auserwählt und ausgegrenzt - Der Hass auf Juden in Europa" von Joachim Schroeder und Sophie Hafner zu zeigen - allerdings mit einem "Faktencheck", und im Anschluss wurde bei "Maischberger" über Antisemitismus diskutiert. "Faktencheck", das hört sich an wie Wahrheitssuche im Kampf gegen Fake News. Der Versuch war vielleicht gut gemeint - gelungen war er leider nicht.

Die Vorgeschichte zu der Auseinandersetzung um den als Antisemitismus-Doku bekanntgewordenen Film wurde hier bereits ausführlich erzählt (epd 20/17) und sei daher nur kurz zusammengefasst: Vor drei Jahren reichte der Produzent und Autor Joachim Schroeder bei der zuständigen Arte-Redakteurin im WDR, Sabine Rollberg, ein Exposé über Antisemitismus in Europa ein. In der ersten Fassung wurde es abgelehnt, Redakteurin und Produzent justierten nach. Nachdem das Projekt im April 2015 den Zuschlag bekommen hatte, sprang der vorgeschlagene arabisch-israelische Coautor Ahmad Mansour ab und wechselte in die Funktion eines Beraters. Ende 2016 nahm Rollberg den Film redaktionell ab, die technische Abnahme kurz vor Weihnachten musste laut Schroeder verschoben werden, weil Arte die französische Übersetzung nicht lieferte. Kritik sei nur inoffiziell geäußert worden: Der Film sei antimuslimisch, antiprotestantisch und proisraelisch.

Steilvorlage für "Bild"

Monatelang verweigerte Arte die Ausstrahlung, weil der Film nicht dem vereinbarten Projekt entspreche. Der WDR, Vertragspartner von Schroeder, stellte sich vorerst hinter Arte: Von der Arte-Programmkonferenz genehmigt worden sei ein Film zum Antisemitismus in Europa, hieß es im Mai von der Pressestelle. Geliefert worden sei jedoch ein Film, der das Thema Antisemitismus in Europa nur in Teilen behandelt und stattdessen auch einen Schwerpunkt auf die Situation in Gaza und Israel legt. Damit sei der genehmigte Auftrag definitiv nicht erfüllt. Der Produzent vermutete, Arte habe mit der Aussage des Films ein Problem: Dass Antizionismus eine moderne Form des Antisemitismus darstellt.

Nachdem epd im Mai über den zurückgehaltenen Film berichtet hatte, nahmen sich auch die Feuilletons großer Tageszeitungen wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" und die Boulevardzeitung "Bild" des Falls an und fragten, warum der Film nicht gezeigt werde. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, setzte sich in einem Brief an die Intendanten von Arte, WDR und ZDF für die Ausstrahlung der Dokumentation ein (epd 23/17). Arte-Programmdirektor Alain Le Diberder verteidigte die Entscheidung seines Senders: Es habe sich um "Verfahrensentscheidungen, die die editoriale Qualität und Verantwortung sicherstellen", gehandelt.

Am 13. Juni stellte "Bild.de" eine Rohfassung des Films für 24 Stunden online - redaktionell eingeordnet durch Experteninterviews. "Seit Wochen wird bis in die höchsten Ebenen der Politik über diese - von Gebührengeldern produzierte - Dokumentation diskutiert. Ohne dass die Bürger sie sehen dürfen. Ohne dass sie sich ein Urteil bilden können", schrieb der Vorsitzende der Chefredaktion von "Bild", Julian Reichelt, bei "Bild.de". Der Verdacht liege nahe, dass diese Dokumentation nicht gezeigt werde, weil sie ein antisemitisches Weltbild in weiten Teilen der Gesellschaft belege.

