Internationales
Kaum Reichweitenverluste nach Umstieg auf DABplus in Norwegen
Höhere Radio-Werbeeinnahmen - Steul appelliert an deutsche Privatsender
Berlin/Oslo (epd). In Norwegen sind die Tagesreichweiten der Radiosender nach Abschaltung des analogen UKW-Hörfunks nur leicht zurückgegangen. Aktuell hörten über 64 Prozent der Norweger täglich Radio, teilte das Digitalradio Büro Deutschland am 19. September mit. Vor einem Jahr seien es 67,1 Prozent gewesen. Norwegen hatte zu Beginn des Jahres als erstes Land weltweit mit dem Komplettumstieg auf den Digitalradiostandard DABplus begonnen (epd 2/17).

Inzwischen besitzen den Angaben zufolge 84 Prozent der norwegischen Bevölkerung mindestens ein DABplus-Radio. Insgesamt stehen 4,75 Millionen DABplus-Empfänger in den Haushalten, 1,25 Millionen Autoradios können den neuen Standard empfangen.

1,9 Millionen Norweger hören Radio über DABplus, damit entfallen 72 Prozent der Hörfunknutzung auf diesen Verbreitungsweg, wie das Digitalradio Büro Deutschland mitteilte. UKW wird nur noch von 37 Prozent der Bevölkerung genutzt. Die Analog-Abschaltung ist noch nicht in allen Regionen vollzogen. Als letzte Provinzen werden Troms und Finnmark im Dezember auf DABplus umgestellt. Nur 24 Prozent der Norweger hören Radio über das Internet.

Trotz einiger Bedenken hätten vor allem die privaten Radiostationen vom Umstieg auf DABplus profitieren können, hieß es. Mit einem Umsatz von umgerechnet 40 Millionen Euro sei der Radio-Werbemarkt im zweiten Quartal 2017 um 1,4 Prozent gewachsen, während die Werbeeinnahmen bei Tageszeitungen (minus 16,2 Prozent) und Fernsehen (minus 3,3 Prozent) zurückgingen.

"Der Übergang vom analogen zum digital-terrestrischen Rundfunk in Norwegen verläuft vorbildlich", erklärte Willi Steul, Vorsitzender des Vereins Digitalradio Deutschland und ehemaliger Intendant des Deutschlandradios. Er appellierte an die Privatsender in Deutschland, sich am Beispiel Norwegen zu orientieren und in DABplus zu investieren. Das Digitalradio Büro Deutschland mit Sitz in Berlin ist eine Gemeinschaftsinitiative des Vereins Digitalradio Deutschland, in dem sich ARD, Deutschlandradio, private Radioveranstalter, Gerätehersteller und Netzbetreiber zusammengeschlossen haben.

Der Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) hatte kürzlich einen "Vier-Punkte-Plan zur Hörfunkmigration" vorgelegt, in dem er den Umstieg auf DABplus grundsätzlich unterstützt, sich aber weiterhin gegen ein festes Abschaltdatum für UKW ausspricht. Außerdem fordern die Privatsender für den Umstieg des Hörfunks auf den Digitalradio-Standard eine finanzielle Förderung (epd 36/17).

Aus epd medien Nr. 39 vom 29. September 2017

rid