Internationales
SRG Deutschschweiz: Ombudsstelle erhielt 334 Beanstandungen
80 Prozent der Beschwerden wurde im Jahr 2016 nicht stattgegeben
Zürich (epd). Im Jahr 2016 sind bei der Ombudsstelle der SRG Deutschschweiz 334 Beanstandungen eingegangen. Diese betrafen 135 Sendungen. Bei fast 80 Prozent der betroffenen Sendungen seien die Beanstandungen nicht unterstützt worden, teilte der Ombudsmann der SRG Deutschschweiz, Roger Blum, in seinem Jahresbericht 2016 mit. Die Quote von rund 20 Prozent gerügter Sendungen entspreche ungefähr dem Anteil vergangener Jahre.

Einige Sendungen hätten eine große Anzahl an Beanstandungen auf sich gezogen, hieß es. Darunter war die auch vom Ombudsmann kritisierte Sendung "Giacobbo/Müller" vom 14. Februar 2016, in der es um das Tanzverbot im Aargau und um das Abendmahl ging, mit 74 Beanstandungen. Der Film "Feuchtgebiete", ausgestrahlt am 17. August 2016, hatte 43 Beanstandungen zur Folge. Auf die Unterhaltungssendung "Happy Day" vom 15. Oktober 2016 mit dem Blackfacing des "Verstehen Sie Spaß?"-Moderators Guido Cantz folgten 17 Beanstandungen.

Traditionsgemäß habe das Fernsehen die meisten Beanstandungen auf sich gezogen. 100 Fernsehsendungen seien bemängelt worden, drei Viertel aller beanstandeten Sendungen und Veröffentlichungen. Ein knappes Viertel aller inkriminierten Sendungen lief im Radio. Einige wenige Beschwerden gingen auch gegen Online-Beiträge ein (vier Prozent). Wie im Vorjahr bezog sich die Mehrheit der Beanstandungen auf Informationssendungen, wobei die Berichterstattung über Innenpolitik der am meisten beanstandete Bereich gewesen sei, teilte der Ombudsmann mit. Fast gleichauf lag die Außenpolitik, vor Gesellschaft, Umwelt und Verkehr, Satire und Wirtschaft.

Die Gründe für die Beanstandungen ließen sich grob in sechs Gruppen einteilen. In absteigender Reihenfolge monierten die Beanstander fehlende Sachgerechtigkeit (73 Prozent), Diskriminierung (15 Prozent), gestörte Sittlichkeit/verletzte religiöse Gefühle/Jugendschutz (sechs Prozent) sowie Gewalt, fehlende Vielfalt und Schleichwerbung (fünf Prozent). Bei fast 80 Prozent der Fälle seien die Beanstandungen nicht unterstützt worden, weil die betreffenden Redaktionen das Radio- und Fernsehgesetz nicht verletzt hätten. "Dieses Resultat zeigt klar, dass die Journalistinnen und Journalisten von SRF zwar hin und wieder Fehler machen, aber in der überwiegenden Mehrheit der Sendungen faktengerecht, fair und kompetent berichten", erklärte Blum.

Der Umgangston bei den Beanstandungen sei kritischer, aber auch aggressiver geworden, hieß es in dem Jahresbericht. Medienschaffende würden als "Linksterroristen und Medien-Schnuderis", Politiker als "Drecks-Elite, ehr- und charakterlose, schäbige Nationalräte oder Landesverräter" verunglimpft. "Es ist wichtig, über allfällige Fehler der Programmschaffenden zu reden und dass dieser Diskurs öffentlich stattfindet", so Blum. "Aber es gibt einen republikanischen Anstand. Und der gilt für alle." Nach wie vor gebe es auch sehr viele Beanstander, die zufrieden seien, dass ihnen zugehört werde.

Die Ombudsstelle als Institution gibt es im Schweizer Rundfunk seit 25 Jahren. Sie dient dazu, dem Publikum unkompliziert zu kontaktierende Ansprechpartner zur Verfügung zu stellen. Außerdem fungiert sie als Vermittlungsinstanz vor dem Beschreiten des Rechtswegs. Des weiteren soll sie die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen (UBI) entlasten, die als außerparlamentarische Kommission des Bundes organisiert ist. Sie kann erst nach einem Verfahren bei einer Ombudsstelle angerufen werden.

Aus epd medien 10/17 vom 10. März 2017

rid