Die Hinhaltetaktik der beiden öffentlich-rechtlichen Sender diente der "Bild"-Zeitung als Steilvorlage, sich als Vorkämpfer für die Pressefreiheit zu stilisieren. "Dies ist eine Frage der Glaubwürdigkeit aller Medien, dem Verdacht der Eigenzensur bei politisch nicht genehmen Themen entschieden entgegenzutreten", teilte Springer dazu mit. Der Springer Konzern ist bekannt für sein Engagement für Israel. Zu der Frage, ob "Bild.de" die Rechte an der Dokumentation erworben habe, äußerte sich der Medienkonzern Axel Springer selbst nicht. Der WDR nannte die Aktion "rechtswidrig", Arte und der WDR teilten jedoch mit, dass sie keine juristischen Schritte gegen "Bild.de" planen würden (epd 25/17). Die Autoren bestreiten, von der Veröffentlichung vorab gewusst zu haben.

Journalistische Standards

Noch vor dem "Bild.de"-Coup" hatte der WDR Zweifel am Inhalt des Films geäußert: Es gebe "handwerkliche Bedenken" gegen den Film, erklärte der Sender Anfang Juni: "Wir prüfen derzeit intensiv, ob die Dokumentation den journalistischen Standards und Programmgrundsätzen des WDR entspricht." Für die interne Prüfung engagierte der WDR nach eigenen Angaben ein halbes Dutzend interne und externe Rechercheure - Journalisten, Juristen und Experten. Wer an der nochmaligen Sichtung beteiligt war, teilte der WDR dem epd nicht mit.

Dass der Sender den Film prüft, erfuhren die Autoren und die Redakteurin laut Schroeder aus der Presse. Während der Zeit der Prüfung hätten Autoren und Redakteurin zwei Mal einen Fragenkatalog zugeschickt bekommen, die Fragen hätten sich auf die Quellenlage des Films bezogen, sagt Schroeder. Die Bearbeitungsfristen seien sehr eng gewesen, die Autoren hätten nicht gewusst, wofür die Antworten verwendet werden sollten. Fragenkatalog und Antworten stellte der WDR als Ergänzung zum Faktencheck online. Eine inhaltliche Auseinandersetzung über den Film habe auch in dieser Zeit nicht stattgefunden, sagt Schroeder.

WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn stellt das anders dar: Bei der Talkrunde im Anschluss an die gezeigte Dokumentation im Ersten sagte er, es habe einen ständigen Kontakt zwischen der WDR-Redaktion und dem Produzenten gegeben. Zudem habe man dem Produzenten in den vergangenen Wochen mehrfach Mängel mitgeteilt. Ist mit "WDR-Redaktion" Sabine Rollberg gemeint, die verantwortliche WDR-Redakteurin für Arte, die den Film abgenommen hat? Sie werde wie die Autoren seit Wochen isoliert, beschreibt Schroeder die Stimmung. Noch im Mai hatte der WDR über seine Pressestelle mitteilen lassen, "dass die verantwortliche Redakteurin den Film vor diesem Hintergrund so und ohne weitere Abstimmung abgenommen hat, wird im WDR derzeit kritisch diskutiert". Was das für die Redakteurin bedeutet, ließ der Sender offen.

Auch Schroeder bestätigt die Beanstandung von Mängeln durch den WDR. In den vergangenen Wochen hätten die Autoren auf Wunsch der Redaktion kleine Änderungen vorgenommen: Zum Beispiel sei eine Frau auf einer Demonstration verpixelt und ihre Stimme unkenntlich gemacht worden. Zudem habe man unabhängig vom WDR eine Textzeile, die sich auf Misereor bezogen habe, rausgenommen, weil sich herausgestellt habe, dass der Zusammenhang nicht stimmte.

Ungewöhnliche Sendeform

Am 21. Juni wurde der zunächst zurückgehaltene Film im Ersten also endlich gesendet - in einer ungewöhnlichen Form, die die Dokumentation für den Zuschauer fast unsehbar und ziemlich unverständlich machte: Schriftliche Stellungnahmen wurden eingeblendet, zudem gab es online einen WDR-Faktencheck zu der Dokumentation, der Nachlässigkeiten richtigstellen sollte. Schließlich zog auch Arte mit und zeigte die Dokumentation zeitversetzt, um sie dem französischen Publikum nicht vorzuenthalten.

