Internationales
Finanzkrise im "Newseum" in Washington
Medienmuseum nimmt "strategische Prüfung" vor - Zu wenig Besucher
Washington (epd). Das prunkvolle Medienmuseum "Newseum" in der US-Hauptstadt Washington unweit des Kapitols kämpft um Relevanz und möglicherweise sogar ums Überleben. Die Einrichtung teilte mit, das Newseum unterziehe sich einer "strategischen Prüfung seiner Prioritäten". In Erwägung gezogen werde auch der Verkauf des siebenstöckigen Gebäudes.

Während der Überlegungen bleibe das Newseum geöffnet, hieß es in der Presseerklärung. Denn das "First Amendment", der erste US-Verfassungszusatz zur Gewährleistung der Rede- und Pressefreiheit, werde derzeit so stark "angegriffen wie nie zuvor". Der Einsatz für das First Amendment sei das Hauptanliegen des Newseums.

Finanziell ist die Rechnung für die 2008 eröffnete Einrichtung (epd 36/08) trotz der 800.000 Besucher im Jahr nicht aufgegangen. Laut Newseum übertreffen laufende Kosten die Einnahmen. Das Projekt wird durch Eintrittsgelder und Spenden mehrerer großer Medienfirmen finanziert. Hauptgeldgeber ist die Stiftung Freedom Forum (früher Gannett Stiftung), gegründet 1991 mit Geld vom Verkauf des Gannett-Zeitungskonzerns. Das Freedom Forum hat nach eigenen Angaben mehr als 500 Millionen Dollar in das Newseum gesteckt. Es sei klar ersichtlich, dass das nicht tragfähig sei, erklärte die Geschäftsführerin des Forums, Jan Neuharth.

Bei interaktiven Displays, Ausstellungen und Filmen begegnen Newseum-Besucher vermeintlichen Glanzstunden der Medien, unter anderem der Aufdeckung des Watergate-Skandals. Sie sehen mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnete Fotos, hören Rundfunkaufnahmen des legendären Reporters Edward Murrow aus dem Zweiten Weltkrieg und dürfen noch einmal erleben, wie unmittelbar nach den Anschlägen von 9/11 über die Katastrophe berichtet wurde. Ein Originalwachtum von der innerdeutschen Grenze soll anscheinend symbolisieren, dass die Pressefreiheit gewonnen habe.

Seit der Eröffnung steht das Newseum wegen seines angeblich zu dick aufgetragenen Eigenlobes in der Kritik. Die Medienkolumnistin der "Washington Post", Margaret Sullivan, verwies kritisch auf den 2013 verstorbenen Gannett-Chef und Newseum-Initiator Al Neuharth, der mit Entlassungen in der Redaktion und einer Steigerung der Werbeeinnahmen viel Geld für Gannett verdient habe.

Spott gab es auf der konservativen Webseite "newsmax.com": Das Newseum habe Probleme, "Touristen zum Besuch zu überreden", genauso wie "Journalisten Schwierigkeiten hatten, eben diese Amerikaner aus der Landesmitte zur Wahl von Hillary zu überzeugen". Bei Donald Trumps Amtseinführung hängte das Newseum ein riesiges Banner an die Außenwand: Man heiße Präsident Trump willkommen. Das Newseum suche den "offenen und ehrlichen Dialog" mit der politischen Führung.

Das Newseum steht in Konkurrenz zu bekannten und für Besucher kostenlosen Einrichtungen in Washington, darunter das Luft- und Raumfahrtmuseum und die Nationale Galerie der Kunst. Im Newseum kostet das Ticket 24,95 Dollar. Vom Newseum gelernt hat offenbar das "Museum der Bibel", das im November in Washington aufmacht: Das von der konservativen Unternehmerfamilie Green aus Oklahoma gesponserte Projekt werde keinen Eintritt verlangen, machte das Museum jüngst bekannt. Man hoffe auf Spenden.

Aus epd medien Nr. 38 vom 22. September 2017

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