Debatte
Der subjektive Faktor
Was Moderatoren nonverbal mitteilen
Frankfurt a.M. (epd). Der Bildungs- und Informationsauftrag, den hierzulande vor allem die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten erfüllen sollen und - wie die Kritik immer wieder anmerkt - häufig verfehlen, ist in seiner besonderen Variante "Nachrichten" oder "News" bei allen Fernsehmachern, auch bei den kommerziellen, wirksam. Fernseh- und Hörfunksender, die von Werbeeinnahmen leben und deshalb vorwiegend Unterhaltung senden, möchten nicht, dass ihr Publikum zur vollen Stunde umschaltet, um woanders zu erfahren, was es Neues gibt. Also kümmern sie sich selbst um seriöse Nachrichtenredaktionen und übernehmen als Vollprogramme auch ein Stück vom Informationsauftrag. So hat sich der ernste, informierende, neutrale Ton, in dem Neuigkeiten über die Weltlage gewöhnlich vorgetragen werden, im Fernsehprogramm verallgemeinert.

Was hat es auf sich mit diesem "ernsten Ton"? Ist er wirklich immer ernst? Wenn ja: Wie viele Variationen von Ernsthaftigkeit gibt es? Kommentieren nicht der Sprecher oder die Sprecherin durch ihre Tonlage, ihren Gestus, ihren Blick und die Anmutung des Textes immer und manchmal auch ungewollt die Neuigkeiten zur Weltlage, die sie eigentlich als solche nur in die Räume der Studios und der republikweiten Wohnzimmer sowie Smartphone-Umgebungen stellen wollen? Wie geht (die angestrebte) Neutralität oder gar Objektivität? Gibt es sie überhaupt?

Gesicht und Unterton

Daran, dass sie nicht immer angestrebt wird, ja dass die Anchormen und -women größerer, meist spät gesendeter Nachrichtenformate durchaus als Persönlichkeiten auftreten sollen und wollen, sieht man schon, dass es sich in der Welt des journalistischen Fernsehens herumgesprochen hat: Objektivität im Sinne eines Selbstredens der Botschaften, ohne dass der Bote eine Rolle spielte, ist eine Illusion. Man möchte eigentlich die Nachricht gerne von ihrer Quelle, ihrem Transport und ihrem Übermittler völlig losgelöst wahrnehmen und vortragen können, aber man weiß: Das geht nicht. Wenn es anders wäre, würde der Überbringer einer schlechten Nachricht nicht geschmäht und der Überbringer einer guten Nachricht nicht gepriesen.

Selbst bei Nachrichten, die weder gut noch schlecht, sondern nur irgendwie "wichtig" sind, spielt es eine Rolle, mit was für einem Gesicht und mit was für einem Unterton der Moderator oder die Sprecherin sie präsentieren. Wenn man sich erst mal damit abgefunden hat, dass der subjektive Faktor immer dabei ist, kann man sich diesen Faktor näher anschauen und die kleinen, feinen, manchmal nur beim zweiten, dritten Hinsehen merkbaren Nuancen in den Darstellungsweisen herauspräparieren und interpretieren.

Man kann vorab sagen, dass alle Sprecherinnen und Sprecher darum bemüht sind, hinter dem, was sie vortragen, zurückzutreten; dass sie davon ausgehen: Hier will das Publikum wissen, was in der Welt los ist, und nicht, wie es mir geht. Entsprechend cool, ruhig, ernst und um die unerreichbare Neutralität dann doch bemüht gerieren sich unsere Nachrichtenmoderatoren und -moderatorinnen. Wobei sie aber auch wissen, dass sie als Menschen, die sie bleiben, wenn sie vom Teleprompter oder von Karten etwas ablesen, was gar nichts mit ihnen zu tun hat, überzeugen müssen. Ihre Kompetenz, Mitteilungen über Neues und oft Beunruhigendes in der Welt nicht nur zu machen, sondern sie auch zu verstehen, bedarf des Beweises und der Bestätigung.