WDR-Fernsehdirektor Schönenborn verteidigte die ungewöhnliche Sendeform bei einer Diskussion des Grimme-Instituts am 22. Juni in Bonn. Nach der rechtswidrigen Veröffentlichung des Films auf "Bild.de" habe sich der Sender keine "Zeit der ruhigen Beratung" mehr nehmen können, sagte er. Auf die nun gefundene Lösung sei der Sender "nicht stolz, aber es war das, was aus Transparenzgründen nötig war".

Für die Diskussionsrunde bei "Maischberger" waren eingeladen: Schönenborn, Historiker Michael Wolffsohn, der die Sache der Autoren unterstützt, Rolf Verleger, ehemaliges Mitglied des Zentralrats der Juden in Deutschland, Gemma Pörzgen, ehemalige Nahost-Korrespondentin, Norbert Blüm (CDU), der sich seit Jahren für Palästinenser einsetzt und Ahmad Mansour. Weder der Autor Schroeder noch die Redakteurin Rollberg waren Gäste bei "Maischberger". Sie seien bis zuletzt im Unklaren gelassen worden, in welchem Rahmen der Film ausgestrahlt werden soll, sagt Schroeder. "Die Gästeeinladung ist tatsächlich unsere Sache", erklärte Moderatorin Sandra Maischberger. Man habe über den Inhalt des Filmes - Antisemitismus - reden wollen und nicht über den Umgang mit dem Film.

So ein Vorgang ist in der bundesdeutschen Fernsehgeschichte ziemlich einmalig: Das Erste beziehungsweise Arte sendet eine in Auftrag gegebene Dokumentation, die vom WDR redaktionell abgenommen wurde, aber eigentlich gar nicht gezeigt werden sollte mit Berichtigungen, die ihrerseits den Film infrage stellen. Und das bei einer Dokumentation mit dezidiert pro-jüdischer Haltung, in der es um Antizionismus geht - eine Form des Antisemitismus, bei dem der Staat Israel ähnlich aggressiven und delegitimierenden Ressentiments ausgesetzt ist wie Juden.

Der Faktencheck

Wolffsohn warf dem WDR in der "Maischberger"-Runde vor, es gebe offenbar "doppelte Standards", denn andere Dokumentationen, die "vor Fehlern strotzten", seien trotzdem gesendet worden - etwa die über den niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders (epd 12/17). "Wenn Sie tatsächlich die von Ihnen propagierten Standards immer anlegen würden, dann hätten Sie fast immer nur Testbilder", teilte Wolffsohn aus.

Bekannt ist der WDR-"Faktencheck" schon von Talkformaten wie "Hart aber fair". Strittige Aussagen werden einer kritischen Prüfung unterworfen. Immer wenn von "Faktencheck" die Rede ist, steht im Raum, es gehe um Täuschung, Lüge, Manipulation. Der Faktencheck verspricht, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Der FDP-Politiker Oliver Luksic bezeichnete den "Faktencheck" zur Antisemitismusdoku auf Twitter als "betreutes Fernsehen".

"Der gesamte Film wurde infrage gestellt. Die Macher des Films kamen in den Ruch des Unseriösen", stellte Josef Schuster später im "Tagesspiegel" fest.

Der WDR hat also ein wichtiges journalistisches Instrument eingesetzt, um einen Film mit eindeutiger Haltung und seine Macher mitsamt der zuständigen Redakteurin öffentlich zu desavouieren. Der ganze Abend hatte den Anschein eines öffentlichen Tribunals. Ganze 29 Berichtigungen zählt der "Faktencheck" zum Film. Mal fehlten dem WDR Angaben zu Interviewpartnern, mal wurden ganze Passagen im Film infrage gestellt, mal wurden Stellungnahmen von Interviewpartnern ergänzt oder Zitate eingeordnet.

