Inland
Studie: Kika-Dokumentation regt zum Hinterfragen an
IZI: Film zeigt Konflikte in deutsch-syrischer Beziehung
Frankfurt a.M. (epd). Kinder und Jugendliche werden von der umstrittenen Dokumentation "Malvina, Diaa und die Liebe" angeregt, die Beziehung zwischen dem deutschen Mädchen und dem syrischen Flüchtling kritisch zu hinterfragen. Das ergab eine Studie, die das Internationale Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) im Internet veröffentlichte. Befragt wurden 100 Kinder zwischen acht und 13 Jahren. Die vom HR produzierte Dokumentation war am 26. November im Kinderkanal von ARD und ZDF gezeigt worden und wird seit Anfang Januar unter anderem von AfD-Abgeordneten angegriffen und in den sozialen Netzen heftig diskutiert (vgl. epd 2, 37/18 und Leitartikel in dieser Ausgabe).

In dem Beitrag von Marco Giacopuzzi, den der Kika im November sendete, erzählen die zum Zeitpunkt des Drehs 16-jährige Malvina und der damals 19-jährige syrische Flüchtling Diaa Mohammed davon, wie sie sich kennenlernten, von ihrer Liebe und den Problemen in ihrer Beziehung. Gegenstand der Diskussionen war unter anderem das Alter des jungen Mannes, der einen starken Bartwuchs hat.

Die befragten Kinder nahmen nach Angaben des IZI Malvina "als sehr viel sympathischer wahr als Diaa, besonders gegenüber dem jungen Mann wird eine sehr kritische Haltung entwickelt". Die Befragung hat auch ergeben, dass 80 Prozent der Kinder die Beziehung zwischen den beiden als "hierarchisch" wahrnehmen und den Eindruck haben, "dass Diaa Malvina seine Kultur aufzwingen will und möchte, dass sie sich ihm unterordnet".

Gleichzeitig nähmen die meisten jedoch auch wahr, "dass Malvina auf sich aufpassen kann und weiß, was sie will", teilte das IZI mit. Die Befragten hätten auch gesehen, "dass die beiden liebevoll miteinander umgehen". Nur ein Viertel der Befragten gehe davon aus, dass die beiden heiraten werden.

Insgesamt sei Diaa für die Mehrheit der Mädchen "eher ein Anti-Vorbild", teilte das IZI mit. Sie würden diese Partnerschaft nicht für sich haben wollen: "Es überwiegt eindeutig eine kritische Einschätzung der Beziehung." Einige hätten sich über die Dokumentation auch aufgeregt, was sich "in ausländerfeindlichen Äußerungen ausdrücke". Nach Einschätzung des Instituts ist "die Sendung in der Rezeption eher als Informationssendung einzuordnen, die vor allem 12- bis 13-jährigen Mädchen aufzeigt, welche Ansprüche und Konflikte auf sie zukommen können, wenn sie sich auf eine Beziehung mit einem Mann aus einem anderen Kulturkreis einlassen".

In dem Film sprechen Malvina und Diaa unter anderem auch darüber, dass er nicht will, dass sie kurze Röcke trägt. Malvina erzählt, dass er sie gefragt habe, ob sie sich vorstellen könne zum Islam überzutreten und ein Kopftuch zu tragen. Das komme für sie aber nicht infrage: "Ich bin eine Christin. Und eine Emanze." Sie trage ihm zuliebe jedoch keine kurzen Röcke oder Hotpants, weil er ihr wichtiger sei als Hotpants.

Der AfD-Abgeordnete Dirk Spaniel hatte den Beitrag in einem Facebook-Post als "Kika-Propaganda für Beziehungen mit moslemischen Flüchtlingen" bezeichnet. Er schrieb, es sei "unerträglich, wie dieses Mädchen hier als Vorbild hingestellt und instrumentalisiert wird". In Anspielung auf den Mord an einer 15-Jährigen in Kandel, der von einem jungen Asylbewerber aus Afghanistan begangen worden sein soll, bezeichnete er es als "Skandal ersten Ranges, dass - noch dazu ein Kindersender auf subtile Art falsch verstandene Toleranz bewirbt". Die Anfeindungen gegen Diaa und Malvina haben inzwischen dazu geführt, dass die beiden zeitweise unter Polizeischutz stehen.

Aus epd medien Nr. 4 vom 26. Januar 2018

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