Internationales
Nordeuropa: Sender vereinbaren Kooperation bei Drama-Produktion
Umfang und Qualität sollen steigen - "Starker öffentlich-rechtlicher Ehrgeiz"
Stockholm/Kopenhagen (epd). Die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender Nordeuropas haben eine neue gemeinsame Strategie für mehr dramatische Produktionen von hoher Qualität vereinbart. Wie im Oktober mitgeteilt wurde, sollen die fünf öffentlich-rechtlichen Rundfunksender DR (Dänemark), NRK (Norwegen), RUV (Island), SVT (Schweden) und YLE (Finnland) zur Heimat der besten nordeuropäischen Dramaproduktionen "mit einer klaren lokalen Verankerung und starkem öffentlich-rechtlichem Ehrgeiz" werden.

Die fünf Sender, die bisher schon im Kooperationsverbund Nordvision eng zusammenarbeiten, wollen ihre Wettbewerbsfähigkeit durch eine deutlich verstärkte Zusammenarbeit bei dramatischen Koproduktionen erhöhen. Sowohl Umfang als auch Qualität der nordeuropäischen Dramaproduktion sollen steigen.

"Ein klarer Schwerpunkt auf Drama, das die nordeuropäische Kultur, Realität und Identität widerspiegelt, passt natürlich zu unserer öffentlich-rechtlichen Mission" sagte Marit af Björkesten, Vorsitzende von Nordvision und Direktorin des schwedischsprachigen Dienstes des Finnischen Rundfunks YLE. "Und es liefert ein authentisches und erkennbares Versprechen an unsere Nutzer, das uns von anderen Inhalte-Anbietern unterscheidet." Die neuen dramatischen Fernsehprogramme sollen auch über die populären Streamingdienste der öffentlich-rechtlichen Sender abgespielt werden.

DR-Intendantin Maria Rörbye Rönn wertete die Vereinbarung als "Schritt zu einem noch stärkeren Drama-Portfolio des öffentlich-rechtlichen Fernsehens als heute. Dramaserien werden eines Tages Teil unseres gemeinsamen kulturellen Erbes sein werden."

Der Grund für die nordeuropäische Initiative liegt im Wachstum der internationalen Streamingdienste, durch die die Verfügbarkeit von starken US-amerikanischen fiktionalen Produktionen größer denn je ist. Dramaproduktionen hoher Qualität aus Nordeuropa haben sich in den letzten Jahren zu einem Markenzeichen unter der Bezeichnung "Nordic Noir" entwickelt. Dazu gehören unter anderem die Millennium-Trilogie (2009-2010) nach Stieg Larsson von SVT und die drei Wallander-Serien nach Henning Mankell (seit 1997) von SVT, TV 4 und BBC in Schweden und die dänischen DR-Serien "Kommissarin Lund" (2007-2012) und "Borgen" (2010-2013).

Rekordzahl von Koproduktionen

2016 wurde eine Rekordzahl von nordeuropäischen Koproduktionen mit 1.626 koproduzierten Episoden im Rahmen der Nordvision hergestellt. Darunter befanden sich 267 dramatische Programmepisoden. Dazu zählten die Produktionen "Brön" (SVT/DR), "Herrens veje" (DR) und "Monster" (NRK). Zur 1959 gegründeten Nordvision gehören heute neben den fünf Vollmitgliedern DR, SVT, NRK, YLE und RUV noch vier assoziierte Mitglieder: das Schwedische Bildungsradio UR und der Schwedische Hörfunk SR, der Färöische Rundfunk KVF und der Grönländische Rundfunk KNR.

Die öffentlich-rechtlichen Rundfunksender verfügen über relativ starke Positionen in Nordeuropa. So erreichte der öffentliche Rundfunk bei den Fernsehzuschauern 2016 einen Marktanteil von 75 Prozent in Dänemark, 53 Prozent in Island, 45 Prozent in Finnland, 39 Prozent in Norwegen und 36 Prozent in Schweden. Neben der einheimischen kommerziellen Konkurrenz wie MTG/Viasat in Schweden, Dänemark und Norwegen, TV4/Bonnier in Schweden und MTV Media/Bonnier in Finnland kommen auch immer mehr nicht-nordeuropäische Anbieter dazu.

Die stärkste Position beim linearen Fernsehen hält dabei das US-amerikanische Unternehmen Discovery nach der Übernahme von SBS (epd 51-52/12). Es erreichte 2016 Marktanteile von 17 Prozent in Norwegen, elf Prozent in Schweden, neun Prozent in Dänemark und sieben Prozent in Finnland.

Aus epd medien Nr. 44 vom 3. November 2017

ebe