Die Korrekturen

Es gehe auch um rechtliche Belange, wie Persönlichkeitsrechte, sagte Schönenborn bei "Maischberger". Einige Nachlässigkeiten und Fehler haben man - auch durch Textänderungen des Produzenten - beheben können. Einige benötigten nach wie vor eine redaktionelle Einordnung, weil die Änderungen des Produzenten aus Sicht des WDR nicht ausreichend waren, wie der WDR dem epd mitteilte.

Manche Korrekturen wirken eher optional. Manches mutet absurd, fast obsessiv, an. Zum Beispiel die Passage zur Rede von Mahmud Abbas, dem Präsidenten der palästinensischen Autonomiebehörde vor dem Europäischen Parlament: "Darüber hinaus möchte ich noch sagen, dass vor nur einer Woche einige Rabbiner in Israel ihre Regierung aufgefordert haben, unser Wasser zu vergiften, um Palästinenser zu töten. Ist das nicht eine klare Anstiftung zum Massenmord am palästinensischen Volk?", wird Abbas im Film zitiert. Dazu die Anmerkung aus der WDR-Redaktion: "Der Kommentartext fügt dem Zitat von Abbas weitere Inhalte hinzu: ,Rabbiner planen palästinensische Brunnen zu vergiften.' Von ,Brunnen' spricht Abbas hier jedoch nicht, auch nicht von ,Plänen' der Rabbiner, das Wasser zu vergiften. Aus dieser Interpretation wird die Behauptung abgeleitet, die Rede Abbas stünde in einer Tradition, die den Juden seit dem Mittelalter vorwirft, Brunnen zu vergiften, um sie dadurch ,zu enteignen, zu vertreiben und zu ermorden'."

Brunnen oder Wasser - bewusst oder unbewusst spielt Abbas auf das alte antijüdische Ressentiment an, Juden seien Brunnenvergifter. Der moderne Antisemitismus spiele mit der Verwendung von Codes und Chiffren, die es möglich machten, offenen Judenhass zu verschleiern, sagt Monika Schwarz-Friesel, Antisemitismusforscherin an der TU Berlin, die in der Dokumentation zum Thema befragt wird. Sie wird als "Prof. Monika Schwarz-Friesel, Antisemitismus-Forscherin Linguistik TU Berlin" insertiert. Im Faktencheck ist zu lesen: "Die Linguistin Prof. Dr. Monika Schwarz-Friesel wird zu ihrer Studie zur ,Sprache der Judenfeindschaft im 21. Jahrhundert' interviewt. Diese Studie hat sie gemeinsam mit Jehuda Reinharz 2012 publiziert. Darin untersuchten die Wissenschaftler über 14.000 Zuschriften an den Zentralrat der Juden in Deutschland und an die Israelische Botschaft in Deutschland. Die Studie befasste sich folglich mit dezidiert antisemitischen Schriftstücken." Das Mehr an Informationen zu Schwarz-Friesel ist schön - vielen Dank dafür, WDR. Nötig war das nicht.

Verharmlosung des Antisemitismus

"Das Interview betraf nicht allein das eine Buch zur Sprache der Judenfeindschaft, dessen Inhalte völlig verzerrt im Faktencheck wiedergegeben werden", sagte Schwarz-Friesel dem epd. Sie sei allgemein als Expertin für aktuellen Antisemitismus in Deutschland und Europa befragt worden. "Die Produzenten haben mein Zitat also korrekt und passend eingefügt." Die Expertin nennt es daher "unverantwortlich", wie der WDR vorgegangen sei. Der Sender verbreite "alternative Fakten" und stelle Behauptungen auf, die aus Sicht der Antisemitismusforschung wenig mit der Realität zu tun hätten. Der "Faktencheck" zeige gravierende Mängel und Ungenauigkeiten. Mängel, die der Film in diesem Ausmaß nicht aufweise. "Er belegt zudem eine Tendenz der Verharmlosung des Antisemitismus."

