Inland
Privatradios fordern Unterstützung für Umstieg auf DABplus
VPRT spricht sich erneut gegen Abschaltdatum für UKW aus
Berlin (epd). Die Privatsender fordern für den Umstieg des Hörfunks auf den Digitalradio-Standard DABplus finanzielle Förderung. Für den Wechsel müsse es faire Bedingungen geben, forderte der Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) am 5. September in Berlin nach seiner Mitgliederversammlung. Der VPRT legte einen "Vier-Punkte-Plan zur Hörfunkmigration" vor, in dem er den Umstieg grundsätzlich unterstützt, sich aber weiterhin gegen ein festes Abschaltdatum für UKW ausspricht.

Der öffentlich-rechtliche Hörfunk benötige für den Umstieg von UKW auf DABplus bis 2025 schätzungsweise rund 600 Millionen Euro, die er aus dem Rundfunkbeitrag erhalte, sagte Klaus Schunk, Vorsitzender des Fachbereichs Radio und Audiodienste im VPRT und Geschäftsführer des baden-württembergischen Radios Regenbogen. Eine vergleichbare Summe von rund 500 Millionen Euro müsse der private Hörfunk aufbringen. "Dieser Zusatzaufwand ist über Werbung nicht zu finanzieren", so Schunk. Daher brauche auch der private Hörfunk eine Infrastrukturförderung.

Die Ausstrahlung von Radioprogrammen über UKW soll in Deutschland langfristig zugunsten des Digitalstandards DABplus eingestellt werden. DAB steht für Digital Audio Broadcasting. Die Radio-Verbreitung über DABplus gilt als deutlich kostengünstiger als die Ausstrahlung via UKW. DABplus-Befürworter argumentieren außerdem mit der im Vergleich zu UKW höheren Zahl an verfügbaren Frequenzen und verbesserter Tonqualität. Die Bundesregierung hatte Mitte Februar einen Aktionsplan zum Umstieg auf DABplus vorgestellt, der allerdings kein konkretes Abschaltdatum vorsieht. Der VPRT lehnte den Plan als "nicht markttauglich" ab (epd 8/17) und kündigte seinen Rückzug aus dem Digitalradioboard des Bundesministeriums für Verkehr und Infrastruktur an. Derzeit nutzen 15 Prozent der Haushalte das Digitalradio DABplus (vgl. weitere Meldung in dieser Ausgabe).

In dem von der Mitgliederversammlung beschlossenen "Vier-Punkte-Plan" bekennt sich der Verband nun "zu einer Unterstützung des Digitalumstiegs auf DABplus, wenn er fair und den wirtschaftlichen Notwendigkeiten des Privatradios entsprechend ausgestaltet wird". Die Bedenken der privaten Radiounternehmen gegen eine digitale Migration des terrestrischen Hörfunks seien "in der politischen Willensbildung" bislang nicht berücksichtigt worden. Viele Fragen seien noch unbeantwortet, so Schunk. Neben der Frage nach der Finanzierung des Umstiegs sei dies die Frage nach dem Erhalt der lokalen, regionalen und landesweiten Vielfalt. Das duale Radiosystem müsse erhalten bleiben, alle bestehenden privaten UKW-Programme müssten auch über DABplus verbreitet werden. Eine "Expansion öffentlich-rechtlicher Radioprogramme unter dem Mantel der Digitalisierung" dürfe es nicht geben.

Der Verband wendet sich in dem "Vier-Punkte-Plan" erneut gegen die Festsetzung eines Datums, wann das UKW-Radio abgeschaltet werden soll. Die Verbreitung von Geräten zur digitalen Nutzung allein könne nicht der Maßstab für den Einstieg in die Migration sein. "Erst wenn die tatsächliche analoge Restnutzung unter zehn Prozent der Gesamtnutzung fällt, beginnt die dreijährige Übergangsphase von UKW zu DABplus", fordert der VPRT. Erst dann dürfe die UKW-Verbreitung eingestellt werden.

Der Vorsitzende der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten, Siegfried Schneider, begrüßte die Neupositionierung der privaten Sender zum Digitalradio. Es sei "gut und wichtig, dass sich der VPRT wieder an der Diskussion über die Migration von DABplus beteiligt und sie unterstützen will", sagte er am 6. September.

Aus epd medien Nr. 36 vom 8. September 2017

lob/dir