Inland
HR-Intendant Krupp: ARD kann nicht auf Sport verzichten
"Eventcharakter" bei Sportarten wie Schwimmen oder Leichtathletik verstärken
Frankfurt a.M. (epd). Nach Ansicht von HR-Intendant Manfred Krupp sollte sich die ARD weiterhin um TV-Rechte an großen Sportereignissen bemühen. "Mit Sicherheit werden wir manche Sportarten anders aufbereiten müssen, aber wir werden auf das Thema Sport nicht verzichten können und wollen", sagte Krupp in einem epd-Interview (in dieser Ausgabe). "Solange es die Chance gibt, eine Bindewirkung zu erzeugen zu einem Preis, der für die Beitragszahler akzeptabel ist, so lange sollten wir versuchen, diese Farbe bei uns im Programm zu halten." Im Feld der Sportrechte werde es allerdings dramatische Veränderungen geben, weil neue Wettbewerber wie etwa Streamingdienste am Markt seien.

Krupp verwies darauf, dass ARD und ZDF "gegen alle Erwartungen" eine Sublizenz für die Olympischen Spiele 2018 bis 2024 erworben hätten (epd 33/17). Auch bei der Nations League, dem neuen Nationalmannschafts-Wettbewerb des europäischen Fußballverbands UEFA, sei es richtig, dass sich die ARD um Rechte bemühe. "Der rein sportliche Wert der Nations League ist begrenzt, der symbolische und emotionale Wert ist immer noch hoch", sagte der 61-Jährige, der seit Frühjahr 2016 an der Spitze des HR steht (epd 7/16). Mit großen Fußball-Turnieren bekomme die ARD auch Zugang zu Publikumsschichten, "die wir mit unserem sonstigen Angebot nur noch partiell erreichen".

Es gebe allerdings Sportarten, bei denen er nicht mitbieten würde, sagte Krupp. So sei es bei der Formel 1 fraglich, ob dieses Produkt wirklich zur ARD passe. Die Entscheidung sei aber schwierig. Einige Funktionäre von Sommersportverbänden wünschten sich, dass die Formel 1 im öffentlich-rechtlichen Fernsehen laufe. "Denn dann könnte man Sommersportarten dazu platzieren und quasi im Huckepackverfahren Zuschauer dafür gewinnen."

Die Stärke der ARD sei es, auch die Schattenseiten des Sports zu beleuchten. "Wir zeigen nicht nur die Sieger, sondern auch das, was es an Fehlentwicklungen gibt", sagte der HR-Intendant. "Unsere große Chance ist, dass wir in der Berichterstattung eine Glaubwürdigkeit gewinnen können, die unsere kommerziellen Konkurrenten nicht haben."

Grundsätzlich regte Krupp an, neue Dimensionen der Sportberichterstattung zu erschließen: "Wir müssen versuchen, sportliche Ereignisse, die nicht den emotionalen Wert haben wie Fußball, durch andere Elemente emotional aufzuladen. Etwa indem wir den Eventcharakter verstärken." So werde gerade diskutiert, ob die Deutschen Meisterschaften im Schwimmen und in der Leichtathletik an einem Tag übertragen werden könnten. Lohnend sei auch, nach Sportarten zu suchen, die an die Erfolgsgeschichte des Biathlons anknüpfen könnten. "Biathlon ist die populärste Wintersportart, weil die Biathleten sehr früh bereit waren, darüber nachzudenken, wie man die Sportart so aufbereiten kann, dass sie medial interessanter wird", sagte Krupp.

Aus epd medien Nr. 34 vom 25. August 2017

rid