Zuschauer hatten sich bei Facebook vor allem über eine Einordnung irritiert gezeigt. Im Film heißt es zu den Terroranschlägen in Paris im November 2015: "Im Rahmen der Terroroffensive kommen im Konzerthaus Bataclan 90 Menschen ums Leben, Hunderte werden verletzt. Die ehemaligen Besitzer waren kurz zuvor nach Israel ausgewandert. Jahrelang hatten sie hier Spenden-Galas für Israel organisiert. Seit 2008 wurden die jüdischen Inhaber massiv bedroht. 2011 entging das Bataclan nur knapp einem geplanten Anschlag."

Der WDR belehrte im Faktencheck: "Es ist Aufgabe eines jeden Journalisten, Belege für seine Thesen zu recherchieren. Für eine antisemitische Motivation bei diesem Anschlag sind uns jedoch keine Belege bekannt, auch die Autoren konnten diese nicht vorlegen. Es gibt keine publizierten polizeilichen Erkenntnisse, dass das Bataclan gezielt ausgesucht wurde, weil es Juden gehörte." Es gibt aber mehrere Belege, die auf ein antisemitisches Motiv hinweisen. Diese haben die Autoren auch schriftlich vorgelegt, wie der vom WDR online veröffentlichte Frage- und Antwortkatalog bezeugt. Auf Twitter entgegnete der WDR einem Nutzer, der sich tief erschüttert von der Darstellung des Senders zeigte: "Der Beweis für ein antisemitisches Anschlagsmotiv fehlt. Deshalb bieten wir - ebenso ohne Beweis - eine Gegenthese an."

Interpretation schlägt Tatsachen: So geht der "Faktencheck" beim WDR. Anspruch eines Faktenchecks müsste aber sein, eine Objektivität herzustellen, auf deren Grundlage eine Diskussion über Antisemitismus stattfinden kann. Weil dieser Faktencheck nicht der Sache diente, hat er den Journalismus und dessen Glaubwürdigkeit massiv beschädigt.

Eindeutige Autoren-Handschrift

Er und Hafner hätten Kontakt zu Anwälten aufgenommen, die rechtliche Schritte gegen den WDR prüften, sagte Schroeder dem epd. Auch Schwarz-Friesel kündigte an, den Faktencheck aus Sicht der empirischen Antisemitismusforschung auf einem Workshop zum Gegenstand zu machen. Und die in Jerusalem ansässige NGO Monitor hat den WDR zum "sofortigen Widerruf" aufgefordert, weil sie sich falsch und rufschädigend dargestellt sieht. Dem epd sagte der WDR, NGO Monitor habe eine Antwort vom Sender erhalten. Wie diese aussieht, ließ der WDR mit dem Hinweis auf die interne Kommunikation zwischen Absender und Empfänger offen.

Thomas Frickel, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AG DOK), sieht den "Faktencheck" des WDR im Zusammenhang mit einer allgemeinen Entwicklung: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk traue den Zuschauern nicht mehr zu, sich ein eigenes Bild machen zu können. Deshalb habe man die Korrekturen eingebaut. Allgemein nehme die Tendenz nachzubessern bei einigen Redaktionen stark zu: "Das Fernsehen hat den Mut verloren", beklagt Frickel. Grund sei die immer stärkere Programmformatierung. Autorenstücke finde man immer seltener - auch weil eine starke Verunsicherung bei Autoren zu bemerken sei. Je mehr Haltung ein Film zeige, je kommentierender er sei, umso schwerer habe er es bei der Abnahme.

Den Film "Auserwählt und ausgegrenzt - Der Hass auf Juden in Europa" könne man schon als "propagandistisch" sehen, weil er eine klare Absicht erkennen ließ, sagt Frickel: "Aber ich denke, der Film hat eine Haltung mit eindeutiger Autoren-Handschrift. Die Demokratie wäre nicht zusammengebrochen, hätte man den Film früher gezeigt."

Aus epd medien Nr. 26 vom 30. Juni 2017

Elisa Makowski