Internationales
Malta: Bestürzung über Tod von Journalistin Galizia
Bundesregierung und Organisationen fordern schnelle Aufklärung
Berlin, Valletta (epd). Deutsche Journalistenorganisationen verurteilen den Mord an der Investigativ-Journalistin Daphne Caruana Galizia auf Malta. "Es ist schockierend, dass in einem Land der Europäischen Union eine Journalistin ermordet wird, die politische Korruption aufgedeckt und sich als scharfe Kritikerin der Regierung profiliert hat", sagte der Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen, Christian Mihr, am 17. Oktober in Berlin. Er forderte die maltesischen Behörden auf, glaubwürdige und unabhängige Ermittlungen sowie eine lückenlose Aufklärung zu garantieren. "Die Verantwortlichen für dieses abscheuliche Verbrechen müssen schnell und ohne politische Rücksichten bestraft werden", fügte Mihr hinzu.

Galizia wurde am 16. Oktober durch eine Autobombe in dem Ort Bidnija im Norden Maltas getötet. Die Journalistin gehörte zu dem internationalen Recherchenetzwerk, das die Berichte über die "Panama Papers" veröffentlicht hatte (epd 15, 17, 42/16). Nach Angaben von Reporter ohne Grenzen hatte die 53-jährige Journalistin im vergangenen Jahr unter anderem enthüllt, dass zwei enge Mitarbeiter von Maltas Premierminister Joseph Muscat Offshore-Konten in Panama eröffnet hatten. Muscat hatte diese Darstellung als Lüge bezeichnet.

Auch die Bundesregierung reagierte mit Entsetzen auf den Mord an der Journalistin. Regierungssprecher Steffen Seibert sprach dem Ehemann Galizias und ihren drei Söhnen die Anteilnahme der deutschen Regierung aus. Es sei "eminent wichtig", dass dieses verabscheuungswürdige Verbrechen aufgeklärt werde, forderte Seibert. Die Arbeit der Medien sei eine Voraussetzung dafür, dass der Rechtsstaat und die Demokratie funktionierten. Journalisten, gerade auch investigative Journalisten, müssten frei und ohne Bedrohung für Leib und Leben ihrer Arbeit nachgehen können, sagte Seibert.

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) zeigte sich ebenfalls bestürzt. Der Bundesvorsitzender Frank Überall fordert von den Ermittlungsbehörden eine schnelle und umfassende Aufklärung: "Dazu gehört neben der Suche nach den Tätern auch die Antwort auf die Frage, warum unsere Kollegin nicht hinreichend geschützt wurde, obwohl sie der Polizei von Morddrohungen berichtet hatte."

Medienberichten zufolge hatte sich die Journalistin vor zwei Wochen wegen Todesdrohungen an die Polizei gewandt und Anzeige erstattet. Nach Angaben der Online-Ausgabe der "Times of Malta" vom 16. Oktober wies die Polizei die Vorwürfe zurück. Es seien keine Berichte über Drohungen hinterlegt, zitierte die Zeitung die Polizei. Der Sohn der Journalistin, Matthew Caruana Galizia, erhob jedoch schwere Vorwürfe gegen die maltesischen Behörden: "Wenn die Institutionen ihre Arbeit getan hätten, hätte man jetzt keinen Anschlag aufzuklären - und meine Brüder und ich hätten noch eine Mutter", schrieb Matthew Caruana Galizia am 17. Oktober auf Facebook.

Auch der römisch-katholische Erzbischof von Malta, Charles Scicluna, reagierte mit Bestürzung auf den Anschlag. "Ich verurteile entschlossen den grausamen Mord an Daphne Caruana Galizia", teilte der Bischof auf der Internetseite "Church of Malta" mit. Er bekräftigte zudem seine Solidarität mit allen Journalisten: "Ich ermutige sie, die Wahrheit zu verteidigen, sich vor niemandem zu fürchten und Diener des Volkes und der Demokratie zu sein."

Aus epd medien Nr. 42 vom 20. Oktober 2017

ema/bm