Internationales
"New York Times" schafft Ombudsmann-Posten ab
Zeitung gibt auch Umstrukturierungen in der Redaktion bekannt
New York (epd). Die US-Tageszeitung "New York Times" (NYT) hat den Ombudsmann-Posten abgeschafft. Soziale Medien und die Leser im Internet seien "kollektiv unser moderner Aufpasser, wachsamer und wirkungsvoller, als eine einzelne Person sein könnte", erklärte Verleger Arthur Sulzberger. "Public Editor" Liz Spayd verabschiedete sich anschließend mit Bedauern. Der "Public Editor" sei ein "Zeichen institutioneller Integrität" gewesen, und der Verlust setze ein undeutliches Signal, schrieb sie in ihrer letzten Kolumne am 2. Juni.

Spayds Vorgängerin Margaret Sullivan betonte im Internetportal "buzzfeed.com", dass ein "Public Editor" mehr Einfluss genieße als leichter zu ignorierende Kritiker von außen. Nur in den seltensten Fällen hätten Redakteure und Verleger der NYT Anfragen des "Public Editor" nicht beantwortet. Die Zeitung hatte den Posten 2003 inmitten eines peinlichen Skandals eingeführt. Damals war die NYT auf Dutzende gefälschte Artikel ihres Reporters Jayson Blair aufmerksam geworden.

Fast keine US-Medienfirma leistet sich noch einen Ombudsmann. Die "Washington Post" hat den Posten 2013 mit der Erläuterung abgeschafft, die Welt habe sich verändert, und die "Post" müsse sich nun auch verändern. Die "New York Times" rief unmittelbar nach der Abschaffung ein "Leserzentrum" ins Leben. Leser könnten sich mit "Tipps, Feedback, Fragen, Sorgen, Beschwerden und anderen Anfragen" an dieses Zentrum wenden. Die Zeitung will das "Wissen und die Erfahrung" der Leser nutzen. Das "Reader Center" wird geleitet von der Redakteurin Hanna Ingber, laut NYT eine der "klügsten und digital gewandtesten Journalistinnen" der Zeitung.

Zusammen mit der Abschaffung des Ombudsmann-Postens machte die NYT redaktionelle Veränderungen bekannt. Sie wolle das Verhältnis "Redakteur zu Reporter" zahlenmäßig umgestalten, hieß es. Man wolle "mehr Journalisten als jemals zuvor". Einer Anzahl von Redakteuren und "Copy Editors" seien Buyouts angeboten worden. Die meisten verbleibenden Redakteure würden wegen der Umstrukturierung neue Aufgaben wahrnehmen müssen, hieß es in einem Memorandum an die Redaktion.

Nach Angaben des Forschungsinstituts "Pew Research Center" hat die "New York Times" im Jahr 2016 mehr als eine halbe Million digitale Abonnenten dazugewonnen (47 Prozent). Allerdings seien Einnahmen von Werbung um neun Prozent zurückgegangen, so dass die Zeitung einen Einnahmerückgang von zwei Prozent verbucht habe.

Aus epd medien Nr. 23 vom 09. Juni 2017

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