Eigenwillige Person

Wie kriegen diese TV-Stars der besonderen Art das hin - oder auch nicht? Erste Moderatorin der "Tagesthemen" im Ersten ist seit 2007 Caren Miosga. Sie ist keine Dutzendschönheit und keine Verkörperung von Souveränität und Gelassenheit, sie ist eher die ganz eigenwillige Person, der man zuhört, weil man nicht gleich weiß, was sie meint. Ihre leicht gebrochene Stimme lässt aufhorchen. Ihr Gesichtsausdruck mit der gern vorgeschobenen Unterlippe hat etwas Mokantes, so dass man weiterliest in diesem Gesicht und sich fragt: Was kommt als Nächstes? Und: Warum guckt sie so?

Die Gefahr, die in dem Bemühen der Sprecher und Sprecherinnen liegt, bloßes Sprachrohr zu sein, die Gefahr, dass sie alle gleich klingen und dass statt der interessanten Nachricht eine glattgehobelte Langeweile herauskommt, ist bei Caren Miosga von vornherein weitgehend gebannt: weil ihr Anblick und ihre Ansage eine Spur von Rätselhaftigkeit haben, weil sie eine Aparte ist. Das ist der Punkt, an dem der subjektive Faktor den objektiven berührt: weil die Dame, die da spricht, ein bisschen seltsam ist und es irgendwie so scheint, als ob sie nicht gleich sagt, was sie meint, obwohl sie ja nur Dinge von sich gibt, die ihr die Nachrichtenagenturen auf den Tisch gelegt haben und für die sie selbst nichts kann.

Es ist eine Frage der Aufmerksamkeit. Die gilt eben nicht nur der Botschaft, sondern auch dem Boten, insofern der Bote - in diesem Falle, die Botin - sie nicht nur wecken, sondern halten muss. Alle Nachrichtenmoderatoren gewöhnen sich irgendeine Stimmführung an, die den Punkt oder das Ende oder die Summe vermeidet, weil sie die Spannung halten müssen. Denn es soll ja weitergehen, bis zum Wetter und darüber hinaus.

Caren Miosga scheint dieses Spannung-halten-Können durch ihr Auftreten, ihre Unterlippe, ihre Augenbrauen und den Bruch in ihrer Stimme in die Wiege gelegt. Man möchte als Zuschauer unbedingt wissen, wie sie das alles meint, und noch bevor man realisiert, dass man das nie erfährt, sagt sie auch schon das Wetter an. Das ist meist der einzige Moment, an dem sie mal lächelt. Sonst ist sie stets auf ihre sehr persönliche Weise sehr ernst. Aber dieses kleine Lächeln vorm Wetter schenkt sie dem Publikum dann doch. Vielleicht hat der Zuschauer auch nur darauf gewartet. Egal, er ist drangeblieben. Die Gründe, aus denen heraus er das tat, sind natürlich unbewusst. Aber sie wirken. Wenn auch nicht auf jeden. Sicher gibt es auch Miosga-resistente Zuschauer, die umschalten. Aber ein Großteil wird ihr treu bleiben.

Die sportlich Direkte

Bei RTL im "Nachtjournal" verkörpert Ilka Eßmüller sozusagen den Gegenentwurf. Sie ist eine freundlich zugewandte sehr hübsche Blondine, die gerne mal lächelt, wobei die Weltlage ihr nicht viele Gelegenheiten dazu gibt. Wo Miosga auf Distanz besteht, ist Eßmüller kontaktheischend, wo die ARD-Frau Zurückhaltung zelebriert, schaut die RTL-Dame uns entspannt ins Wohnzimmer. Ihre Direktheit hat etwas Sportliches, man traut ihr zu, dass sie immer fair und immer gut aufgelegt ist.

Ihre Stimme klingt in einer schönen klaren Mittellage, ihre Betonungen zeigen, dass sie das Publikum für aufklärungsbedürftig oder die Nachrichten für interpretationsbedürftig hält. Immer wieder mal setzt sie kräftige Akzente, damit auch jeder versteht, was gemeint ist. Das geht aber nicht direkt in eine besserwisserische, sondern eher in eine fröhliche Richtung, sie ist eine, die sich gerne mit ihren Zuschauern freuen möchte - wenn es dafür einen Grund gibt.

