Inland
Kinderkanal weist Kritik an Online-Clip "BH öffnen" zurück
Diakonie: "Kummerkasten" des Kika thematisiert übliche Pubertätsprobleme
Erfurt/Berlin (epd). Der Kinderkanal von ARD und ZDF (Kika) weist die Kritik an einem Online-Clip zurück, in dem drei männliche Teenager den BH einer Schaufensterpuppe öffnen.

Das Thema "sexuelle Belästigung" sei nicht Gegenstand der Sendung, sagte eine Sprecherin des Senders in Erfurt am 26. Januar dem epd. Durch die drei Protagonisten werde auch nicht das Thema "Migration" gesetzt. Allein zum Schutz der minderjährigen Protagonisten habe man den Clip inzwischen aus dem Netz genommen.

Das Kika-Format "Kummerkasten" hatte im Dezember das Thema "Alles klar im BH?" behandelt. Dazu wurde auch der begleitende Clip "BH öffnen" ins Internet gestellt. Die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes hatte diesen als "völlig falsches Signal" für die Kika-Zielgruppe bezeichnet, weil dadurch Jungen schon im Kindesalter ermutigt würden, Mädchen "buchstäblich an die Wäsche zu gehen". Zudem sei die Wahl von Protagonisten mit offensichtlichem Migrationshintergrund problematisch (vgl. Tagebuch in dieser Ausgabe).

Die Kika-Sprecherin erklärte, die Sendung "Alles klar im BH?" basiere auf einer Vielzahl an Fragen von Mädchen im Alter von 10 bis 13 Jahren. Der Tenor dieser Fragen spiegele die Verunsicherung junger Mädchen zu Beginn ihrer Pubertät. "Diesen Mädchen liefern Sendung und das Onlineangebot Hilfestellung." Unter Einbeziehung der Perspektive von Jungen und spielerischen Ansätzen gehe es um die Botschaft, wie unterschiedlich Brüste sein könnten und dass das normal sei. Der "Kummerkasten" entstehe in Kooperation mit dem Diakonischen Werk Berlin-Brandenburg/Schlesische Oberlausitz. Die Diakonie biete individuelle und vertrauliche Beratung an und gebe auch Themenvorschläge an die Kika-Redaktion weiter, sagte die Sendersprecherin.

Diakonievorstand Martin Matz sagte dem epd am 26. Januar, in der Beratungsarbeit für den "Kummerkasten" werde erkennbar, mit welchen Fragen und Problemen sich Kinder und Jugendliche befassten. Wenig überraschend beschäftige die Frage der körperlichen Veränderungen in der Pubertät Mädchen im Alter zwischen 11 und 13 Jahren sehr. Dabei werde viel Unsicherheit spürbar. "Insoweit bestärken wir als Diakonie unseren Kooperationspartner Kika darin, dies in den ,Kummerkasten'-Sendungen zu thematisieren", sagte Matz.

Die Fraktionsvorsitzende der AfD im Bundestag, Alice Weidel, schrieb am 25. Januar auf ihrer Facebook-Seite zu dem Kika-Videoclip: "Begrapschen als Bildungsauftrag: Kika sofort vom Netz nehmen!" Der Kinderkanal vermittele "die Erkenntnis, dass es völlig in Ordnung ist, sich von denen an den Brüsten herumfummeln zu lassen, die noch nicht so lange hier leben", so Weidel. Die AfD hatte zuletzt auch massive Kritik an der im Kika gezeigten Dokumentation "Malvina, Diaa und die Liebe" geübt. Der AfD-Abgeordnete Dirk Spaniel hatte den Film als "Kika-Propaganda für Beziehungen mit moslemischen Flüchtlingen" bezeichnet (epd 2, 3, 4/18).

Aus epd medien Nr. 5 vom 5. Februar 2018

rid/tz