Internationales
CBS Corporation übernimmt australisches Network Ten
US-Konzern will global wachsen - Ten war finanziell in Schwierigkeiten
Sydney/New York (epd). Der US-amerikanische Mediengigant CBS Corporation erwirbt das in finanzielle Schwierigkeiten geratene australische Medienunternehmen Ten Network Holdings. Das wurde am 27. August in Sydney und New York mitgeteilt. Zum 1964 gegründeten Network Ten zählen Fernsehsender in den fünf australischen Metropolen: ATV Melbourne, Ten Sydney, TVQ Brisbane, ADS Adelaide und New Perth. Neben Network Ten gehören auch die beiden digital-terrestrischen Fernsehkanäle Eleven, an dem CBS bereits mit 33 Prozent beteiligt ist, und One sowie die schnell wachsende digitale Plattform Tenplay zu Ten Network Holdings. Ein Kaufpreis wurde offiziell nicht mitgeteilt. Nach australischen Medienberichten soll er aber rund 123 Millionen australische Dollar betragen (82 Millionen Euro).

Mit der Komplettübernahme von Ten Network Holdings beschleunigt CBS nach eigenen Angaben die globale Wachstumsstrategie auf einem englischsprachigen Schlüsselmarkt mit 24 Millionen Einwohnern und bahnt den Weg für den Start des Streamingdienstes CBS All Access in Australien durch die Nutzung der digitalen Aktivposten von Ten. 2018 will CBS den 2014 in den USA gegründeten Streamingdienst auch in Kanada starten. 2016 erwirtschaftete die CBS Corporation einen Umsatz von 13,2 Milliarden US-Dollar (elf Milliarden Euro) und einen operativen Gewinn von 2,6 Milliarden US-Dollar.

"Network Ten ist ein erstklassiger Rundfunk-Vermögenswert mit über einem halben Jahrhundert Erfahrung und Markenkapital", erklärte Leslie Moonves, der Vorsitzende und Vorstandsvorsitzende von CBS Corporation. Paul Anderson, der Vorstandsvorsitzende von Network Ten, betonte die starke Beziehung zu CBS. "Wir sind begeistert über die Weiterentwicklung dieses Verhältnisses zu CBS als Eigentümer und über die Stärke, die sie dem Unternehmen in kritischen Zeiten gewähren werden". CBS ist der größte Gläubiger von Network Ten und hat dem australischen Unternehmen eine Reihe von Programmen wie die langlaufende Militärkrimi-Serie "NCIS" und in der Vergangenheit Serien wie "CSI" und "The Good Wife" verkauft.

Wie die anderen australischen TV-Networks leidet Ten unter rückläufigen Werbeumsätzen und wachsender Konkurrenz durch digitale Streamingdienste. Im August 2017 erreichte Ten einen Zuschauer-Marktanteil von zehn Prozent und lag damit klar hinter Network Nine mit 17 Prozent und Network Seven mit 15 Prozent. Der öffentlich-rechtlich Australische Rundfunk (ABC) kam ebenfalls auf zehn Prozent.

2016 erwirtschaftete Network Ten Holdings einen Umsatz von 676 Millionen australischen Dollar (AUD), ein Zuwachs um sieben Prozent, und einen Verlust nach Steuern von 154,4 Millionen AUD. 2015 betrug der Verlust noch 308,5 Millionen AUD. Im ersten Halbjahr 2017 kam es dann zu einem erneuten Verlust von 232 Millionen AUD. Daraufhin lehnten es die bisherigen drei Hauptaktionäre von Ten - Bruce Gordon, James Packer und Lachlan Murdoch, der älteste Sohn Rupert Murdochs - ab, einen weiteren Kredit von 250 Millionen AUD zu gewähren.

Darauf stellte der Aufsichtsrat von Network Ten Holdings die Gruppe am 14. Juni unter Treuhandverwaltung. Mitte Juni gaben Lachlan Murdoch, Gründer der australischen Investmentgesellschaft Illyria und Ko-Vorsitzender von 21th Century Fox und News Corp, und Bruce Gordon, Besitzer des regionalen TV-Networks Win Television und der Investmentgesellschaft Birketu, ein gemeinsames Angebot zur Übernahme von Ten Network Holdings zu je 50 Prozent ab. Lachlan Murdoch, der auch schon Vorsitzender und Vorstandsvorsitzender von Ten Network Holdings war, besitzt einen Radiosender in Australien, zudem kontrolliert News Corp zwei Drittel des australischen Zeitungsmarktes. Für eine Übernahme von Network Ten Holdings durch das Konsortium wäre daher eine Änderung der australischen Mediengesetze erforderlich gewesen. Dem kam CBS nun zuvor.

"Ich würde es gewiss begrüßen, wenn das Ten Network in eine Periode stabiler Besitzverhältnisse und finanziell stabiler Umstände kommen würde", erklärte Australiens konservativ-liberaler Ministerpräsident Malcolm Turnbull. "Das wäre im Interesse des Networks, seiner Mitarbeiter und natürlich der Zuschauer." Auch der sozialdemokratische Labor-Oppositionsführer Bill Shorten begrüßte die Rettung von Ten durch CBS. Nun ist noch die Zustimmung der australischen Prüfungsbehörde für ausländische Investitionen erforderlich.

Aus epd medien Nr. 36 vom 8. September 2017

ebe