Da ist zum Beispiel ein Tieftaucher, dessen Leistung sie bewundernd so kommentiert: "... erstaunlich, der Mann". Wie wirkt so was? Erzeugt es einfach nur - wie es vermutlich gemeint ist - gute Stimmung? Oder ist das nicht doch eher die aus der Mode gekommene Heiterkeit professioneller Animateure in preiswerten Ferienhotels? Eßmüller arbeitet für einen Sender, dessen Grundgestimmtheit immer noch viel von dieser Art Anregung und Aufheiterung des Publikums beibehalten hat, daher ist ihre den News geschuldete Ernsthaftigkeit sozusagen notwendig optimistisch gefärbt. Auch die Nachrichten müssen irgendwie gut rüberkommen, selbst wenn sie schlecht sind. Also verabschiedet sich die Moderatorin denn auch launig mit: "Tschüss - bis dahin."

Schalk in den Augenwinkeln

Mit Peter Kloeppel hat bei "RTL aktuell" 1992 eine Stärke im menschlichen Umgang Einzug in die News-Präsentation gehalten, die es dort aus strukturellen Gründen schwer hat: der Humor. Das Gesicht dieses Moderators ist auch dann noch von den Spuren seines letzten Grinsens, Schmunzelns oder Lachens gezeichnet, wenn sein Vortrag ganz dem Ernst der Lage verpflichtet ist. Aber: Ein Schelm, wer Schlechtes dabei denkt. Lachfalten liefern ihren eigenen Kommentar zu jeder Art von Schreckensnachricht.

Kloeppel ist auch deshalb ein so erfolgreicher Nachrichtenmann, weil aus seinem Gesicht bei aller Herzlichkeit die Klugheit spricht, die das Publikum erwartet, wenn jemand ihm die Welt erklärt - oder doch die Nachrichten für eine solche Erklärung aufbereitet und rüberreicht. Dass Ernsthaftigkeit im Sinne von Relevanz-Zuweisung mit angeborenem Schalk in den Augenwinkeln vereinbar ist, das beweist dieser väterliche Freund aus der Riege der Nachrichtenleute.

Marietta Slomka vom "Heute-Journal" des ZDF ist ebenfalls schon lange dabei, seit 2001. Man kennt sie und begegnet ihr entsprechend wie einer Altvertrauten. Was an ihr auffällt, ist eine leicht provokante Art, ihre Fragen und Aussagen zu platzieren, so als müsse sie im Vorhinein eine Widerrede beiseitewischen. Ihre dunkle Stimme ist eine Spur nasal, und im Verein mit dem Schnütchen, zu dem sie ihren Mund gerne spitzt, kommt ein zweiflerischer Gesamteindruck zustande, der sich auch in dem kühlen Blick ihrer sehr hellen Augen spiegelt.

Zweifel in der Stimme oder im Tonfall machen sich gut bei Nachrichten, die ja oft nicht dazu angetan sind, den Zuschauer zu erfreuen. Zweifel gelten bei ihr über die Nachricht hinaus der Welt, von der die Nachricht spricht, die Moderatorin gibt sozusagen den Geschehnissen ringsum eine verdiente mangelhafte Note. Slomka ist, wie Miosga, eine Nachrichtenfrau, die auf Distanz hält und sich der schwierigen Objektivität mit einer Prise abwehrender Skepsis nähert.

Der zur Seite geneigte Kopf

Ihr ZDF-Kollege Claus Kleber lässt mehr Emotionen zu. Sein Unterton beim Überbringen der Nachrichten ist allfällige Besorgtheit - die natürlich nur zu berechtigt ist. Aber will man die Sorgen nicht selber herausbilden, anstatt sie serviert zu bekommen? Das ist die Frage. Schon die Art, wie Claus Kleber den Kopf leicht zur Seite neigt, spricht von den Befürchtungen, die diesen Anchorman heimsuchen, wenn er uns anvertraut, was jetzt wieder alles schiefgelaufen ist.

