Internationales
Frankreich: Medienrat entlässt Chef von Radio France
Mathieu Gallet war wegen Begünstigung zu Bewährungsstrafe verurteilt worden
Paris (epd). Der französische Medienrat CSA hat den von ihm ernannten Präsidenten von Radio France, Mathieu Gallet, mit Wirkung zum 1. März von seiner Funktion entbunden. Gallet war zuvor wegen Begünstigung zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr auf Bewährung und einer Geldstrafe verurteilt worden. Seine Berufung gegen die Gerichtsentscheidung ist noch anhängig.

Gallet hatte sein Amt im Mai 2014 angetreten, sein Vertrag lief bis Mai 2019 (epd 13/14). Die Verurteilung wirkte in der Pariser Medienwelt wie ein Schock. Eine Journalistin von France Inter, eines der sieben Programme von Radio France, sagte der Zeitung "Le Monde", die Nachricht habe in den Gängen der Pariser Zentrale wie eine "Schlagwetterexplosion" eingeschlagen. Gewerkschaftsvertreter beklagten, die Entlassung komme zu einem ungeeigneten Zeitpunkt. Das Haus stehe ohne Leitung da, während die Regierung eine tiefgreifende Reform des öffentlichen Rundfunks plane.

Die Verurteilung hat mit der früheren Tätigkeit Gallets beim Nationalen Institut für Audiovisuelle Medien (INA) zu tun. Dort war Gallet 2010 im Alter von 33 Jahren Vorstandsvorsitzender geworden. Das INA ist eine öffentliche Einrichtung mit der Aufgabe, die französischen audiovisuellen Produktionen zu archivieren, sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, medienwissenschaftlich und medienpädagogisch tätig zu sein und Sendungen über die künstlerischen und personellen Höhepunkte der französischen Medienkultur zu produzieren.

Im April 2015 warf das Investigativmagazin "Le Canard Enchaîné" Gallet vor, unter dubiosen Umständen für 800.000 Euro sechs Berater für das INA eingestellt zu haben. Der Verein Anticor zur Bekämpfung der Korruption stellte daraufhin Strafantrag wegen Begünstigung im Amt. Dies führte zur Eröffnung eines staatsanwaltlichen Ermittlungsverfahrens, in dessen Verlauf das Kultusministerium das Material herausgab, auf dem die Veröffentlichung des "Canard" beruhte.

Unter den von der Staatsanwaltschaft angeklagten Vorgängen befand sich einer, in den Roland Berger Strategy verwickelt war. Für 290.000 Euro heuerte Gallet dieses Beratungsunternehmen nach einer nur fünftägigen Ausschreibungsfrist an, die das Gericht nicht akzeptierte. Andere Verträge und Anstellungen schloss Gallet ohne jede Ausschreibung ab. Er verteidigte sich mit dem Argument, sich im öffentlichen Vertragswesen nicht so genau auszukennen. Das Gericht ließ sich darauf nicht ein und verurteilte ihn neben der Gefängnisstrafe von einem Jahr zusätzlich zu einer Geldstrafe von 20.000 Euro.

Aus epd medien Nr. 6 vom 9. Februar 2018

vhe