Internationales
Schweiz: Online-Magazin "Republik" bricht Crowdfunding-Rekord
Werbefreies Magazin wird aktuell von fast 11.000 Lesern finanziert
Zürich (epd). Die Macher des Schweizer Online-Magazins "Republik" haben nach eigenen Angaben den Crowdfunding-Weltrekord für Medien-Startups gebrochen. Wenige Tage nach dem Start des Finanzierungsaufrufs im Internet habe die Initiative für den Aufbau eines leserfinanzierten und werbefreien Magazins so viel Geld eingesammelt wie kein anderes journalistisches Crowdfunding zuvor, schrieb der Journalist Constantin Seibt am 28. April auf seiner Facebook-Seite. Seibt ist beim Aufbau des Magazins zuständig für Konzeption und Redaktion.

Nach nun einer Woche haben rund 10.700 Menschen insgesamt rund 2,7 Millionen Franken (knapp 2,5 Millionen Euro) gezahlt. Seibt zeigte sich schon kurz nach dem Start des Finanzierungsprojekts überrascht: "Am Morgen war die ,Republik' noch Plan, Hoffnung, Projekt. Wenige Stunden später, um 15 Uhr, ist sie bereits eine Tatsache geworden", schrieb der Journalist am 27. April. 240 Franken kostet ein Jahresabo des Magazins. Zusätzlich werden die Abonnenten Mitglied der "Project R"-Verlagsgenossenschaft. Weitere Investoren und Spender haben Zahlungen in Höhe von 3,5 Millionen Franken (3,2 Millionen Euro) zugesagt.

Anfang 2018 soll "Republik" an den Start gehen. Mit dem dahinterstehenden "Project R" wollen die Macher ein Statement für Qualität und gegen Kommerzialisierung im Journalismus setzen. "Denn die großen Verlage verlassen die Publizistik: Sie bauen sich in hohem Tempo in Internet-Handelshäuser um", heißt es auf der Website des Magazins. Für eine funktionierende Demokratie seien funktionierende Medien nötig. Dafür würden nicht nur Journalisten gebraucht, sondern auch Leser, die unabhängigen Journalismus finanzierten.

Der Wirtschaftsjournalist Seibt arbeitete lange für den Züricher "Tages-Anzeiger". Für seine Reportagenserie zum Swissair-Prozess erhielt er 2008 den Zürcher Journalistenpreis. Weiteres Redaktionsmitglied ist der Medien- und Politikjournalist Christof Moser, der für verschiedene Schweizer Zeitungen wie "Weltwoche" oder "Schweiz am Sonntag" arbeitete. Geschäftsführerin des Projekts ist Susanne Sugimoto. Sie war bereits Leiterin der Medienstelle bei Coop, Leiterin des Kommunikationsteams für Zentraleuropa bei der Zementfirma Holcim und führt heute eine eigene Beraterfirma.

Den Machern ist es nach eigenen Angaben wichtig, nicht "nur auf publizistischen Glanz zu vertrauen und das Geschäftliche außer Acht zu lassen". Eine wichtige Aufgabe sei es, ein Geschäftsmodell zu entwickeln, um ein Medium aufzubauen, "das schlagkräftig genug ist, um im öffentlichen Diskurs einen Unterschied zu machen. Und schlank genug, um zu überleben."

"Krautreporter" (epd 44/14, 7/15), ein ähnliches journalistisches Startup-Projekt in Deutschland, konnte nach dem Start im Jahr 2014 die Erwartungen der deutschen Medienöffentlichkeit nicht erfüllen. Seibt diagnostizierte den "Krautreportern" damals im Blog des "Tages-Anzeigers" einige "Anfängerfehler": "Nicht umwerfendes Layout, Startschwierigkeiten beim Bezahlen, etwas wenig Konzept. Und tatsächlich fragt es sich, ob ein Magazin ohne richtigen Chefredakteur und Sitzungen so etwas wie Schärfe, Profil, Identität entwickeln kann." Die "Republik" wolle aus solchen Erfahrungen lernen. Als Vorbild bezieht sich das Magazin auf das niederländische Digitalmagazin "De Correspondent". Mit rund 1,7 Millionen Dollar (rund 1,6 Millionen Euro) hielt das Projekt den bisherigen Rekord für ein journalistisches Crowdfunding-Projekt. Das Magazin hat aktuell 56.000 Abonnenten, die die Recherchen finanzieren.

Aus epd medien 18/17 vom 5. Mai 2017

nf