Doch damit nichts falsch verstanden wird: Claus Kleber ist unbedingt ein sorgfältig arbeitender, die Dinge klar beim Namen nennender, zuverlässiger Nachrichtenmann. Was im Kontext dieses Artikels über ihn zu sagen ist, läuft - wie auch bei den Kollegen, die hier erwähnt werden - auf eine Überinterpretation hinaus. Und die sagt uns: Kleber ist einer, der gerne verurteilt, was verurteilt werden muss. Der manchmal pikiert ist. Der sich Ironie gestattet. Dessen Ernsthaftigkeit darin liegt, dass er uns sagt, was wichtig ist. Der da steht und guckt und spricht als einer, der für die richtige Seite eintritt. Kann man so machen. Parteinahme ist menschlich.

Nachrichtenleute sind Menschen. Sie sollen sich für einen inhaftierten Kollegen (hier: Denis Yücel) einsetzen dürfen und dabei die wahren Worte sagen: "Unrecht wird durch lange Dauer nicht besser, sondern schlimmer." Aber sie geben uns, dem Publikum, wenn sie so agieren, auch ein wenig moralische Nachhilfe - und wollen wir die? Sie entwickeln eine Distanz zur Nachricht beziehungsweise zu der Sache, von der die Nachricht handelt, um die Distanz zum Publikum zu verringern. Sie entfernen sich von der Illusion der Objektivität. Was man nicht bedauern muss, weil man Illusionen nicht nachzujagen braucht.

Und dennoch. Vielleicht haben wir es hier ja mit einem Paradox zu tun, das folgendermaßen funktioniert: Die Objektivität des Nachrichtensprechers - oder der Sprecherin - gibt es eben nur in der Gestalt der Illusion. Wenn das richtig ist, muss man sie, die Objektivität, dann nicht auch als Ziel, dem man sich nur annähern kann, zu erreichen versuchen? Das ist die Frage.

Unbeeindruckte Persona

Gundula Gause vom "Heute-Journal" im ZDF ist eine sehr neutrale Sprecherin, sie vermeidet alle Wertungen, die sich durch Betonungen einschleichen könnten, sie ist wie ihr Kollege Jan Hofer im Ersten der Inbegriff der unbeeindruckten Persona, die Gefahr läuft, zum puren Sprachrohr zu werden, die aber auch für die TV-Wohltat steht, die Nachricht als solche vor das Publikum hinzustellen.

Hier muss man natürlich unterscheiden zwischen dem vorzutragenden Nachrichtenblock, mit dem Gause und Hofer es meist zu tun haben, und der Moderation einer ganzen Sendung, in der Interviews vorkommen und Einschätzungen geliefert werden und Gewichtungen der Neuigkeiten seitens der Moderation, also ein wenig Subjektivität, durchaus erwünscht sind. Diese Subjektivität kann nun wieder sehr verschieden aussehen. Darum geht es uns hier.

In der ARD tritt bei der "Tagesschau" mit Jens Riewa ein Nachrichtenmann auf, der sich selbst sehr weitgehend zurücknimmt, zugleich aber mit seiner jovialen Ausstrahlung eine, wenn man so sagen darf, angenehme Raumtemperatur vermittelt. Hin und wieder schleicht sich bei seinem Vortrag eine Spur Besorgtheit in Stimme und Phrasierung, aber die steigert sich kaum je zum warnenden Unterton. Sein rechter Mundwinkel weist gerne nach unten, der Mann wirkt dann ein wenig säuerlich. Aber sein (seltenes) Lächeln macht alles wieder gut, es öffnet sich in einen eindrucksvollen Widerstreit von Distanz und Entgegenkommen.

Er gehört zu denen, die neutral rüberkommen und dabei doch menschlich im Sinne von eigensinnig wirken. Seine Ernsthaftigkeit ist persönlich, ohne seine Kompetenz zu beeinträchtigen. Was man über ihn sagen kann, ist alles in allem so positiv, dass es schon wieder in Richtung Langeweile geht. Aber auch das gehört zu den Nachrichten. Sie kommen immer wieder, und sie sind selten sensationell. Und wenn sie es sind, darf der Nachrichtensprecher sich von ihnen nicht umhauen lassen, er kann also gar nicht angemessen auf sie reagieren. Wie man sieht, steckt die Aufgabe der Nachrichtenpräsentation voller Widersprüche.

Lässig und souverän

Ingo Zamperoni, der neue Erste Moderator der "Tagesthemen" im Ersten, ist womöglich die beste Besetzung für den Posten des Nachrichtenmoderators unserer Jahre, weil er das mitbringt, was die Macht des Internet und der sozialen Medien mit ihrer steten Aufforderung, Subjektivität zuzulassen und die Dinge auch mal leicht zu nehmen, verlangt: Konzentration, gepaart mit Lässigkeit und herrschaftsfreie Souveränität. Und das alles wohlgemerkt ohne die Ernsthaftigkeit, die dieser Posten zugleich verlangt, über Bord zu werfen.

Die Annäherung an die Objektivität ist durchaus da, wenn dieser hochgewachsene Mann mit seiner aufgeschlossenen Art, dem funkelnden Blick und den stets ein Lächeln versprechenden Mundwinkeln vor sein Publikum tritt. Aber die Annäherung ist nicht mehr als das, und das genügt. Zamperoni macht seine Sache so selbstverständlich, als habe er alle Überlegungen über persönliche Zurücknahme, Neutralität, Objektivität und Subjektivitätsreste überhaupt nicht nötig, als könne man - oder wenigstens er - Nachrichten mal eben so aus der Hüfte präsentieren.

Und er macht es gut. Er hat recht, man kann so lange über die Präsentation von Nachrichten nachdenken, bis alle Spontaneität pulverisiert ist und bloßer Krampf übrigbleibt. Dieser Gefahr entgeht Zamperoni total. Aber er hat sicherlich doch über das eine oder andere nachgedacht. Man merkt es aber nicht. Er ist nett, aber nicht oberflächlich, er ist leichtfüßig, aber nicht leichtsinnig, er ist locker, aber nicht lose, sondern gesammelt, er ist so relaxed, dass man unwillkürlich hofft, er mache mal einen Fehler. Aber wenn er das täte, würde er es sofort zugeben, und dann wäre es okay. Er macht indes kaum welche. Stattdessen wird er immer besser.

Programm auf Augenhöhe

Sein Geheimnis ist das seiner Generation, zu der auch Daniel Bröckerhoff von "Heute plus" (ZDF) gehört: Diese News-Leute glauben nicht mehr, ein verschlafenes oder verstocktes Publikum aufklären zu sollen, sie wissen, dass sie nichts wissen und dass sie sich und uns das eine oder andere nahebringen können, wenn wir denn bereit und willens wären, ihnen zuzuhören.

Das Überlegenheitsgefühl superkluger Nachrichtenredaktionen gegenüber einer Bier trinkenden Glotzgemeinde ist dahingeschmolzen, und herausgekommen sind Nachrichtenmoderatoren, die keine Besserwisser und keine Wichtigtuer mehr sind, sondern Anbieter eines Programms auf Augenhöhe mit dem Publikum. Vielleicht sind sie manchmal ein bisschen zu verspielt. Es wird immer wieder Ausdrucksqualitäten geben, die die Neuigkeiten aus aller Welt auf eine fragwürdige Weise nonverbal interpretieren, aber dann fragt man eben. Man muss dabei nicht herablassend sein, weder als Publikum noch als Kritiker noch als Moderator oder als Moderatorin. Es geht auch von gleich zu gleich.

Man könnte es einen Fortschritt der Demokratie als Gleichheitsversprechen nennen, wenn Nachrichtenredaktionen sich heute so benehmen, als seien sie nichts Besonderes und die Nachrichten eine Sendung, die im Leben so selbstverständlich ist wie Frühstück oder Abendbrot. Wird womöglich wieder anders werden, wenn die Zeiten sich weiter verhärten.
Aus epd medien Nr. 27 vom 07. Juli 2017

Barbara Sichtermann